IMMORTAL – Northern Chaos Gods
14612Genre: Black Metal
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 6.7.2018
Bewertung: Bombe (9/10)

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Man verzeihe mir gleich zu Anfang den kühnen Vergleich, aber als ich hörte, dass ein neues IMMORTAL Album in den Startlöchern stehen sollte, und das OHNE den Mastermind Abbath, dachte ich, das könnte eine kleine Odyssee à la Guns’n’Roses werden… Schließlich ist das letzte IMMORTAL Album auch schon fast zehn Jahre alt, nur Abbath hat ab und an solomäßig mit I (auch nur ein Album 2006) oder als ABBATH (2016) etwas auf den Markt geworfen. Schlagzeuger Horgh trommelte bei Peter Tägtgren von Hypocrisy (der im Übrigen die Bassspuren einspielte und seine Abyss-Studios auch zum Teil bei der Produktion des neuen Werkes zur Verfügung stellte) und Gitarrist und jetzt neuer Sänger DEMONAZ trug auch so einiges bei verschiedenen Projekten bei. Als Abbath 2015 offiziell bei IMMORTAL ausstieg, mochte wohl keiner so recht an ein neues und schon gar nicht an ein relevantes Album glauben. Umso überraschter war nicht nur ich, als die News kamen, dass IMMORTAL im Studio standen und das Album auch tatsächlich real veröffentlicht wurde! Und was soll ich sagen – das Warten hat sich definitiv gelohnt!

Das Album startet mit dem Titeltrack und der Singleauskopplung und macht gleich einmal klar, wie der Hase läuft. Dass die zwei Verbliebenen zurück zu ihren ursprünglichen Black-Metal-Wurzeln wollten, ist definitiv nicht überhörbar. Gleich von der ersten Sekunde bricht ein krasses Black-Metal-Gewitter über den Hörer herein. Natürlich fehlt der Abbath-Faktor, der dem ganzen zum einen immer ein bisschen Süffisanz (aber das war wohl das, was die Norweger nun endlich loswerden wollten) und zum anderen eine unverwechselbare Note verliehen hat. Demonaz dagegen präsentiert klassische, keifende und stark verhallte Black-Metal-Screams, die ein bisschen in den Hintergrund gerutscht wurden. Im Vordergrund steht das unermüdliche Maschinengewehrschlagzeug und die flirrenden Gitarren. Hier wird durchgängig geprügelt und gekeift.

„Into Battle Ride“ schließt dort nahtlos an. Die Tonfolgen sind eher simpel und repetitiv gehalten, aber dafür in einem mörder Tremolo-Tempo wie auch Getrommel in wahnwitziger Geschwindigkeit. Thematisch bewegt sich das Album natürlich wieder in der dunklen Seite der Welt, inspiriert von der kalten, schneebedeckten und finsteren Natur der norwegischen Landschaft, und in Ehrfurcht vor musikalischen Größen wie Bathory, Venom und Celtic Frost. Die Lyrics drehen sich um die fiktive Welt Blashyrkh und seinem größten Krieger Mighty Raven Dark (siehe Titel letzter Song). Der Sound ist naturgemäß wieder etwas norwegischer – back to the roots, mit viel Hall auf allem, aber trotz allem eine große Produktion.

„Gates to Blashyrkh“ nimmt das Tempo etwas heraus, was es aber nicht weniger düster macht. Zwischendurch hört man sogar akustische Gitarren als Bridge, die zu den Midtempo-Passagen überleiten. Auch hier sind die Songstrukturen nicht überdekoriert, sondern bleiben einem Thema treu und verlieren sich nicht in Spielereien. In der Mitte des Songs findet sich eine sehr mächtige, sogar basslastige Stelle, die zum Kopfnicken einlädt.

„Grim and Dark“ beginnt zunächst verhalten, um dann in übles Geklopfe überzugehen, bis sich die Melodie entlädt, die von der winterlichen Kälte der schneebedeckten Landschaft erzählt und einen guten Hook bildet. Dem Gesang wird etwas mehr Raum eingeräumt, indem er zum Teil konträr zu den Instrumenten läuft.

„Called to Ice“ zeigt eine fast groovige, recht eingängige Melodie, was sich definitiv an ihren Vorbildern wie Venom orientiert, während das Schlagzeug unermüdlich das Tempo vorantreibt, ohne übertrieben zu prügeln – sicher einer der eingängigsten Tracks des Albums.

Auf „Where Mountains Rise“ wurde das Tempo enorm gedrosselt (nicht die Bass Drum) zugunsten der finsteren monoton-bitteren Atmosphäre, die heraufbeschworen und von den krächzigen Screams unterbrochen wird. Der Song hat absolutes Hymnen-Potenzial. „Blacker of Worlds“ klingt, als ob der vorherige Song in kleiner Variation der Tonabfolgen weitergeführt wurde. Beide Songs sind sehr majestätisch angelegt.

„Mighty Raven Dark“, der gewaltige Krieger des schneebedeckten Reiches, folgt dieser Linie mit mächtigen und schweren Riffs, die das Epos würdig erzählen.

Auch wenn ich natürlich enttäuscht bin, dass IMMORTAL einfach ohne Abbath weitermachen, gibt es auf der neuen Platte mitnichten einen Qualitätsabfall, vielmehr eine Rückkehr und Orientierung an die Anfänge der Band und des Black Metals der 90er, wenngleich natürlich mit besserem Sound und wesentlich erwachseneren Songstrukturen. Hier wird kein Black-Metal-Fan enttäuscht sein – auf Abbaths humorvolle Übertreibungen muss man allerdings verzichten. Viele werden aber auch das sicher begrüßen.