PRAYING ANGEL - The JudgementGenre: Modern Metal
Label: Boersma-Records
Veröffentlichung: 19.10.2018
Bewertung: Klasse (8/10)

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Am Anfang waren es Jesper und Simon Kranz, zwei Brüder – und die Brüder hörten Musik, und die Musik, die sie hörten, war Metal. Aus dieser Leidenschaft wurden zwei Songs geboren, die als Wiege für das Kind PRAYING ANGEL dienten. Und so sammelten die Brüder weitere um sich, um gemeinsam das Wort zu verbreiten, welches da lautet: BELIEVE IN YOURSELF, NOT IN A GOD.

Wir schreiben das Jahr 2012, als die ersten Songs den Grundstein für die EP „BLOODY HANDS OF OUR GOD“ legten, die im Laufe des Jahres 2015 gemeinsam mit einem dritten (geistigen) Bruder aufgenommen und ein Jahr später im Eigenvertrieb veröffentlicht wurde. Zu dieser Zeit wurden außerdem zwei weitere Weggefährten angeworben, um in voller fünfköpfiger Besetzung Konzerte in Schleswig-Holstein und Hamburg zu spielen. Dabei besticht die Musik, eine Mischung aus Thrashmetal, Metalcore und Deathcore, durch ihre kompromisslose Energie, die durch die Bühnenpräsenz der Band unterstützt und transportiert wird. Über Wechseln zwischen Melodien und Breakdowns liegt das kraftvolle Organ von Shouter Timo Blascheck und verkündet kritische Botschaften in Richtung der Weltreligionen.

Nach zwei Jahren voller Konzerte mit dem Material von „BLOODY HANDS“ und der Trennung von zwei Mitgliedern macht sich die Band auf zu neuen Ufern:

„THE JUDGEMENT“ setzt dort an, wo sein Vorgänger endete, und erhebt PRAYING ANGEL auf die nächste Stufe ihres Schaffens. Die Musik wird vielschichtiger, ohne dabei ihre Wurzeln aus den Augen zu verlieren. Auch die Texte werden tiefgründiger, doch bleiben sie den gewohnten religiösen Metaphern treu. MODERN METAL beschreibt am besten, was erneut in Eigenregie von den drei „Brüdern“ aufgenommen wurde, die den harten Kern der Band bilden. Schnelle Gitarrenriffs treffen auf sphärische Melodien und lassen so die langsameren Passagen der Songs noch mächtiger wirken, stets angetrieben von einem energiegeladenen Schlagzeug. Im Zusammenspiel mit dem rauen Gesang ist der Sound wütend und ehrlich, worin sich die in den Texten vorgetragene Kritik an Religion und Weltgeschehen spiegelt.

Kräftige Vocals und harte Riffs, dazu die schnellen Drums. „War of Gods“ legt los, wie eine Dampfwalze. Hinzu kommt satanisches Gegrunze, was dem Song eine düstere Atmosphäre verleiht.

„Spawnkill“ macht durch die schrägen Gitarren zwischendurch den Eindruck, dass man in einer total verrückten Welt ist. Auch hier wird man nieder gebolzt. Immer wieder kurze gesangliche Core Elemente.

„From Wine to Piss“ vermittelt einen Eindruck vom Sound und Stil des neuen Albums, wobei er vor allem die neuen Elemente präsentiert: Von „THE JUDGEMENT“ sind neben den gewohnten schnellen Riffs vermehrt Ausflüge in mittlere Temporegionen zu hören. Hier legt man die Background Vocals nochmal extra in den Hintergrund, sodass sie sich wie Hilfeschreie aus einer dunklen Gasse anhören.

Auch bei „Remember me“ wird der Dampfhammer ausgepackt. Blastbeats geben dem Song noch mehr Tempo.

Eine Nachrichtensequenz ist die Einleitung zu „Kirkebrann“. Gewohnt gibt es hier einen auf die Zwölf. Unheimlich wird es gegen Ende, wieder mit diesem fiesen Gegrunze.

„To the Judge“ ist dann das Intro zum Titelsong „The Judgement“. Sanfte Gitarrenklänge, bis das Jüngste Gericht ruft. Brutale Vocals zur brutalen Musik klingt es doch recht hasserfüllt.

Ungewohnt sanfte Töne hört man zu Beginn des letzten Tracks „Worthless Existence“, bevor es mit brutalen Vocals und cleanen Background Vocals langsam weitergeht. Doch dann kommt die Songexplosion und alles wird niedergewalzt. Für mich das beste Stück von „The Judgement“, weil es meiner Meinung nach das kompletteste Lied ist. Hier finden sich eigentlich fast alle Elemente wieder, die man schon über das gesamte Album gehört hat.

PRAYING ANGEL legen mit „The Judgement“ ein Album vor, bei dem es von Anfang bis Ende nur auf die Fresse gibt. Es fließen mehrere Musikrichtungen ineinander, was die ganze Sache recht abwechslungsreich macht.