ICED EARTH – Ein entspanntes Gespräch mit Sänger Stu Block in Berlin

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An einem sehr heißen Tag, haben wir in Berlin-Kreuzberg Stu Block vor der Show getroffen und uns ein wenig über Bacon, „Incorruptible“ und einen anscheinend sehr prägenden Traum aus der Kindheit des Sängers unterhalten.

Hier findet ihr übrigens noch den Konzertbericht zu der dazugehörigen Show!

Stu, du bist der der Frontsänger von ICED EARTH, wahrscheinlich müssen wir dich nicht weiter vorstellen und da du Kanadier bist, würde ich gerne mit einer etwas anderen Frage einsteigen: Stehst du mehr auf knusprigen oder saftigen Bacon?

Ah, gute Frage! Hängt vom Bacon ab. Wir haben kanadischen Hinterschinken, der eher rund ist und wir haben Bacon-Streifen. Die Streifen mag ich lieber knusprig und den Hinterschinken saftig.

Sehr gute Antwort! [lacht] Kommst du gut mit der Hitze zurecht oder ist das eher ein Problem?

Lustig, wir haben gerade darüber geredet. Ich komme mit Kälte besser zurecht, denn ich ziehe lieber zusätzliche Klamotten an, als nur in Unterwäsche rumzusitzen. [lacht] Aber wir können natürlich auch mit der Hitze umgehen. Ich meine, hier sind einige Leute, die aus sehr warmen Regionen kommen, die können das händeln. Ich kann damit umgehen, aber ich mag halt lieber die Kälte.

Klar, kanadisch eben. Du kommst aus Vancouver richtig?

Naja, geboren wurde ich in Ottawa, eine Zeit lang habe ich in Manitoba gelebt, in Vancouver habe ich die meiste Zeit meines Lebens verbracht und mittlerweile lebe ich in Saskatchewan.

Ah, ok. Bekommst du dort eigentlich Einflüsse von der Country Musik?

Naja, ich bin kein großer Country Fan, aber dort lieben viele Menschen Country Musik. Klar, es ist Prärie und Farmland und alles was dazugehört, dadurch gibt es dort viele Country Fans und mit ein bisschen der Musik kann ich auch etwas anfangen, aber ein großer Fan bin ich halt nicht.

Tatsächlich habe ich einige Monate in Kanada gelebt, auch in Vancouver und in Alberta [Nachbarprovinz von Saskatchewan].

Oh cool, yeah!

Da gab es jede Menge Country Musik Freaks.

Oh ja, besonders in Alberta!

F*cking Cowboys [lacht]

Oh ja man! Die drehen voll ab! [lacht]

Ok, lass uns über die Tour sprechen: Wie läuft es bis jetzt? Ihr seid mittlerweile über einen Monat unterwegs…

Ja, wir haben jetzt beinahe 6 Wochen hinter uns, vier Shows kommen noch inklusive der Show heute. Die Tour läuft echt gut, wir haben eine tolle Zeit, die Fans sind cool, wir haben auch auf einigen Festivals gespielt; es macht Spaß, es läuft echt gut!

Wo du gerade die Festivals erwähnst: auf der Tour sind Festival und Clubshows bunt gemischt. Hast du ein Show-Format lieber?

Beide haben ihre Vorzüge. Auf den Festivals spielt man vor einer riesigen Menge. Die Clubshows sind natürlich wesentlich intimer und die Leute tauchen immer noch auf, das ist cool! Ich mag lieber die intimeren Auftritte in Clubs, weil man einfach mehr mit den Fans interagiert. Bei Festival Shows hat man diese große Barriere, die quasi nur ein Meer aus Köpfen und Pommesgabeln ist. [lacht]

Was magst du am meisten am Tourleben?

