karg_coverGenre: Post Black Metal
Label: AOP Records
Veröffentlichung: 16.11.2018
Bewertung: Klasse (8/10)

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Das österreichische Ein-Mann-Projekt von HARAKIRI FOR THE SKY Sänger J.J. veröffentlicht sein bereits sechstes Album in zehn Jahren. Mit dabei sind jede Menge Gastmusiker von Lunar Aurora, Downfall of Gaia, Ellende, Ancst, Amer, fut und Instant Karma. Bereits zwischen 2010 und 2014 formierte sich eine Band um den Mastermind, um ein paar Live-Auftritte zu absolvieren, was für 2018 und 2019 wieder geplant ist. Das Album wurde „Dornenvögel“ getauft, da jeder Song einen einzelnen Dornenvogel und damit ein eigenes lyrisches Thema darstellt – zusammen also eine Komposition aus Dornenvögeln. Musikalisch konzentriert sich die Platte auf Einzelnes, damit sich die Elemente nicht gegenseitig stören oder aufheben. So sind die Gitarrenläufe simple und repetetiv, damit aber auch mit einem hohen Wiedererkennungswert verbunden. Dies gelingt in einer etwas harscher und derber Manier, nicht ganz so fein und geschliffen wie bei den Amerikanern Uada.

Es finden sich auf „Dornenvögel“ viele atmosphärische Zwischenklänge wie im Song „La tristesse durera toujours“, die einen nachdenklichen und melancholischen Gegenpart zu den blastigen Passagen bilden. Hier rezitiert im Übrigen eine Frauenstimme eine Passage aus dem Roman „Die Wand“ der österreichischen Schriftstellerin Marlen Haushofer, wie auch schon auf dem Album „Finisterre“ von Der Weg einer Freiheit, während im Hintergrund ein akustisches Zwischenspiel läuft. Der Roman scheint wohl eine Zitatfundgrube für den modernen Black Metal zu sein. Der zeitweise etwas anstrengende, da sehr monotone, keifig-geiferende Gesang ist durchgängig auf Deutsch, was die Platte auch in den modernen Post Black Bereich schiebt. Wie ein Maschinengewehr schreit J.J. unaufhörlich und hektisch seine Texte über die negativen Seiten des Lebens wie Enttäuschungen, Wut, Ängste und den körperlichen Verfall ins Mikrofon, wie um sich so am Leben zu halten. Neben verzerrten Tremolo-Gitarren finden sich aber auch akustische Gitarren, die auf den Blast- und Doublebass-Teppich gelegt wurden. Die Songs bewegen sich zudem alle zwischen acht und zwölf Minuten, was zumindest viel Platz für Variationen innerhalb der simplen Arrangements lässt.

Schlussendlich ist das Album ein weiteres Werk im Reigen der neuen deutschen Post Black Metal Bands, die untereinander einen guten Draht pflegen und sich gegenseitig positiv befruchten. Wie auch bei Der Weg einer Freiheit oder Harakiri for The Sky spielen atmosphärische nachdenkliche Passagen durchaus eine Rolle, die des Gescheppere der Blastbeats etwas auflockern. Eine verspielte Leichtigkeit geht dem Album automatisch und verständlicherweise ab, so dass die Repetition und Simplizität noch mehr aufs Gemüt drücken. Der Sound ist ebenfalls bewusst reduziert gehalten – alles keine Merkmale, auf die ich jetzt besonderen Wert legen würde. Trotzdem gibt es von mir eine klare Kaufempfehlung – Pflicht auf jeden Fall für alle Hörer der im Vorherigen genannten Bands.