GHOST - Prequelle
ghostGenre: Satanic Doom Metal
Label: Spinefarm Records
Veröffentlichung: 01.06.2018
Bewertung: Heavy! (10/10)

Website

Nachdem sich mein – absolut berechtigter – Hype um das neue Album etwas beruhigt hat, ist es an der Zeit „Prequelle“ der Satanic Doom Metaller GHOST zu reviewen. Vorneweg: es ist geil!

Von einer Kinderstimme wird das Album mit „Ashes“ eröffnet, auf einen Schlag setzt dann die Instrumentalfraktion ein und die ist, wie gewohnt, sehr mächtig.
Nach dem epischen Intro geht es nahtlos mit „Rats“, der ersten Singleauskopplung, weiter: Zügig und rockig ballert der Song durch die Boxen, Cardinal Copia bei bester Stimme, das macht einfach Spaß! Auffällig ist der coole Drumbeat, der variiert und dem Song viel Dynamik gibt.
Ein schnelles Lick, versetzt mit Schlägen der Drums, eröffnet „Faith“ – einem Song, der beim ersten Hören eher unüblich für GHOST ist, aber auch wieder durch sehr gutes Songwriting besticht und viele Gitarrensoli aufweist. Die Entwicklung ist sehr schön, zudem hat der Refrain starken Ohrwurmcharakter!
„See The Light“ beginnt typischerweise mit Chören und Synties, der Gesang beginnt nur mit Begleitung der Bassdrum, Bass und eines Shakers. Die komplette Instrumentalisierung kommt dann im Refrain zum tragen, was hier besonders knallt.
Synties und Keys lassen „Miasma“ – einen reinen Instrumentalsong – ruhig beginnen, bevor das Bandgefüge einsteigt. Zunächst wird das Rhythmusthema vorgestellt, bei dem sich Keyboard und Gitarren in der Gestaltung der Melodie abwechseln. Langsam steigert sich der Song mit Gitarren- und Keyboardsolos, bis der Höhepunkt mit einem ultracoolen Saxophonsolo, das gerne noch länger hätte sein können, erreicht wird.
„Dance Macabre“ wurde auch schon als Single veröffentlicht und startet klassisch mit coolem Riff und Drumbeat, zu denen sich die Keys gesellen. Beim Einsatz des Gesangs wird es etwas ruhiger, zum Refrain hin nimmt die Härte wieder zu. Der Refrain entspricht den Erwartungen an einen Song mit diesem Titel – er macht Laune und hat großes Partypotential. Nach dem Gitarrensolo steigt die Spannung nochmal – man merkt, dass dieser Song optimal für die Livesituation ist – und entlädt sich im Refrain.
Auch „Pro Memoria“ ist nicht komplett unbekannt, war es ja im Trailer zur Amtseinführung Cardinal Copias zu hören. Der Beginn ist sehr episch, die Strophe wird eher ruhig und unheimlich gehalten, während die Lyrics schon fast nachdenklich wirken. Wurde mit verzerrten Gitarren und lauter Begleitung eher gespart, steigen diese im zweiten Refrain komplett ein – auch diese Steigerung ist wieder sehr gut gelungen!
Die Strähne guter Songs reißt auch bei „Witch Image“ nicht ab, geniales Arrangement, starke, eingängige Hook, mitreißender Gesang. Sehr geil!
„Helvetesfönster“ ist wieder ein Instrumentalsong, der aus Flötenklängen, Klavier und Synties besteht. Die Flöten nehmen das Gesangsthema aus „Pro Memoria“ auf, was in Kombination mit dem Drumbeat und dem kompletten Bandgefüge sehr cool rüberkommt. Der Übergang zum neuen Thema ist sehr gut gelungen, der Wechsel zwischen Klavier und Band knallt richtig, alles, was danach kommt, passt einfach!
Klavier und sehr angenehmer Gesang eröffnen „Life Eternal“, und so ruhig bleibt es bis zum ersten Refrain. Da setzt das Schlagzeug ein, bei der Bridge zum zweiten Refrain setzt dann die ganze Band ein und der Song entfaltet seine komplette Pracht.
Bei den folgenden zwei Songs handelt es sich um Bonus Tracks aus der CD-Version:
Das PET SHOP BOYS – Cover „It´s A Sin“ knallt gleich zu Beginn mal ordentlich, geht dann nach einer kurzen Pause in ein ARCH ENEMY–meets–GHOST–Riffing über. Das Original ist klar erkennbar, doch GHOST haben dem Song ihre eigene unverkennbare Note verpasst.
Das Cover von LEONARD COHENs „Avalanche“ ist auch sehr gut gelungen und bildet einen angemessenen Abschluss.

Wenn man die musikalische Entwicklung von GHOST betrachtet, fällt auf, welche Evolution das Songwriting der Band durchlaufen hat. Die Qualität der Songs, die bereits beim Debüt sehr hoch war, wurde von Album zu Album gesteigert. Somit ist es dem Mastermind hinter GHOST gelungen, das sehr starke „Meliora“ noch zu übertrumpfen. Wenn sich auch viele Kritiker daran stören, dass „Prequelle“ sehr poppig geworden ist, kann man die sehr hohe Qualität der Musik auf diesem Album keineswegs von der Hand weisen. Falls es also noch Menschen gibt, die noch nicht in den Genuss kamen, die Platte durchzuhören, sei es Ihnen wärmstens empfohlen – ebenso wie sich die Show zu Gemüte zu führen!