VISIONS OF THE NIGHT - Supreme Act of War (Review)
VisionsOfTheNightSupremeActOfWarCover Genre: Black / Death Metal
 Label: Independent
 Veröffentlichung: 18.11.2017
 Bewertung: Bombe (9/10)

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Wer auf Bomber, Panzer und Weltkriegsatmosphäre steht, sollte sich das dritte Studioalbum von VISIONS OF THE NIGHT dringend zu Gemüte führen! Die vereinen dies nämlich auf ihrem neuesten Werk in einer gelungenen Mischung aus Black und Death Metal. Um ihren Fans einen Vorgeschmack auf das Album zu geben, fand das Release am 18. November letzten Jahres, pünktlich zum Tour-Auftakt in Seoul (Korea) statt. Für all jene, die nicht das Vergnügen hatten, die kanadische Bühnenshow mit einem Sniper, einem betrunkenen Doktor und zig niederprasselnden Papier-Bombern bei der Wall of Death zu sehen, lohnt sich ein Blick auf die Scheibe, die auf neun Tracks unter anderem Gastsänger Mirai Kawashima von der japanischen Band SIGH zu bieten hat. Neben dem Sujet des Albums, das sich dem ersten Weltkrieg widmet, sind auch die Vorlieben der Band besonders: Passend zu ihrer ausgelebten Waffenaffinität wird bei VISIONS OF THE NIGHT in der Freizeit auch gern scharf geschossen.

Im Intro wird ein mit idyllischer Melodie und Vogelgezwitscher untermalter Hubschrauber mit Stoßfeuer von einmarschierenden Riffs niedergemäht. In größer werdenden Intervallen fallen weiter Schüsse, während sich ab der Songmitte wechselnde Stimmvariationen im tiefen Growling batteln und von Blechtrommel und E-Gitarre ergänzt werden. Die Songs behalten im Allgemeinen alle einen marschierenden Tenor, der sich gelegentlich mit Sturmfeuerpassagen abwechselt und sich hervorragend zum Headbangen eignet. Gesanglich erinnern die tieferen Vocal-Parts stark an CRYPTOPSY, während das etwas höhere Krächzen mehr in Richtung Black Metal geht.
Der zweite Track ‚Longinus‘ ist temporal zweigeteilt – er beginnt recht langsam und wechselt ab der Mitte in deutlich schnellere Gefilde, die zum Ende einer langsameren melodischen Passage weichen. Zudem ist bei diesem Song auch Gastsänger Mirai Kawashima zu hören. Um die Geschwindigkeitswechsel rund zu bekommen, paaren sich die seichten Parts mit Growling, die Zügigen mit Black Metal Vocals. „Metal Supremacy“ an dritter Stelle ist dagegen nur mit wenig Gesang bestückt und trumpft dafür mit deutlich mehr Gitarrensoli und starken Riffs auf. Es folgt ein schwerer Death-Metal-Zug, der sich zunächst mit schroffem Gerumpel ankündigt, das immer wieder von quietschenden Gitarren à la GOJIRA aufgebrochen wird. Ansonsten hat „Western Trench Line“ auf dreieinhalb Minuten ein zügiges Gemetzel zu bieten, das auch hier wieder durch verschiedene gesangliche Komponenten komplettiert wird.
Kurz lockern VISIONS OF THE NIGHT das Tempo im Intro von „Struggle Through Loss“, bevor ein weiteres Death-Getöse losbricht, das nach einer Weile von einem seltsam schiefen Gitarren-Intermezzo unterbrochen wird. Nachdem sich das verflüchtigt, ist der midtemporal bis langsame Song aber durchaus hörenswert und melodisch.
‚Yamato‘ weist neben der harten Gangart eine ebenso markante Melodie wie Vocals mit Wiedererkennungswert auf. Zu schwerfälligen Riffs und flotten Drums gesellen sich immer wieder Gang-Shouts, bevor der Track ein abruptes Ende findet und es mit ‚Allied Airpower‘ weiter geht. Der Name ist Programm – bis auf eine gemächliche Passage, die vor allem durch eine hohe E-Gitarre und tiefe Riffs besticht, erheben sich die Kanadier mit martialischen Soundwänden akustisch in die Höhe. Hintergründig rundet eine Art Chant-Gesang hier und da diesen Eindruck ab. Bei dem darauf folgenden Track „Reign of Steel“ entsteht durch den militärischen Radar und die doch recht weiche Gitarrenführung fast der Anschein einer harmonischen Blumenwiese und Frieden, bis sich eine aggressive tiefe Rhythmusgitarre bemerkbar macht und das Tempo abermals anzieht. In diesem Song wechseln sich nicht nur Geschwindigkeitsvariationen ab, sondern auch ziepende Gitarrensaiten und klangvolle Passagen. Das Album schließt mit „Deus Vult“ – zu Deutsch: „Gott will es!“, einem Motto aus der Zeit der Kreuzzüge. Passend dazu erklingen auch hier wieder leise Chant-Gesänge im Hintergrund, bevor der rasche Doublebass keine Gnade zeigt und zusammen mit immer wiederkehrenden ‚Deus Vult‘-Shouts mächtig durchs Gehör zieht.  Nach knapp vierzig Minuten endet „Supreme Act of War“ mit einem laut verklingenden Grunzen ganz nach Death-Metal-Manier.