MANTAR - The Modern Art of Setting Ablaze
Mantar_The_Modern_Art_of_Setting_Ablaze_01_8c79c0cf46Genre: Black Metal Doom Punk
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 24.8.2018
Bewertung: Bombe (9/10)

Facebook

Nur wenige Bands erreichen in derart kurzer Zeit einen solchen Kultstatus wie das Bremer Duo MANTAR, die nun ihr drittes Album vorlegen. Verantwortlich dafür ist vermutlich die perfekte Mischung aus brutalem Gekrächze von Frontmann Hanno, das sich im Garagensoundgewand so richtig in die Gehörgänge ätzt, und den doch irgendwie melodiösen Riffs, die ihren Ursprung zwar im primitiven Punk haben, sich aber mit einer knorrigen Hand im modernen Black Metal festhalten. Diese Kombination trifft sicher den modernen Geschmack der extremeren Hörer, die nichts mit Mainstream Mucke anfangen können, aber auch aus dem Hauptsache Krach-Alter herausgewachsen sind.

Die Songs sind überwiegend knackig kurzgehalten, so dass kaum Längen entstehen können. Nach dem unheilverbreitenden Intro „The Knowing“ gibt „Age of the Absurd“ gleich ganz gut Gas und wechselt zwischen blackigen Blastbeats und klingenden Gitarrenmelodien. Der Hook ist gleich ein absoluter Ohrwurm. „Seek and Forget“ erinnert vor allem mit dem Titel an Metallica, musikalisch treibt der Track zwischen doomigen-blackigen Zwischenparts (wenn ich nicht wüsste, dass es nur eine Gitarrenspur gibt, könnte ich hier schwören, ich höre eine zweite…) und rockigen Grooveparts. „Taurus“ beginnt zurückhaltend-akustisch und hackt weiter auf der Doom-Schiene in den Gitarrenuntiefen, die sich nur kurz zu soloartig ungeahnten Höhen aufschwingen. Ansonsten dominiert das typische Schlagzeuggehacke. „Midgard Serpent“ scheppert im Midtempo, das recht groovig zu Buche schlägt, aber hinten heraus durch das Geklopfe des Schlagzeugs durchaus an Tempo gewinnt.

„Eternal Return“ beginnt mit Midtempo-Spielereien, bevor es sich in thrashig-punkige Gefilde begibt. Das Schlagzeug fungiert tatsächlich vor allem als Taktgeber und trägt mit genügend Beckeneinsatz zum gewollt teils rauschigen Sound bei. „Dynasty of Nails“ dagegen beginnt flotter, in gewohnt sich steigernder Manier, was die Spannung auf den Fortgang steigert. Einfache Riffs wechseln sich mit gelungenen Hooks und Breaks ab, die dem Track wieder neuen Schwung verleihen.

„Anti Eternia“ räumt den keifend-geifernden Screams von Sänger Hanno viel Raum ein, die gedoppelt noch biestiger klingen. Andere Bands kriegen mit drei Leuten mehr nicht solche Kompositionen hin. Der Punkfaktor wird nicht nur durch den rotzigen Gesang, sondern auch durch die ungeschliffen unbequeme Produktion mit blechernem Hall deutlich. Dieser Song bewegt sich vor allem im Midtempo und groovt sich praktisch ein. „The Formation of Night“ kommt fast doomig-schleppend daher, die Riffs sind simple und repetitiv. Hier könnte man sich durch aus vorstellen, wie eine zweite Leadgitarre ein paar Schnörkel beisteuern könnte. Nach einem kurzen Break nimmt der Song nochmal Fahrt auf, hier im Fahrwasser von modernem Post Black Metal. Der Titel „Teeth of the Sea“ erinnert kurz an Ahab, lässt aber musikalisch keine Verwandtschaft zu den Doomern aufkommen, hier herrscht eher der Groove des punkigen Rock ‚n‘ Roll. Das Getrommel kommt ohne Doublebass aus und konzentriert sich auf den einfachen Wechsel zwischen TomTom und HiHat. Kaum gesagt, Song schon wieder vorbei. Der letzte Song „The Funeral“ dauert sogar über fünf Minuten. Der Zorn keift aus den wütenden Lyrics, die deutlich zwischen den beiden Instrumenten hervortreten, ansonsten schleppt sich der Song dem Titel angemessen dissonant durch die unsteten Töne.

Alles in allem werden MANTAR mit dieser Scheibe sicher ihren Kult- und Promistatus festigen, was ja allein schon die Tatsache zeigt, dass sie bei dem doch eher kommerziellen Metallabel Nuclear Blast veröffentlichen und nicht auf einem kleinen Undergroundlabel. Dies hat auf jeden Fall keine negativen Auswirkungen auf Produktion oder Songgestaltung im Sinne des Rotzig-Rohen. So ist die Platte sicher kein Geheimtipp, aber kann auch von Musikliebhabern erworben werden, die mit Mainstream nichts anfangen können. Abzug gibt’s von mir für den Gesang, der zwar richtig geil kratzt, aber dann in seiner Monotonie auch irgendwann mal gut ist.

Ein Kommentar zu „MANTAR – The Modern Art of Setting Ablaze (Review)

Kommentare sind geschlossen.