CHER - Dancing Queen
cherGenre: Discopop
Label: Warner Music
Veröffentlichung: 28.09.18
Bewertung: Gut (6/10)

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Auf dem Cover dieses Coveralbums gleich die Hommage an ABBA:

CHER rechts im Profil im ABBA-Look mit blonden Agnetha-Haaren, links dann nochmal als Cher, wie wir sie vorher kannten, mit dunklem Haar.
Die Frage, ob auch bei diesem CHER-Album mit Autotune gearbeitet wird, beantwortet sich gleich beim ersten gleichnamigen Track „Dancing Queen“: ja.

Auch wenn es hier noch nicht in allzu offensichtlicher Deutlichkeit geschieht wie bei den Folgetiteln. Es ist ihr Markenzeichen geworden und deshalb darf sie das. Irgendwie erwartet man es doch auch. Und so gibt sie den alten ABBA-Klassikern ihre ganz eigene absurd-sphärische Note.

Der erste Titel bewog mich auch über das Album zu schreiben, als ich ihn eines Morgens – nichtsahnend den ersten Kaffee des Tages genießend – im Radio hörte. In diesem Moment wurde ein leiser Hoffnungsschimmer in mir entzündet, dass es vielleicht ja ein ganzes ABBA-Coveralbum von CHER geben würde.

Ich fasste diesen Entschluss aus mehrerlei Gründen:

Ich dachte, es wäre doch ein guter Einstand, bei einem (durchaus trashoffenen) Metalmagazin über CHER zu schreiben. Musikalisch finde ich sie noch immer und immer wieder top (dieses einmalig tiefe Timbre mit absolutem Wiedererkennungswert!) und die Ähnlichkeit mit Musikerkollegen, wie etwa Alice Cooper oder Ozzy Osbourne, ist nicht von der Hand zu weisen. Bei der Geburt getrennt quasi. Und ein paar Jahre bzw. Jahrzente später wieder angeglichen – oder zurückgekehrt als selbstentworfenes Phantasie-Alienwesen.

Der ABBA-Vibe ist jedenfalls schon beim Eröffnungsstück spürbar. Zeitlos schon seit Sonny & Cher, und ausdrucksstark ist auch hierbei CHERs markante Stimmlage gepaart mit einer überzeugenden Emotionalität in der Stimme, die vielen (jüngeren) Sängerinnen heutzutage fehlt.

Beim zweiten Track  „GIMME! GIMME! GIMME! (A man after midnight)“ wird dann gleich zu Anfang ordentlich auf die Kacke gehauen, mit Discobeat und noch viel, viel mehr Autotune, Echo und allem, was dazugehört. Herrlich und sehr tanzbar! Wenn ich es nicht besser wüßte, würde ich sagen, Cher hat das selbst geschrieben. Sie macht das Stück jedenfalls zu dem Ihrigen.

Das darauffolgende „Name of the Game“ ist dagegen trotz Gitarre etwas lahm und kann getrost weggeskippt werden, wenn man sich beim Hören dabei ertappt innerlich abzuschalten und auf die Zeit zu schielen.

„SOS“ ist zu nah am Original, da hilft auch das Autogetune nicht. Es ist einfach nur karaoke – mäßig nachgesungen, das kann sie eigentlich besser. Wirkt wie ein Lückenfüller.

Waterloo entspricht CHERs Stimme und Style dann eher wieder, schön mit 80er Saxophon, nervtötendem Beat und Chor. Ich höre dabei schon Menschen nach „Mach das aus!“ verlangen.

„Mamma Mia“ ist der Song aus dem gleichnamigen Film (Teil 2), in dem CHER die Großmutter der Hauptperson spielt. Diese Tatsache ließ mich direkt einen Freudenschrei ausstoßen, als ich den Trailer sah. Seit „Meerjungfrauen küssen besser“ (CHER als Filmmutter von Wynona Ryder und Christina Ricci – was für eine Kombi!) bin ich ein großer Fan von CHERs Schauspielkunst. Mamma Mia 2 steht noch aus, vielleicht wird es hier auch noch eine Review dazu geben.

Bei „Chiquitita“ denke ich natürlich unwillkürlich an Bananen. Als Cher zu Anfang sanft „Chiquitita, tell me what’s wrong“ haucht, vermittelt sie damit tatsächlich das Mamma Mia-Gefühl, dass sie Wynona damals im Film nicht geben konnte, weil sie die gleichen Typen klarmachen wollte. Und die kleine Filmschwester Christina ist fast in ’ner Pfütze ersoffen, obwohl sie doch eigentlich vorher immer in der Badewanne tauchen geübt hatte! Aber das ist eine andere Geschichte…

„Fernando“, wie konntest Du ihr das alles nur antun? Allein wie sie Deinen Namen ausspricht, muss Dich doch einfach instant dahinschmelzen lassen. Außerdem „Young and Full of Life“ und sowas alles! Ein Sommersong. Gegebenenfalls für den Winter zum Auftauen. „Auftauen und nicht wieder einfrieren“ gilt hier nicht. (Obwohl die asiatisch anmutende Melodie im Hintergrund etwas irritiert und zusammenhanglos wirkt. Vielleicht die falsche Taste gedrückt.)

„The Winner Takes It All“ ist ja an sich schon ein großartiger Song. Und dann war das doch alles so dramatisch damals mit ABBA und mit Sonny & Cher auch und überhaupt – so schließt sich der Kreis. Ich bin drin. Ausgefaded  mit Autotune (evtl. der Vollständigkeit halber) hätte für meinen Geschmack bei diesem großartigen Song gar nicht mehr unbedingt sein müssen.

„One of Us“ dann die Abschlussballade, die unmissverständlich klarmacht: CHER ist und bleibt eine echte Diva und wenn jemand so ein Album machen darf, dann diese wunderbare, auf ihre ganz eigene spezielle Art zeitlose Frau!