CHELSEA WOLFE – 12.08.2018 – Hamburg, Kampnagel

CW live

Es ist Sonntagabend und aus allen Ecken der Stadt versammeln sich Leute in den Hallen auf Kampnagel, DEM Ort für alle Arten von moderner bis hin zu avantgardistischer Kunst in Hamburg. Die ehemaligen Fabrikhallen eignen sich besonders gut für Künstler, die auf experimentellen Pfaden wandeln. Somit ist es nur richtig, dass CHELSEA WOLFE an diesem Ort auftritt, da man zwar ihre Musik mit verschiedenen Attributen beschreiben kann, aber man sie trotzdem nicht in eine Schublade stecken kann. Und genau so möchte sie es auch.

Doch zunächst betritt PETER WOLFF die Bühne, ein junger Künstler aus Hamburg, der dem einen oder anderen als Gründungsmitglied der Band Downfall of Gaia bekannt sein dürfte. Doch im Gegensatz zu früheren Klängen, präsentiert er am Keyboard bzw. Laptop stehend Dark-Ambient-Musik, welche von schwarz-weißen bewegten Bildern auf einer Videoleinwand untermalt werden. Anfangs sind Klavierklänge im Vordergrund, doch recht schnell gesellt sich auch ein dröhnender, körperlich spürbarer Bass hinzu, der dann später immer mal wieder auftaucht. In den Bildern lässt sich durchaus eine Thematik erkennen, da dort vor allem Wasser- sowie Naturaufnahmen gezeigt werden. Eine steinernde Schlucht erinnert sogar an die, in die Aragorn im dritten Teil von der Herr der Ringe hineinritt, um das Geisterheer zu holen. Komische Assoziation sagt ihr? Doch genau so funktioniert die Installation mit der Musik: der Zuschauer gibt seinen Gedanken freien Lauf, während er mit dem passenden Soundtrack beschallt wird. Auch wenn es zwischendurch Verschnaufpausen in der Darbietung gibt, so ebbt die Musik niemals komplett ab. Zum Schluss wird die Perfomance Eugen Malek gewidmet, eine Person, die dem Künstler nahe stand. Ohne großes Tamtam verabschiedet er sich von der Bühne.

Nach einer kurzen Umbaupause geht es mit dem Hauptact des Abends weiter. Ein wenig Kunstnebel, wenige Scheinwerfer tauchen die Bühne hintergründig in weiches Licht, als die Band eben diese betritt. Der erste Song des Abends ist „Carrion Flowers“ vom Vorgängeralbum „Abyss“. Der Saal ist deutlich gefüllter als zuvor und die Menge reagiert sofort auf die Klänge. Es wird mit dem Kopf genickt, die Augen geschlossen, der Körper hin- und hergewiegt. Gleich danach folgt „Spun“ vom aktuellen Album „Hiss Spun„, welches ebenso gut vom Publikum aufgenommen wird. Man merkt schnell, dass dieses Konzert eher von der individuellen, introvertieren Sorte ist, da jeder für sich die Musik in sich aufnimmt und genießt. Man lauscht gespannt dem mal gehauchten zarten, mal dem hohen und klaren, mal mit Echo versetztem Gesang von Chelsea, welcher von den Instrumenten perfekt in Szene gesetzt wird. So ist zwar das Schlagzeug hier am deutlichsten zu hören, doch merkt man, dass generell die Musik um die Stimme aufgebaut wurde. Dies ist aber kein Manko, im Gegenteil: Alle Musiker harmonieren sehr gut miteinander, sodass ein einmaliges Klangerlebnis entsteht. Interessanterweise werden die meisten Songs aus dem neuen Album erst ab der zweiten Hälfte gespielt, was ich Vergleich zu anderen Bands doch eher ungewöhnlich ist. Jedenfalls sollte man nicht CHELSEA WOLFE hören, wenn man etwas Gewöhnliches möchte. Die Sängerin vergeudet auch keine Zeit mit langen Ansagen ans Publikum, sodass die Atmosphäre im Saal aufrecht gehalten wird und man in ihrer mysteriös angehauchten Musik versinkt. Nach elf Songs geht die Band kurz von der Bühne, um für zwei Zugaben nochmal auf die Bühne zurückzukehren. Nach einem kurzen „Thank you, have a good night“ verabschieden sich die Musiker und der Zauber des Abends ist vorbei.

Es war einmaliges Konzerterlebnis und für alle Freunde der experimentellen Musik definitiv für die Zukunft zu empfehlen. Es gab nichts an der Soundqualität auszusetzen, weder beim Support, noch beim Hauptact, sodass man die gesamte Perfomance vollends genießen konnte, auch wenn sich der Saal ganz schön aufgeheizt hat. So verstreuten sich die Leute am Ende wieder und machten sich sichtlich zufrieden auf den Nachhauseweg. Und an dieser Stelle möchte ich noch Marcus für seine kompetenten Kommentare zum Konzert danken.

Setlist:

  1. Carrion Flower
  2. Spun
  3. Vex
  4. Demons
  5. After The Fall
  6. Dragged Out
  7. Feral Love
  8. Particle Flux
  9. 16 Psyche
  10. The Culling
  11. Twin FawnZugabe:
  12. Survive
  13. Scrape