NIGHT LASER – Braunschweig/ B58 – 21.12.2018

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Wenn vor dem Spiegel der Herrentoilette Gedränge herrscht, weil sich geschminkt wird und der süße Duft von Haarspray in der Luft liegt, dann ist NIGHT LASER mit einer geballten Ladung Glam Metal zurück in der Stadt. Außerdem sind zur „Laser Night Vol. 5“ gleich vier weitere Bands am Start, nämlich FORMOSA, RUSHMOON, SCUMDOGZ und THE GREY.

Die Lokal-Matadore von THE GREY machen den Anfang mit einer ordentlichen Ladung Hard Rock, also genau richtig zum Durchstarten. Musikalisch finden sich außerdem auch unterschiedlichste Elemente aus verschiedensten Rock-Richtungen, wie ab und zu ein psychedelischer Einschlag an den Gitarren. Der Mix stellt eine runde Sache dar, sodass auch die noch relativ kleine Crowd langsam warm läuft, verhalten mit den Köpfen und Beinen mitwippt und auch am Ende nicht mit Jubel spart.

Weiter geht es nach einer überraschend kurzen Umbaupause mit SCUMDOGZ aus Hannover und ihrem Kick-Ass Rock’n’Roll. Die immer noch recht kleine Crowd kommt hier zu den fetzigen Riffs und dem Off-Beat-Antrieb sehr schnell in Bewegung und neben den üblichen Pogo- und Mosh-Moves lässt sich auch etwas beobachten, das tatsächlich nach so etwas Ähnlichem wie Tanzen aussieht. Schon nach kurzer Zeit herrscht eine gefühlte Temperatur von 39°C mit einer Luftfeuchtigkeit von 97,4%. Selbst der Weihnachtsmann, der sich vom Nordpol zur „Laser Night“ verirrt hat, reißt sich irgendwann im Eifer des Gefechts Mantel und Mütze vom Leib – da kann man schon mal harte Nippel bekommen. Auch SCUMDOGZ scheinen richtig Spaß zu haben, allerdings kann man das ab einem gewissen Punkt der Show nicht mehr richtig beurteilen, weil die Bühne einfach derartig mit Kunst-Nebel vollgeblasen ist, dass die Band kaum noch zu sehen ist.

Nachdem sich der Nebel so langsam gelichtet hat, gibt es RUSHMOON, die eine Vielzahl von Metal-Stilen kombinieren. Blöderweise werde ich vor der Tür so hart mit Bullshit vollgelabert, dass ich erst zum letzten Song wieder da bin. Aber der Menge hat das Konzert offensichtlich gefallen, denn ich gucke in zufrieden lächelnde, schon leicht erschöpfte Gesichter.

Wir nähern uns dem Höhepunkt des Abends: NIGHT LASER aus Hamburg mit Wurzeln in Braunschweig stehen in den Startlöchern, die Bühne ist atmosphärisch abgedunkelt und die Fans sind bereit, die Band zu Hause willkommen zu heißen. Dazu legt das Publikum natürlich jetzt merklich an Größe zu. Und welcher Song bietet sich besser an, um direkt abzurocken, als „Heaven Is Hell“? Das sieht die Crowd wohl ähnlich und stellt direkt ihre Textsicherheit unter Beweis. Mit „Chaos Crew“ und „Manta“ geht es direkt furios weiter und spätestens bei „Trouble In The Neighbourhood“ ist die Menge vor der Bühne am Springen. Endlich kann man sich wieder mit Bier bespritzen, ohne blöd angeguckt zu werden. Auch die Band scheint sehr von der ausgelassenen Stimmung beeindruckt zu sein, was Frontsänger Benno mit dem Ausruf „Ihr seid wahnsinnig!“ mehrmals bekräftigt. Nach zwei weiteren, eher rockigeren Nummern funktioniert auch die Ballade „Make Me Cry“ ohne Strömungsabriss. Außerdem erscheint danach wohl selbst der eher poppige Song „Keep This Love Alive“ für einige Fans hart genug, um einen Mosh-Pit zu starten. Übrigens nimmt nicht nur wie üblich auf der Bühne die Menge an Bekleidung ab sondern auch im Publikum.

