DRUDKH - They Often See Dreams About The Spring
DrudkhGenre: Atmospheric Black Metal
Label: Season of Mist
Veröffentlichung: 09.03.2018
Bewertung: Bombe (9/10)

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DRUDKH geben keine Interviews und spielen keine Shows.

Roman Sayenko, Mastermind der Band, hat schon so einiges politisch Fragwürdiges rausgehauen, wie z.B. mit seinem früheren Bandprojekt HATE FOREST okkulten Rassismus zu behandeln und mit DRUDKH in einer früheren Albumwidmung eine ukrainische nationalistische Partisanengruppe zu ehren, die kurz mit Hitlers Wehrmacht kooperierte und dann erst gegen die Deutschen und schließlich bis Ende der Vierziger gegen Stalins Rote Armee kämpfte und zehntausende Polen vertrieb.

Das einzige Statement auf die Frage, wie es denn mit der Gesinnung der Band stehe, war der Verweis auf  „Individualismus, Selbstverbesserung und die Entfremdung von modernen Werten“ sowie die Nähe zu den „Ideen der konservativen Revolution“. Das lässt viel Spielraum und kann natürlich auch ein medialer Schachzug gewesen sein.

Zum Zeitpunkt des Statements war die Band noch bei dem englischen Extreme Metal Label Supernal Music unter Vertrag.

Seit Herbst 2008 sind DRUDKH bei dem französischen Label Season of Mist und haben sich seitdem nicht mehr öffentlich zu der Thematik geäußert.

Textlich beschäftigen sich DRUDKH in ihren ukrainischen Lyrics unter anderem mit Elementen der slawischen Mythologie und der Naturästhetik der Jahreszeiten. Oft basieren diese auf den Werken ukrainischer Poeten, vordergründig auf denen von Taras Schewtschenko, einem der bedeutendsten ukrainischen Lyriker.

Ihr neuestes Werk und elftes Studioalbum „They Often See Dreams About The Spring“ enthält typischerweise nur fünf Tracks und ist 43:30 lang. Wie es sich für Black Metal gehört, ist es auch auf Kassette erhältlich.

Das Eröffnungsstück „Nakryta Neba Burym Dakhom…“ beginnt recht poppig, gibt aber gleichzeitig schon mal ein ordentliches Tempo vor. Der Gesang erinnert eingangs etwas an den von Tetsuya Fukagawa, Sänger der japanischen Screamo Band ENVY. Das Schlagzeug wartet mit amtlicher Schnelligkeit und viel Beckeneinsatz auf.

In der Mitte des Stücks dann ein ruhigerer, gitarrenlastiger Break mit marschartigem Schlagzeug, der sich stimmungsvoll aufbaut und einen in die, von den Vorgängeralben bereits bekannte, atmosphärische DRUDKH-Welt hineinzieht. Er entlädt sich in vielschichtigem, tanzbarem Sound.

Das Folgestück „U Dakhiv Irzhavim Kolossyu…“ beginnt ruhig, wird jedoch rasch weitergeführt mit Gitarrensound im Vordergrund inklusive Tempowechsel. Wie beim Opener auch hier wieder ein eingängiges, sich wiederholendes, melodiöses Thema, wie es DRUDKH bereits in ihren vorigen Alben häufig verwendeten.

Beim dritten Track des Albums, „Vechirniy Smerk Okutuye Kimnaty…“, setzt gleich zu Anfang der Gesang ein und es klingt ziemlich rockig. Der Gesang steht stärker im Vordergrund als bei den ersten beiden Songs des Albums. Für mich der unspannendste Titel mit relativ vorhersehbarem Verlauf. Könnte für meinen Geschmack etwas kürzer sein als 9:29 in dem Fall. (An irgendeinen anderen Song erinnert mich die Melodie des Themas…vielleicht komme ich noch drauf – irgendwas Deutsches vielleicht).

Das vierte Stück „Za Zoreyu Scho Striloyu Syaye“ kommt auch wieder rockig und sich einprägend daher und beginnt mit einem längeren Instrumentalteil. Als der Gesang einsetzt habe ich eine ALCEST-Assoziation. Gefällt mir am besten der Song, ich will dazu tanzen. Würde live sicherlich gut rüberkommen, wenn DRUDKH denn auftreten würden. Drücke nach dem ersten Hören gleich nochmal auf play, so gut gefällt er mir.

Mit „Bilyavyi Den’ Vtomyvsya I prytykh…“ schließt das Album mit anhaltendem Schlagzeuggewitter ab. Der Gesang klingt hier ausdrucksstark anklagend. Zwischenparts haben Anleihen von Alternative Rock. Das Ende kommt plötzlich und unerwartet, die darauf folgende Stille wirkt wie noch zum Album dazugehörig.

Ein gelungener Abschluss eines Albums, welches durchaus einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Vielleicht sieht man sie ja doch mal live – irgendwie, irgendwo, irgendwann.