nailed-to-obscurity-black-frost-coverGenre: Doom Death Metal
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 10.1.2019
Bewertung: Bombe (9/10)

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Dass die Niedersachsen das Höchste anpeilen, wird in allem, was sie tun, mehr als deutlich – nicht nur wurden damals für das Album „Opaque“ kurzerhand die Vocals neu aufgenommen, nachdem Sänger Raimund dazugestoßen war. Nun wechselte das Quintett auch noch zum Major Label Nuclear Blast für ihr neues Album. Die Ziellinie scheint damit ganz klar zu sein – der Underground soll nun mit dem vierten Longplayer endgültig verlassen werden. Dazu gibt es vom Major Label jede Menge Unterstützung, sei es die Möglichkeit einer perfekten Aufnahmequalität, wie auch Videos, in denen die Jungs ihre Tracks Song by Song erläutern. Musikalisch bewegen die Ostfriesen sich in den doomigen Death-Gefilden im Fahrwasser von Paradise Lost, Katatonia, Ophis oder den episch-dramatischen Hamferd.

Der Titeltrack „Black Frost“ beginnt mit einer Art Intro und cleanem Gesang, bevor die Growls und die klagende Leadgitarre einsetzen, untermalt von gediegenen Basslines und einem unruhig-unheilvollen Schlagzeug. Die Dramatik des Songs drückt sich vor allem in den Zwischenspielen aus, die durch TomTom-Getrommel und ruhige Melodien rastlos vorangetrieben werden. Die Stimmung wird durch die wehklagenden Soli erzeugt, die über die knapp acht Minuten in ihrem Thema variieren. Textlich geht es hier um Menschen, die ihre negativen Gefühle unterdrücken und sie unverarbeitet als Last mit sich herumtragen. Der Wechsel zwischen ruhigen und harten schnellen Passagen erinnert an das Konzept von Opeth.

„Tears of The Eyeless“ wird von der Band selber in seiner Struktur als nahezu Pop-Song beschrieben, da er ein recht kompakt-reduziertes Songwriting enthält. Dazu passt der etwas schnulzige, akustisch-clean-voicige Einstieg. Der Song erzählt von einer gefühlskalten Frau, die am Ende allerdings sogar die Augenlosen zum Weinen bringt. Im Verlauf entwickelt sich der Track zu einem Midtempo-Song, der seinen Doom-Charakter durch den Wechsel von ruhigen Passagen mit schleppenden Gitarrenmelodien in Einzelton-Manier mit basslastigeren Teilen mit kräftigen Growls erreicht.

„The Aberrant Host“ dreht sich um einen Parasiten, der sich schlussendlich selbst zerstört, indem er seinen Wirt tötet. Hier kommen im Chorus klassische Bassdrums zum Einsatz, wie auch ruhige Passagen mit flüsterndem Sprechgesang, um eine bedrohlich-düstere Atmosphäre zu kreieren. Da auch dieser Song knapp acht Minuten Spielzeit hat, bleibt genügend Zeit für akustische Zwischenspiele und einem „Song-im-Song“ mit einem neuen Riff, das überraschend entspannt und harmonisch, wenngleich zunächst zaudernd, dann drängend gestaltet ist. Dies trägt allerdings auch dazu bei, dass das anfängliche Riff, am Ende noch einmal aufgenommen, einen höheren Wiedererkennungswert erlangt. Für mich der beste Song des Albums.

Das Thema in „Feardom“ ist das Gefühl der Paranoia und wie man sich dieser irrealen Emotion entzieht. Dementsprechend entsteht eine angespannte-ruhelose Atmosphäre, die sich in den gedämpfteren Parts zeitweise abkühlt, um dann das diese Empfindung wieder aufzunehmen. Das Schlagzeug wechselt hier als Unterstützung des abgehakten Gesangs und der anderen Instrumente. Die melodische Leadgitarre tritt dabei teilweise etwas zurück.

„Cipher“ sollte zunächst der Opening Track werden, wurde dann aber als zu doomig in die Mitte gerückt. Textlich handelt der Song von jemandem, den das Gefühl beschleicht, aus seiner eigenen Story ausradiert zu werden, nachdem er sich so oft geirrt hat. Dieser Track enthält nur wenige Passagen, die sukzessiv vorwärts gehen, sondern besteht eher aus zusammenhängenden doomigen Unterbrechungen, die somit sehr grüblerisch wirken. Besonders ansprechend sind aber die Teile, die Doublebass und die singend-klagende Leadgitarre enthalten.

„Resonance“ wurde tatsächlich erst während der Aufnahmen zum Album geschrieben und spiegelt wohl das Selbstvertrauen der Band am besten wieder, sich auch an Experimentelles zu wagen, wie z.B. an Variationen von cleanem Gesang. Thematisch geht es um den Wiederhall von Taten, die irgendwann auf einen zurückfallen. Diese Bedrohung wird allerdings im Song nicht deutlich, der stattdessen eher etwas vor sich hindümpelt.

Der letzte Song „Road to Perdition“ wurde als erster Song für das neue Album geschrieben, rückte aber aufgrund seines als Outro geeigneten Endes an den Schluss der Platte. Der Track ist der deathigste und gewinnt durch das treibende Schlagzeug schnell an Fahrt, die Melodien der Lead-Gitarre werden durch die frostigen Growls entsprechend ergänzt und auch der Bass muss sich hier nicht zurückhalten. Sicher eines der Highlights auf der Platte.

Insgesamt hat mich beim Hören an einigen Stellen das Gefühl beschlichen, dass eine Spannung aufgebaut wird, die dann nicht ganz eingehalten bzw. gelöst werden konnte. Der Sound ist trotzdem absolut großartig, ebenso wie das Songwriting. „Black Frost“ ist definitiv komplexer und verzweigter als die Vorgänger, knallt aber dafür auch nicht sofort beim ersten Anhören – aber easy Listening ist von Künstlern ja auch nicht angestrebt. Die Growls sind abwechslungsreich und damit hervorragend, der cleane Gesang kann mich nicht überzeugen. Ganz objektiv aber ein Hammer Album.