UADA – Cult of a Dying Sun
Uada_CoverGenre: Black Metal
Label: Eisenwald
Veröffentlichung: 25.5.2018
Bewertung: Heavy! (10/10)

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Identitätsverschleierndes Kapuzentragen auf der Bühne ist ja bei Gott nichts Neues, sondern eigentlich besonders en Vogue in der Black Metal Szene, aber UADA scheinen zur Zeit geradezu die Vorreiter und Hipster dieser Mode zu sein. Ein Grund dafür ist sicher ihre Popularität, die sich durch nur ein einziges Album bereits erreicht haben. Dies wurde mir schmerzlich bewusst, als sich die Türen eines überfüllten Clubs beim diesjährigen Dark Easter Metal Meetings schlossen und ich eingezwängt mit hunderten anderen Metal Fans den Nordamerikanern auf der viel zu kleinen Bühne zunickte. Es stellt sich nun also die Frage, ob dieser Hype auch musikalisch berechtigt ist und das neue Album genauso durch die Decke gehen kann.

„The Purging Fire“ ist mit knappen sechs Minuten einer der kürzesten Songs auf der Platte und knallt von Anfang an. Das musikalische Arrangement qualifiziert sich zunächst mit seinem zwar schmutzigen, aber nicht verhallten Sound und nicht allzu vielen oder übertriebenen Blastbeats gar nicht so sehr für den Black Metal Bereich. Allein die Screams passen in diese Kategorie. Der Song trifft mit wahnsinnig melodischen Gitarren und einem fast groovigen basslastigen Zwischenpart absolut ins Schwarze. Der Gesang changiert zwischen keifigen Screams und kehligen Growls. Der Song besteht aus lose verbundenen Teilen, die in der Wiederholung ein Ganzes ergeben. „Snakes and Vultures“ startet zunächst fast verhalten und steigert das Tempo langsam. Auch hier stehen klare, melodische und perfekt ausbalancierte Melodien im Vordergrund, die im Weiteren zu Tremolo-Gitarren auswachsen, unterstützt von wütenden Screams mit dezentem Hall. Die Blastbeat-Passagen sind hypnotisch-unkomplex gestaltet, Abwechslung bieten die Midtempo-Parts, die grandiose Melodien bieten. Der absolute Übersong! Der Titelsong „Cult of A Dying Sun“ legt ein einfaches repetitives Riff auf hurtige Blastbeats, zwischendurch wird es überraschend basslastig, der Sound ist für das Genre fett und schon fast Death Metal. Stellenweise hat es dadurch schon fast Mantar-Anleihen, auch die Screams gurgeln sich in tiefste Death-Growls vor. Und: ein klassisches Gitarrensolo darf natürlich nicht fehlen, das den Song unterbricht und in zwei Hälften teilt. Auch diese ist bestimmt von zum einen hypnotischen Parts, zum anderen Wahnsinnsmelodien und gediegenem Geprügel.

„The Wanderer“ wartet mit zarten akustischen Klängen auf, hörbar auf einer echten Akustik-Gitarre eingespielt. Dazu gesellen sich Bongos und andere exotischere Schlagwerkzeuge, auf die eine Solo-Gitarre inklusive Flageolett-Tönen gelegt ist, das Arrangements der Songstruktur klassisch. „Blood Sand Ash“ bewegt sich zunächst im Midtempo, prügelt sich dann aber gut ein, unterstützt durch Sänger Jake, der sich durch verschiedenste Growl/Screams wütet. Hier dominieren vor allem Blastbeats und Tremolo-Gitarren, selten unterbrochen von Midtempo- und Mitten-Riffs.

„Sphere (Imprisonment)“ knüppelt gut, die Gesangsrange reicht von knurrigem Gegrunze oder Geflüster über kehlige Screams. Die Gitarren frickeln ihr Riff rauf und runter, bis ein kurzes Solo das Tempo kurzfristig drosselt, um dann in ein neues Riff, das sich mantraartig wiederholt, über zu gehen. Eine sehr harmonische Melodie überrascht und steht schon fast im Kontrast zu dem wütenden Gekeife. Den Bogen bildet das zweite Riff, das wieder aufgenommen wird, so dass sich die acht Minuten des Songs so langsam füllen, immer wieder unterbrochen von Solo- und Akustikpassagen. Der letzte Song „Mirrors“ beginnt verhalten und schwermütig, bevor es den Übergang zum Midtempo findet, das in die typischen klaren und melodischen Tremolo-Gitarren und Blastbeats mündet. Auch dieser Song wechselt munter zwischen Zwischenspielen, Blast-Passagen und eher gedämpften Teilen.

Insgesamt ist den kapuzigen Amerikanern mit ihrem zweiten Album wieder ein Meilenstein im modernen Black Metal gelungen, der sich nicht um Klischees und Trveness schert, und ihre Popularität absolut bestätigen kann. Die Songs changieren intelligent zwischen Brutalität und Wut auf der einen und Melodie und Musikalität auf der anderen Seite. Die Abwechslung sorgt dafür, dass die Songs nicht langweilig werden, aber vielleicht auch nicht beim ersten Mal verdaut werden können. Nicht nur für anonyme Kapuzenträger und Fans des extremeren Metals ein absolutes Muss.