BLAZING SPHERES - Prototyp
Blazing Spheres_Prototyp_CoverGenre: Experimental Stoner Doom
Label: Eigenveröffetnlichung
Veröffentlichung: 19.05.2018
Bewertung: Bombe (9/10)

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Die Experimental Stoner Doom Formation feiert mit dem Song „Prototyp“ ihre Debüt-EP. Ja, richtig, es ist nur ein Track, aber der hat eine Spiellänge von über 37 Minuten und es gewaltig in sich! Und um es mal vorweg zu erwähnen, der Song ist abgesehen von einer kurzen Sprechstimme rein instrumental.

Also los geht es mit stapfenden Geräuschen auf einem Laubboden und dezentem Vogelgezwitscher, auf das sich lang schwingende E-Gitarrentöne legen und recht schnell durch ein melodiöses Riff begleitet vom Rest der Instrumente ersetzt werden. Die Geschwindigkeit zieht daraufhin an, der Sound bleibt insgesamt aber harmonisch und lässig, was das Motiv ziemlich cool macht! Sympathisch im Sound ist außerdem der Schellenkranz, der das Ganze noch ein bisschen lässiger macht, auch wenn damit nur der Takt geschlagen wird. Mit einem geschmeidigen Übergang geht es wieder über in einen ruhigen Klang, der ein bisschen doomiger ist. Damit wird auch der Weg für die Sprechstimme und ihre Botschaft bereitet. Den Hörenden wird nahegelegt, sich selbst zu bemächtigen und (hier Freiheitsgedöns einfügen). Auf die letzten Worte schiebt ein schnelleres Riffing mit hohen Tönen wieder an, gefolgt von einem Wechsel zwischen Lead und Rhythme Gitarre mit Begleitung. Mit einem Break im Sound geht es dann mit einer ein wenig mehr kreischenden Gitarre und eher fetzigem Sound weiter, um schließlich wieder an Tempo abzunehmen. Auch hier ist die Kombination der unterschiedlichen Motive wieder wirklich gelungen. Der rote Faden des Tracks führt schließlich weiter zu einer Kette von Riffs, die dazu einlädt, die Augen zu schließen und im Flow zu baumeln. Ehe man sich versieht, sind dann auch schon mehr als 15 Minuten des Songs durch.

Und hier gibt es dann tatsächlich einen kleinen Einschnitt mit Outro-Charakter und einer gefühlten neuen Intro. Durch die handgemachten Soundeffekte unter anderem der Percussion Instrumente wird es düsterer. Der vollständige Übertritt ins Doomige wird zynischerweise von dem Geräusch einer blubbernden Bong eingeleitet. Richtig gute Idee! Die drückende, monotone Atmosphäre wird eine Weile aufrecht gehalten bis ein Sound, der irgendwo zwischen Windgeräuschen und denen einer Spule liegt, das Ganze unterbricht. Allerdings setzt darauf wieder das doomige Motiv ein. Ein weiteres Mal kommt das unidentifizierte Geräusch, das hier tatsächlich mehr nach Wind klingt und das Düstere ist vertrieben – es setzen wieder sanftere und hohe Gitarrenklänge ein. Auch hier ist die Brücke zwischen den unterschiedlichen Motiven, die die unterschiedlichen Atmosphären transportieren, richtig stark komponiert! Weiter geht es also in der harmonisch klingenden Wohlfühl-Sphäre. Diese wird wiederum durch die ausbrechende Lead-Gitarre aufgehoben und mit einem etwas härterem Cut ins Rockige umgewandelt. Der saftige Old School Groove wird schließlich durch einzelne Schläge einer Triangel (o.ä.) mehrmals kurz unterbrochen. Dieser Part wird dann im weiteren Verlauf des Motivs von Schlagzeug-Breaks übernommen, bis das ganze wieder ins Doomige kippt. Das Dunkle legt sich langsam in einem weiteren Motiv und gibt schließlich wieder den Weg frei für einen weichen, melodiösen Part, der vom Riffing an vorangegangene Passagen anknüpft. Hier entsteht im Kontrast zu den hellen Gitarrentönen der Übergang zu einer Bassspur, die mit ihrer Tiefe noch mal schön mit Melancholie nachwürzt und sich schließlich wieder in Kombination mit den restlichen Instrumenten den helleren Klangfarben hingibt. Mit leicht verzerrter Lead-Gitarre und psychodelischem Sound wird noch einmal das Tempo angezogen, was in einer flirrenden Passage gipfelt. Die Intensität hält sich noch eine Weile im angeschlossenen Riff, baut sich aber schon langsam ab. Die nachfolgende Outro bedient sich noch mal eines smoothen Sounds, in dem seichtes Saitengezupfe hin zum finalen Triangelschlag dümpelt.

Wie fasse ich das jetzt am besten zusammen? Vielleicht erstmal zwei kleine Kritikpunkte. Ab und zu tritt im Sound leichtes Knarzen und Kratzen im Sound. Darüber kann ich aber, gerade weil das hier ein Newcomer-Debüt ist, getrost hinwegsehen. Und davon mal abgesehen ist der Sound ansonsten sehr solide! Eine andere Sache wäre noch, dass man meiner Meinung nach die Sprechstimme auch hätte weglassen können, da der Track allein durch die Musik schon so aussagekräftig ist, dass das Gerede einfach alles andere als nötig ist, um dem Ganzen Tiefgang zu verleihen. Aber das ist auch nur meine persönliche Ansicht. Im letzten Punkt steckt aber auch die große Stärke: Der Song ist vielseitig und besitzt im Klang Tiefgang, ohne dabei überladen zu sein. Die Kombination aus Doom und Stoner Elementen gibt der Komposition einen ganz besonderen Flow: In den harmonisch, fröhlichen Passgen wird immer auch das Düstere bereitgehalten und andersherum. Ich könnte jetzt noch irgendwas von Licht und Schatten labern, dass lasse ich aber. Gerade die Wechsel zwischen den Motiven sind meist sehr gelungen, sodass ich als Hörer von einer in die andere Stimmung getragen werde, ohne dass die Verbindung zum Vorigen verloren geht. Der Sound in den einzelnen Motive an sich ist vielfältig und bietet vom groovigen Old School Sound über die düstere Atmosphären bis hin zum psychedelischen Vor-Sich-Hin-Vegetieren einiges. Und das alles halt in einem einzigen, stimmigen Track. „Prototyp“ ist auf alle Fälle ein richtig solider Einstand der Newcomer und macht Lust auf mehr!