DruckGenre: Black Metal
Label: Ván Records
Veröffentlichung: 3.12.2018
Bewertung: Bombe (9/10)

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Wenn man an Island denkt, kommen einem sofort eruptierende Vulkane, wollige Pferde, eiskalte Gletscher und – Black Metal in den Sinn. Wenn nicht an den unwirtlichsten Orten der Erde kann man sich besser auf die menschenfeindlichste Form des Metals einlassen. Das Trio von SVARTIDAUÐI veröffentlicht nun seinen zweiten Longplayer, nachdem bereits einige EPs und Demos zu Buche stehen. Das rote Schwert im Albumtitel bezieht sich der Band zufolge auf die Strahlen einer auf- und untergehenden Sonne, die mit ihrem wütenden Feuer die wohl zerstöreriste Kraft unserer Sphäre darstellt, während die Menschheit darauf wartet, dass sie mit ihrer unausweichlichen Hitze den Untergang des Universums einleitet. Der auf dem Cover abgebildete Wolf taucht dann im Song „Wolves of a Red Sun auf. Dazu zitiert die Band passend: “I am the flame that burns in every heart of man, and in the core of every star. I am Life, and the giver of Life, yet therefore is the knowledge of me the knowledge of death.”

Der erste Track “Sol Ascending” beinhaltet in den knapp acht Minuten schon alles, wofür die Isländer mit ihrem Black Metal stehen. Dabei bewegen sie sich eher in traditionelleren Gefilden: im Vordergrund stehen die dissonanten Gitarrenläufe in bester Black Metal Tremolo-Manier und der beklemmend-düstere Gesang, der sich eher im Growl-Bereich bewegt. Das Schlagzeug prügelt an den richtigen Stellen, ohne zu viele Blastbeats abzufeuern, dennoch abwechslungs- und variationsreich. Der Track findet in einem unverzerrten Outro ausgefadet sein Ende. „Burning Worlds of Excrement“ startet mit einem wahren Schlagzeugfeuerwerk und Dissection-artigen Gitarrenläufen im Tremolo-Style im Black Metal Midtempo, bevor es dann an die Blastbeats und das Gekeife von Mastershouter Sturla Viðar Jakobsson geht, der sich den Mageninhalt aus dem Rachen leert. In seinen Pausen frickeln die Gitarren in gewohnt unharmonischer Manier. Den Rahmen bildet das Ende, das wieder ein etwas verhalteneres Tempo annimmt.

„The Howling Cynocephali“ zelebriert den traditionsreichen Demo-Sound des Undergrounds, der das Schlagzeug in einem Trommelfeuer vernebelt, auf den Gesang wurde jede Menge Effekthall gelegt. Die Gitarren ragen aus dem Gipfelnebel gerade noch oben heraus. Das breiige wird auch im Midtempo-Bereich in diesem Song nicht besser, was das düstere des Songs perfekt unterstreicht. Wer sich übrigens fragt, was ein heulender Kynokephal ist, dem sei gesagt, dass es sich um ein mythologisches hundsköpfiges Fabelwesen handelt, die eher im asiatischen Raum auftreten. Das Geprügel des Songs wird zwischendurch noch von ruhigen Einsprengseln unterbrochen.

 

Die angesprochenen „Wolves of a Red Sun“ bringen dann fast harmonische Melodien mit ins Spiel, die sich oktavenweise wiederholen, bevor eine Tremolo-Gitarre ins Blastbeat-Kreuzfeuer überleitet, das am Ende wieder in den schönen Harmonien endet. „Reveries of Conflagration“ baut eine sich zusammenbrauende düstere Spannung auf, die sich dann in düsteren Melodien entlädt. „Aureum Lux“ ist mit fast zwölf Minuten der längste Track und lässt sich dementsprechend auch Zeit mit der Entfaltung des Themas. Hier wird noch einmal alles zusammengeführt, von Blastbeats, Doublebass, dunstig-verschleiertem Geknüppel über klirrende Tremolo-Gitarren und Kehlgesang.

Alles in allem liegt hier ein schwarzmetallisches Werk vor, das traditionsverbunden klingt, ohne altbacken und übertrieben trve daherzukommen, so dass eine Ausgewogenheit zwischen harten Prügelpassagen und feinen Melodien von der anderen Seite der Sonne entsteht, wenngleich der Sound manchmal ein wenig zu sehr im Nebel versinkt. Ein wahres nordisches Werk!