Das, was ich daran mag, ist es, mit meinen Brüdern unterwegs zu sein; sie sind wie meine Familie und sie sind sehr gute Freunde. Das ist so der Hauptaspekt, dass ich es liebe, mit ihnen Zeit zu verbringen. Wir lachen sehr viel und wenn wir dann gemeinsam auf der Bühne stehen ist es wie elektrisiert. Wir gehen zusammen durch Hoch und Tief, das schweißt zusammen. Also mit den Leuten, die ich liebe und mir wichtig sind, unterwegs zu sein, ist das Größte. Und der Kern ist natürlich, gemeinsam Musik zu machen und all diese Dinge! Alles andere ist halt die Sahne auf dem Kuchen.

Daran angeknüpft: Bekommst du eine Gänsehaut, wenn ihr spielt?

Ja, da sind auf jeden Fall solche Momente. Manchmal gibt es diese magischen Momente, wenn man sich anguckt und alles perfekt ist und die Energie spürbar wird und auch das Publikum elektrisiert ist und uns in dem Moment was zurück gibt. Ja, ich habe definitiv manchmal eine Gänsehaut!

Kommt es bei bestimmten Songs öfter vor?

In letzter Zeit ist es so bei „Brothers“, „I Died For You“ ist so einer und „Black Flag“, viele lieben den Song.

Über „Black Flag“ von „Incorruptible“ wollte ich auch als nächstes mit dir sprechen: Das Piraten-Thema wird im Metal häufig aufgegriffen. Was glaubst du, ist das faszinierende an diesem Thema?

Wir haben den Song nicht geschrieben, weil das Thema beliebt ist und da haben wir auch nicht so drüber nachgedacht. Wir sehen uns eher als ein Haufen Piraten, wir leben den Lifestyle: Wir sind hier in diesem Piratenschiff aus Stahl und segeln auf den Straßen von Ort zu Ort, von Hafen zu Hafen. In gewisser Weise identifizieren wir uns damit. Und zusätzlich ist Jon [Schaffer, Kopf der Band; Anm. v. V.] ein großer Historiker, also er schreibt gerne über historische Sachen. Mit diesem Song, was man in den Lyrics auch sieht, tauchen wir mehr in die tatsächlichen Umstände der Piraten ein. Es ist nicht dieser ‚Gib uns dein Bier‘ Style, wie bei Alestorm. Da unterscheiden wir uns. Das hier bezieht sich auf echte historische Aspekte des Piratenlebens, also es ist ziemlich cool. Und wie ich schon gesagt habe, wir identifizieren uns damit. Wie mit den Wikingern. Manchmal werden wir zu Wikingern und drehen ein bisschen durch. Es ist ein verrücktes, chaotisches Leben. Und so kam auch „VIRATES“ auf -diese ‚Viking-Pirates‘ Sache. Deshalb haben wir das auch als Patch auf unseren Kutten. Und wir dachten es wäre eine coole Idee, das auf dem Album noch mal zu stärken.

Bleiben wir noch einen Moment bei „Black Flag“. Wer hatte die Idee für das Video, dass die Band in den Glücksspiel- und Kampfszene auftritt?

Das ist unter Jons Regie und er bespricht das natürlich mit dem Regisseur, der dann seine Vorstellungen einbringt. Ich denke aber das ist ziemlich cool, weil wir alle gemeinsam kämpfen und ich denke es ist auch cooler, die Band in diesem Krieg zu sehen anstatt nur Schauspieler, denn sie wissen, wir sind tatsächlich auch am Kämpfen, wir sind alle zusammen in diesem Krieg und wir kämpfen zusammen, haben Spaß zusammen und alles Mögliche passiert. Also es ist ziemlich wichtig, die Band in diesen Kampfszenen interagieren zu sehen.

Also ist das Ganze noch mal eine Verbildlichung eures Selbstverständnisses von Brüderlichkeit und Zusammenhalt, nur im historischen Kontext?

Ja, ganz genau!

Und der Videodreh selbst, hat er Spaß gemacht? Wahrscheinlich war es auch harte Arbeit?