Groovy geht es mit „Burning Money“ weiter bis die Stimmung bei „Fight For The Night“ wieder eskaliert. Mit der Nummer „Laser Head“ – ich nenne es einfach mal die Band-Hymne – setzen die Jungs noch einen obendrauf. Die textsichere Crowd darf wieder ordentlich grölen und als hätte man geahnt, dass hier absolutes Highlight-Potenzial besteht, gibt es passenderweise Feuerfontänen an der Bühne. Was? Feuerwerk in dem kleinen Laden?! Ich glaube meinen Augen kaum! Das habe ich in dem Schuppen definitiv noch nie erlebt, bin echt beeindruckt und ich nehme mal an, dass es den meisten anderen Menschen im Laden genauso geht. Also den „Key To Madness“ hat die Glam Metal-Kombo definitv gefunden und so zocken sie ihre packenden Riffs geführt vom abwechselnd weichen und schrillen Gesang weiter bei durchgehend hoher Sound-Qualität (mal von zwei kleinen Ausreißern des Lead-Gitarren-Sounds in den Höhen abgesehen). Und selbstverständlich geht vor der Bühne der Pogo stehts weiter, wobei dieser mittlerweile an eine Herde Nashörner beim Stepptanz erinnert…

Ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, ob jetzt das Prozedere beginnt, in welchem die Band die Bühne verlässt und nach Zugaberufen zurückkommt oder ob direkt darauf verzichtet wird – geflasht vom bisherigen Konzert und abgelenkt vom Abstecher an die Bar (habe ich schon erwähnt, dass das Bier nur 1,50 Euro kostet?!) verschwimmen die Nebensächlichkeiten ein bisschen. Was aber definitiv nicht verschwimmt, sind die letzten drei Songs, nämlich „Promised Land“, bei dem noch einmal die großartige Atmosphäre zelebriert wird, „Captain Punishment“ und „On My Own“, die einen runden Abschluss darstellen. Eine alles in allem gelungene Show!

Nach der Heimspiel-Performance von NIGHT LASER hat die Rock’n’Roll-Maschinerie von FORMOSA zugegebenermaßen einen schweren Stand und so ist es auch nicht verwunderlich, dass das Publikum wieder abgenommen hat. Das lassen sich die Essener Jungs aber keineswegs anmerken und liefern richtig ab. Allein ihre Energie auf der Bühne ist schon dermaßen ansteckend, dass man nicht anders kann, als abzugehen, obwohl es schon recht spät ist. Außerdem fordern Tracks wie „Fuck Up Your Liver“ es gerade zu heraus, noch mal die letzten Kraftreserven zu mobilisieren. Musikalisch ist außerdem alles von verdammt lässig bis hin zu verdammt wild vertreten, stets begleitet von der prägnanten, fast schon quietschenden Stimme von Sänger Nik Bird, die das gewisse Extra mitbringt.  So kann man die Kiste doch hervorragend zu Ende bringen!

Wer jetzt richtig Bock hat, NIGHT LASER in naher Zukunft selbst zu sehen, sollte sich mal das Heathen Rock Festival zu Gemüte führen, das im Februar in Hamburg stattfindet. Dort haben die Jungs 2018 derartig abgeliefert, dass sie direkt noch einmal für 2019 gebucht worden sind. Wir sehen uns da!

Nachtrag: Ich habe gerade erfahren, dass das ‚Feuerwerk‘ bei der Show von NIGHT LASER keine echten Pyro-Effekte gewesen sind, sondern Licht-Effekte. Bei mir hat die Illusion jedenfalls gezündet und ich bin nicht weniger beeindruckt!