J.B.O - Deutsche Vita
jbo_deutsche-vita_coverGenre: Hard Rock
Label: AFM Records
Veröffentlichung: 30.03.2018
Bewertung: Heavy! (10/10)

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Nach langer Zeit wage ich mich mal wieder aus meinem Keller heraus, um zu lachen. Was eignet sich dazu besser als J.B.O.s neue Scheibe „Deutsche Vita“?
Und schon schlägt mir der erste geklaute Hit „Alles Nur Geklaut“ entgegen und der kommt schön selbstironisch mit einem netten Augenzwinkern daher. Lyrisch wird sich am Original orientiert, wobei alles schwermetallischer gestaltet ist und der Text gut „versaut“ wurde.
„Du Hast Dein Smartphone Vergessen“ erinnert an die Problematik einer bekannten amerikanischen Thrash-Metal-Band, bei der sich die Produktion des neuen Albums aufgrund eines verlorenen Handys verzögert hat. Doch die Geschichte nimmt eine erstaunliche Wende und wird zu einem Eifersuchtsdrama. Sehr gut gelungen – Nina Hagen wäre stolz!
Jetzt geht es klassisch weiter mit „Ich Will Spaß“ und genau das vermittelt der Song, er zündet direkt und ballert gut durch die Boxen. Das Thema ist J.B.O.-typisch: Bier – mehr muss man dazu nicht sagen.
„Das Lummerlandlied“ erweckt Erinnerungen an die Kindheit und geht direkt über in die Phase, in der die Doublebass cooler wurde als der Kinderkanal. Kurz und knackig, geht ins Ohr bleibt im Kopf – sehr geil!
„Wer Ist Der Fahrer“ spielt auf eine Problematik an, die den Feierwütigen unter unserer Leserschaft durchaus bekannt sein dürfte. Vertont wird der Titel „Carbonara“ von SPLIFF. Hier wird das Tempo etwas herausgenommen, der Song hat ein cooles Feeling und bringt die Gedanken der Nichtfahrer gut rüber.
„Nur Geträumt“ zieht die Schrauben dann wieder etwas härter an, der Song geht straight forward. Das Original bleibt dennoch klar erkenntlich, J.B.O. legen aber noch eine Schippe drauf, sodass der Song richtig fetzt.
Der Gesang bei „Blaue Augen“ erinnert an Lemmy Kilmister (R.I.P) und untermauert die Romantik, die hier vorherrscht. Auch dieser Song ist wieder gut gelungen und hat ordentlich Mitgrölcharakter!
Mit „Deutsche Vita“ dröhnt nun der Titeltrack aus der Anlage und nimmt Bezug auf die Höhen und Tiefen der deutschen Geschichte. Dabei nehmen J.B.O. den ewigen Meckerern gekonnt den Wind aus den Segeln, aber nicht ohne eine schöne Prise Humor und ein paar Seitenhiebe.
„Bombenhagel“ von SODOM hat seinen Platz unter dem Titel „Karneval In Sodom“ erhalten, fällt aber mit 1:42 sehr kurz aus und endet im Chaos aus Schüssen und diversen – scheinbar – Karnevalsounds.
Nach all den Jahren J.B.O. wurde es auch mal Zeit für den folgenden Song: „Wickie“! Textlich bleibt man hier beim Original, aber das ist geil. Hoffentlich findet er den Weg auf die Setlist der kommenden Konzerte!
Der nächste Klassiker heißt „Hurra Hurra Die Schule Brennt“ und J.B.O. zünden hier ein Feuerwerk, das absolut Spaß macht! Ebenfalls großer Partycharakter!
„Grande Finale“ geht überraschend auf den Schöpfungsbericht ein und vergleicht das Diesseits mit einer Kanalisation, was aufgrund der Wortwitze sehr lustig rüberkommt. Plötzlich kommt man an den Wendepunkt und man findet sich in der Apokalypse nach einem Atomkrieg wieder. Sehr gut gelungene Sozialkritik!
Doch es nicht vorbei, denn es folgt der erste Bonustrack „Gewiss Ist Nur Der Tod“! Dieser wird zum Berufsstand erhoben und erhält seine Würdigung. Zudem werden Schwierigkeiten, mit denen er in der Ausführung seines Berufes konfrontiert wird, beispielsweise dem medizinischen Fortschritt, diskutiert.
Als zweiter Bonustrack ist noch die Liveversionen von „Fränkisches Bier“ aus Augsburg enthalten.

Wieder einmal haben J.B.O. ein Album abgeliefert, das seinen eigenen (Party-) Charakter hat und zu jedem Zeitpunkt mehr als nur Spaß macht – hierfür ein Riesenkompliment! Es gibt keinen Song, der auch nur ansatzweise langweilig wird oder sich zieht, die Tracklist ist genau richtig gestaltet. Ein sehr gut gelungenes Gesamtpaket!