Das ganze Szenario bis zum tatsächlichen Shooting hin war sehr, sehr schwierig. Wir hatten viele Festivaltermine und mussten überall hinfliegen. Eigentlich waren zwei Drehtage für das Video geplant, die wir dann wegen gestrichenen Flügen auf einen Tag reduzieren mussten. Wir haben sehr viel Zeit auf Flughäfen verbracht und so. Also mussten wir alles an einem Tag durchziehen und das war echt hart, aber wir haben es geschafft und sind ziemlich zufrieden mit dem Ergebnis [lacht].

Hast du eigentlich einen persönlichen Lieblingssong auf „Incorruptible“?

Ja, ich habe ein paar: „Black Flag“ ist großartig, „Brothers“ und „Great Heathen Army“ stechen für mich auch heraus. Aber ich bin insgesamt froh, wie das Ganze geworden ist, wir sind mit allen Songs zufrieden. Aber ja, es sind diese drei, einen einzigen Lieblingssong habe ich aber nicht, das wäre, als müsste ich ein Lieblingskind auswählen [lacht].

Als du die Lyrics zu „Great Heathen Army“ geschrieben hast, war da klar, dass es der Opener des Albums wird?

Die Entscheidung lag natürlich bei Jon. So wie sich der Song dann aber musikalisch entwickelt hat, war klar, dass es der Opener wird, weil er unter anderem diesen epischen Anfang hat und das hat einfach sehr gut als Intro für das Album gepasst.

Und „The Relic (Part I)“ entstammt lyrisch auch deiner Kreativität. Kannst du uns ein Sneak Peek auf ‚Part II‘ geben?

Kann ich noch nicht. Ich habe Ideen, die gebe ich dann an Jon, er entwirft dann die musikalische Landschaft als Komponist und Producer und hilft mir dadurch, unterschiedliche Stimmungen und Lyrics zu entwickeln. Ich habe eine Story im Kopf, die ich fortführe. Was Konkretes gibt es aber noch nicht. Erstmal beenden wir die Tour und er hat jede Menge zu tun, deswegen macht es da noch nicht so richtig Sinn, weiterzudenken. Vielleicht kommt es auch nicht aufs nächste Album, sondern erst in zwei Alben von jetzt. Es hängt ganz davon ab, wie sich die Dinge entwickeln. Wir gehen die Sachen sehr organisch an, gerade bei der Frage was auf die Alben kommt. Außerdem lassen wir die Leute gerne weiter mutmaßen. [lacht]

Noch eine Frage zu dem Song: Die Handlung ist sehr düster, es geht um einen Schamanen und eine verlorene Seele. Was war die Inspiration dafür?

Das war ein Traum, den ich hatte. Geschrieben habe ich es dann während „Dystopia“ [Album 2011], wollte es da aber noch nicht drauf machen, weil dafür schon alles stand. Eines Tages will ich tatsächlich eine ganze Geschichte daraus schreiben, vielleicht wird es sogar eine Verfilmung geben, vielleicht gebe ich das mal an Drehbuchautoren weiter, das wäre ziemlich cool. Vielleicht heißt es dann nicht mehr „The Relic“ sondern anders. Die Idee lässt sich auf jeden Fall in viele Richtungen vorantreiben. Sie stammt von einem Traum, den ich als Kind hatte: Ich dachte, ich wäre wach, eine dunkle Entität kam aus der Ecke meines Raumes und ich habe gespürt, wie sie in mich eindrang –es war wirklich gruselig- und daraufhin bin ich aufgewacht. Da war ich 13 oder 14 Jahre alt, ich hatte es eigentlich immer im Hinterkopf, wusste aber nicht, wie ich es organisieren sollte und mit dem Alter konnte ich es besser verschriftlichen.

Verrückt! Ich bin gespannt, was noch daraus entsteht!

Jon sagte in einem Interview, das „Incorrupitible“ das letzte Album im Vertrag mit Century Media ist. Wie geht euer Vorhaben, euch mehr Unabhängigkeit zu schaffen, voran?

Jon setzt sich damit auseinander –es ist ein langer Kampf und es geht vorwärts – aber allzu viel kann ich dazu nicht sagen.

