A FEAST FOR CROWS – Let the Feast Begin (Review)
crowsGenre: Modern Metal / Metal Core
Label: Eigenproduktion
Veröffentlichung: Sommer 2018
Bewertung: gut (7/10)

Facebook

Viele Metalcore Bands haben sich schon aufgrund fehlender Alleinstellungsmerkmale und mangelnder Innovation ins Niemandsland verabschiedet. Bis auf die ganz Großen sinken die Releases in dem Genre in den letzten Jahren. Hier kommen die Münchener A FEAST FOR CROWS ins Spiel, die mit ihrer Mischung aus Metal Core und Elektro zwar das Rad auch nicht neu erfunden haben, aber definitiv nicht nach Eskimo Callboy oder Enter Shikari klingen. Neben Dance und Dubstep streuen die Bayern noch jede Menge symphonische Epik mit ein. Da stellt sich einem zu Recht die Frage, ob das nicht ein bisschen zu viel des Guten ist.

Nach einem Raben- und Klavierinfo in epischer Manier geht es zunächst auf „The Forgotten Ones“ recht elektronisch los mit viel Synthie-Einsatz, was das Ganze zusammen mit den corigen Growls in Tief und Hoch und einem Chor gleich in die Metalcore-Ecke verortet. Die Synthies überlagern die Gitarren an vielen Stellen extrem, das Geknarze der Effekte stört den Sound dabei etwas. Die Melodien dagegen funktionieren ganz gut, die Sprechchöre helfen dem Ohrwurm. Auf „A Feast For the Crows“ fällt auf, dass der eigentlich recht brutale Gesang, der außerdem recht variabel ist, von den elektronischen Effekten im Chorus etwas weichgespült wird, in den Strophen und Zwischenparts dagegen wuchtiger zu Tage tritt. Insgesamt liegt sehr viel Hall auf allen Instrumenten. Der Chorus lädt zum Mitgrölen ein. „We Will Rise Again“ präsentiert sich mit einem gelungenen Gitarrensolo am Anfang, welche außerdem zu Anfang noch etwas klarer sind, da nicht von den Synthies überlagert. Ein Tonlagenwechsel bringt Bewegung in den Track, der Breakdown in Verbindung mit dem Chorus ist ein Klassiker im Core-Bereich. Auch wenn der Song etwas zerstückelt ist durch Breakdowns, Rhythmus-Wechsel etc., sind die Melodien gelungen. Der Sprechgesang ist dagegen keine persönliche Vorliebe von mir. „Trail of Tears“ begeistert mit einem wahnsinnig guten Gitarrenriff, das gegen Ende in Erscheinung tritt. „What has been said…“ zeigt eine ganz andere Seite der Band – hier geht es in die End of Green- Richtung mit einem sehr schönen cleanen Gesang, der sich mit wuchtigen Growls abwechselt, unterstützt von verträumten Klaviertönen. Bis auf die klimpernden Synthies ein absoluter Hit auf der EP, auch das Midtempo steht den Jungs ganz gut. Zu dieser Façon passt auch das Outro „… Your Words are Killing Me“ (Sentenced!!), das von melancholisch nach episch driftet.

Alles in allem liefern die Münchener Jungs hier ein solides Werk an, das spüren lässt, welch harte Arbeit hinter den Kompositionen stecken muss. Die Synthies und der dumpfe, etwas überproduzierte Sound sind sicher nicht jedermanns Sache, werden aber durchaus Jünger von Parkway Drive oder Soilid begeistern können. Ob sich der Metalcore Hype nicht schon längst überlebt hat, ist dagegen eine andere Frage. Den erwachseneren Pfad, den die Münchener auf „What has been said…“ am Anfang mit cleanem Gesang á la Sentenced eingeschlagen haben, erscheint mir umso erfolgsversprechender, da diese Art des Modern Metal zeitlos und erwachsener ist.