HERBSTSCHATTEN - Bergtempel
Bertempel_EP-Artwork_FINALGenre: Black Metal
Label: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 30.11.2018
Bewertung: Bombe (9/10)

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Im Sommer 2009 wurde HERBSTSCHATTEN von den Gitarristen Stephan und Hendrik gegründet. Ziel war, eine Black-Metal-Band zu formen, die ihren Vorstellungen dieser Musik entspricht und gleichzeitig Freiheiten für neue Ideen und Einflüsse gewährt. Mit Tobias und Mats waren schnell weitere Mitstreiter gefunden und erste Songs wurden geschrieben. Die Liedtexte sind bislang ausschließlich auf Deutsch oder Norwegisch verfasst, die Musikrichtung lässt sich als Black Metal mit traditionellen nordeuropäischen Folk- sowie leichten Death-Metal-Einflüssen beschreiben.
Im Frühjahr 2011 wurde mit Steffen ein Sänger gefunden und die Band wurde auf den heutigen Namen HERBSTSCHATTEN getauft. In ihrer aktuellen Besetzung besteht HERBSTSCHATTEN heute aus Steffen – Vocals, Stephan – Guitar, MIchi – Guitar, Alex – Bass, Nici – Drums. Nun hat man sich in neuer Besetzung zusammengefunden um den „Bergtempel“ zu erklimmen.

Eingeleitet wird die EP „Bergtempel“ mit dem Intro „Sound of Silence“ von DISTURBED…Stille… Das ist natürlich totaler Nonsens. Ich hatte mich am Anfang nur erschreckt, als die Klavierklänge ertönten. „Weg“ ist einfach nur ein depressiv gestaltetes Intro, was den Zuhörer in tiefe HERBST-Depressionen stürzen will. Zum Ende hin wird es musikalisch dramatisch, schafft damit gekonnt den Übergang zu „Geistergedanken“.

Damit beginnt dann auch schon die erste Knüppelorgie. Klirrende Gitarren und die schnellen Drums drücken „Geistergedanken“ am Anfang den Stempel auf. Flüssig geht man dann nach kurzer Zeit in den langsamen Teil des Songs. Dort wird dann im Megafonstyle auf Norwegisch gepredigt. Klingt unheimlich, ist aber eine interessante Abwechslung. Sachtes Saitengezupfe geht über in ein langsames Riffing, um dann wieder in schnelles Geknüppel zu schwenken. „Geistergedanken“ beschäftigt sich mit dem Thema Depression, welches die Band mit ihrem Text sehr gut umschreiben, aber nicht direkt ansprechen.

„Irrweg“ fängt mit einem langsamen Gitarrenintro und geilen „Indians“-Drums (ANTHRAX) an. Textlich sucht man die Flucht aus dieser kranken Welt und findet sie in Form eines Schiffes. Musikalisch umspielt man es Anfangs eher langsam dramatisch. Dann geht man über in eine Art Marsch, bevor man an Tempo weiter zulegt. Es kommt ein cooler Groove Part mit Bass Solo und Gitarren. Dunkler, krächzender Gesang mit anschließenden Blastbeats folgen, bevor man „Irrweg“ ausklingen lässt.

Was Schneestürme, Altare und alte Mauern miteinander zu tun haben, erzählen uns HERBSTSCHATTEN im Titeltrack „Bergtempel“. Man begibt sich auf seine nächste Reise über die Berge, durch Schneestürme hinweg. Es erscheint ein Tempel, der „Bergtempel“ in deren Mauern man die Antwort auf der Suche nach dem Frieden finden will. Musikalisch beginnt „Bergtempel“ ziemlich rockig, die Doublebasses ziehen das Tempo zwischendurch gut an. Es folgt ein langsamer, düsterer Teil im Stück. LAAAAUUUUUUF!!! Und schon setzen Blastbeats ein, bevor man wieder in den rockigen Part mit den Doublebasses übergeht. Ein kurzer Break und dann rappelt es wieder hinter der Schießbude. Der Endspurt hat es noch mal in sich.

Dramatisch musikalisch wird es dann auch bei „Tote Essen“. Es folgt ein ruhiger Akustik Part, wo wieder der alte Norweger Hendrik spricht. Gekonnt spitzt sich der Song zu, Blastbeats fordern dazu auf, seine Zähne in das noch warme Fleisch der Toten zu schlagen. Bei der Passage „Die Toten esssseeeeen“ musste ich, warum auch immer, auf einmal an den Ausschnitt von Monty Pyhtons „Die Ritter der Kokosnuss“ denken. Dort heißt es: “Bringt eure Toten raus, gebt mir eure Kaputten“. Keine Ahnung warum, aber ich wollte es mal erwähnt haben.

„Bergtempel“ hat mich in jeder Hinsicht überzeugt. Die Texte sind in der Musik zu 100 % umgesetzt worden oder auch anders herum. Diese EP ist eine kleine Black Metal Oper, die eine Geschichte erzählt. Angefangen mit den „Geistergedanken“ versucht man auf dem „Irrweg“ seinen Ausweg aus der Depression zu finden. Antworten erhofft man im „Bergtempel“ zu finden. Aber landen wird man in einer dunklen Welt, wo man vor Kälte und Hunger und in seinem Überlebenswillen, den man doch noch hat, schließlich „Tote Essen“ muss.

„Bergtempel“ ist eine sehr spannende EP, die musikalisch sehr vielfältig klingt. Auch wird das Songwriting mehrmals durch norwegische Passagen erweitert, was dem Ganzen eine sehr interessante Note gibt. Die Spielzeit ist mit 25 Minuten für ein kurzes Intro und vier Songs recht großzügig aber absolut passend.

Fazit: Es schreit nach mehr!!!