Ich denke die meisten Fragen sind gestellt, vielleicht jetzt noch ein paar blöde Fragen: Singst du unter der Dusche?

Ja, ich singe auf jeden Fall manchmal. Hängt auch vom Tag ab, aber wenn mir was im Kopf rumschwirrt, schon. Ich höre aber auch Musik, während ich dusche und singe dann mit. Judas Priest, Iron Maiden oder sowas. Das ist beinahe Therapie, um den Tag zu starten. [lacht]

Und stehst du auf Karaoke singen?

Ja! Ich habe es lange nicht mehr gemacht, aber früher definitiv.

Und Ich wette, du hast voll rein gehauen!

Yeah. Wenn man mal ein bisschen zu viel getrunken hat [lacht] und es dann einfach durchzieht. Also mal mit Freunden in der lokalen Bar eine Karaoke-Party veranstaltet oder so. Ja, es macht schon Spaß.

Trinken ist ein gutes Stichwort. Du hast mal in einem Interview gesagt, dass du vor einem Gig deine Stimme nicht mit Gesangsübungen aufwärmst, sondern mit ein paar Shots Johnny Walker Black Label.

[lacht] Ja, das war eher in der „Dystopia“-Era. Wir haben uns noch kennengelernt, wir mochten unseren Johnny Walker und es Whisky zu trinken. Aber normalerweise mache ich das tatsächlich nicht. Ich wechsle eher zwischen tiefen und hohen Tönen, probiere ein bisschen aus und sobald ich merke, dass es stimmt, sag ich mir ‚Ok, da ist es‘. Es macht halt keinen Sinn mich selbst damit zu erschöpfen. Wenn ich wirklich, wirklich das Gefühl habe, dass ich meine Stimme aufwärmen muss, dann tue ich das auch. Aber das ist sehr selten der Fall.

Also nicht mehr mit Johnny Walker?

Naja, manchmal… aber nicht immer … nicht mehr so viel. [kichert]

Wir fragen uns auch, ob du neben Metal auch andere Musik hörst, wenn du nach einer langen Tour nach Hause kommst.

Ja, definitiv! Ich stehe auf Classic Rock, wie Kansas und [The] Sweet. Ich höre aber auch gerne George Benson. Ich höre auch gerne instrumentalen Jazz und sowas; Deep Purple, ich höre aber auch Frank Sinatra; ich mag auch Psychedelic Rock, den alten 70er Jahre Kram. Ich stehe außerdem auf Vinyl; ich kaufe mir auch viele Platten. Du hast recht -na klar, ich liebe Metal – aber manchmal höre ich auch einfach gerne was anderes. Aber mein Musikgeschmack geht auch echt in alle Richtungen. Aber das macht uns als Musiker auch rund, glaube ich.

Ok, vielleicht zum Abschluss noch eine dumme Frage; wir fragen auch immer gerne mal etwas Trashiges. Also: Beschreibe dein Lieblingsgericht mit einem ICED EARTH Song.

Ah… mein Lieblinsgericht mit einem ICED EARTH Song… Ok, lass mich mal nachdenken… Also… Ich habe viele Lieblingsspeisen… Aber ich würde sagen „I Died For You“. Falls ihr das herausfinden könnt.

Ok, es ist wohl irgendwas mit Fleisch! [lacht]

[lacht] Jaa! [lacht] Fleisch ist auf jeden Fall der Schlüssel.

So, jetzt aber die letzte Frage. Hast du irgendwelche besonderen Erwartungen für die Show oder ist es einfach wie immer?

Klar, im wesentlichen ist es wie immer. Wir werden alles geben; Berlin ist normalerweise immer sehr gut, wir haben einfach Bock auf die Bühne zu kommen, unser Ding durchzuziehen und mit der Menge zu interagieren. Was passiert, passiert. [lacht]

Dann vielen Dank für das entspannte Gespräch! Hat mich gefreut!

Hat mich auch gefreut!