CHRISTMAS - Scum As You Are
Chrismas SAYA Cover 140x140Genre: Punk
Label: Kidnap Music
Veröffentlichung: 06.04.2018
Bewertung: Klasse (8/10)

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Die Platte ist die dritte LP der Saarländer Punk Rocker und der von Nirvana abgewandelte Titel „Scum As You Are“ verrät schon so einiges: Hier wird wohl eine ganze Menge an Wut und Verachtung transportiert. Mehr will ich zur Band auch gar nicht vorwegnehmen; lassen wir lieber gleich die Musik für sich sprechen. Eine Sache vielleicht noch, bevor die Enttäuschung hinterher groß ist: Mit Weihnachten hat das Ganze nichts zu tun!

Mit „Army Of Losers“ startet die Scheibe musikalisch recht vielversprechend: Ein klingender E-Gitarrenton wird von einem Slide weggegrätscht, welcher wiederum von brachialem Gedresche auf den Toms und dem ersten Riff auf der Gitarre verdrängt wird. Das Riff hält sich im Song als Konstante, während Gesang und Off-Beats am Schlagzeug mit recht hoher Geschwindigkeit die Strophe einleiten. Wo wir gerade beim Gesang sind: Die Stimme von Sänger Max ist speziell und passt zur Musik wie eine Flasche Nörten in den 30er Kasten: In den Höhen ist sie leicht nasal, in den Tiefen dagegen leicht kratzig und die Tonlage scheint manchmal nicht recht mit dem Rest zu harmonieren. Der Rhythmus des Gesangs tendiert außerdem leicht zum aggressiven Sprechgesang bzw. Shouting. Negativ ist das definitiv nicht – vielmehr finde ich, dass dadurch eine authentisch wirkende Wut transportiert wird, abgerundet mit einer ordentlichen Ladung punkiger Reudigkeit! Zügig kommt der Song zum Refrain, der mit seinem bestechlich simplen und eingängigen Text zum Mitgrölen einlädt. Dieser wird von einem hohen Gitarrenriff und Backing Vocals begleitet. Das Schema wiederholt sich dann in Strophe zwei und erneutem Refrain, wobei die Outro des Tracks noch mal das Riff der Strophe aufgreift, während das Schlagzeug mit Breaks vorwärts trampelt.

In „The Old Man Tells“ geht es schnell, wütend und mit klassischen Punk Riffs weiter. Allerdings gibt es in der Mitte des Songs eine Bridge, die mit dem Schema bricht: Der Refrain klingt aus und kurz sind nur die Drums zu hören. Darauf setzt eine lässige Bassspur ein, die kurze Zeit den Sound anführt. Mit einem Slide kündigt sich die erste, leicht verzerrte Gitarre an, die nun die Melodiefühunrg übernimmt. Kurz nachdem das Riff ein wenig an Aggressivität zulegt, gesellt sich eine zweite Gitarrenspur dazu, wodurch der Sound voluminöser wird. Das Ganze endet relativ abrupt, um wieder dem aggressiven Gesang zu weichen. Das Zwischenspiel kommt ziemlich überraschend daher und zeigt, dass CHRISTMAS vielleicht sogar eine weiche Seite haben, die sie präsentieren wollen…

…Vielleicht aber auch nicht! Es geht wohl zur Freude aller Wüteriche auf der Platte stürmisch weiter. In „You Bore Me“ folgt ein lauter Abgesang auf alle Konsum-Kinder und auch der wunderbar eingängige Song „Wave Of Hate“ feuert wieder ordentlich die Rotze in alle Richtungen. Interessant sind hier außerdem die flirrenden Wechsel im Riffing zwischen dunkleren Tonfarben und einem recht hohen Riff, das quasi über dem restlichen Sound tanzt.

Auch „Fortune Ain’t Payable“ bedient sich dieser Wechsel in der Gitarrenspur, ohne dabei gleich zu klingen. Drums und Bass treiben immer schön an, während eines der dunkleren Gitarrenmotive schon fast ein bisschen doomig daherkommt. Zusätzlich wird dieses hier und da mit Shredding durchsetzt. Damit wird quasi bis zur kurzen Strophe aufgebaut, in der dann das hohe Riff zusammen mit dem Gesang im Vordergrund stehen und einen Kontrast zum vorigen Motiv bilden, der auch dadurch noch deutlicher wird, dass die restlichen Instrumente in Sachen Lautstärke in den Hintergrund treten. Darauf folgt die Kopfnuss aka der Backstein im Gesicht aka der Refrain, in welchem zusätzlich noch eine schön reudige Backing Vocal Spur dazu kommt. Nach einer zweiten Strophe und dem Refrain im gleichen Schema knüpft eine Abwandlung des Refrains an, in der das Lead Riff ein wenig melodischer ist und statt der tiefen Backing Vocals eine hohe Chorus-Stimme folgt, die teilweise schon fast kreischend wirkt und einen ganz neuen Flow in den Song bringt. Der Track geht gerade mal 1:52 Minuten, ist aber dicht bestückt mit verschiedenen Motiven und Elementen ohne dabei überladen zu wirken. Richtig geil!

Der darauf folgende Titel-Track stinkt meiner Meinung nach gegen „Fortune Ain’t Payable“ ein wenig ab. Definitiv eine solide Nummer, die gut ins Ohr geht! Allerdings bietet sie bei einer wesentlich längeren Spielzeit musikalisch nicht ansatzweise so viel.

In „Empty Generation“ und „I Hate“ wird für die Menschen, die sich angesprochen fühlen, es aber immer noch nicht verstanden haben, noch einmal schön knackig und kurz, musikalisch aggressiv und mit hochverachtungsvollen Grüßen erklärt, dass sie echt scheiße sind.

Der Song „Rosebud“ bringt dann noch ein bisschen Abwechslung, denn verglichen zum Vorigen wird sich in den Strophen an eher poppigen Beats bedient und das Riffing ist auch eine Spur seichter. Die Gefahr, dass das Ganze ins Weichgespülte abrutscht, besteht trotzdem nicht, da auch hier der aggressive Gesang von Sänger Max aller Harmonie Einhalt gebietet. Ach, und im Refrain scheppert es dann auch wieder, nicht nur auf den Splash-Becken.

Auch „Goodtimes, High Fives“ und „Sex Sells“ am Ende der Platte glänzen noch einmal mit einem vielschichtigen Sound, harmonischen Geschwindigkeitswechseln, fetzigen und stimmungsvollen, punkigen Riffs, jeweils eigenen Akzentuierungen und natürlich jeder Menge Energie. So, wie es auch die anderen Songs vorgemacht haben, ohne dabei eine langweilige Wiederholung zu sein. Tja, was soll ich da noch lange rumlabern – „Scum As You Are“ ist meiner Meinung nach einfach eine richtig solide, mit Wut und Verachtung geladene, schön rotzige Platte, die musikalisch für Punk einiges zu bieten hat und dabei trotzdem authentisch rüberkommt.

Für den audio-visuellen Input findet ihr hier das aktuelle Video zum Song „You Bore Me“.