der_rote_milan_coverGenre: Black Metal
Label: Unholy Conspiracy Deathwork
Veröffentlichung: 1.2.2019
Bewertung: Klasse (8/10)

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Die Pfälzer, die seit 2015 als Band existieren, bringen mit „Moritat“ ihr zweites Album an den Start. Wie bereits auf dem Debüt sind alle Texte auf Deutsch verfasst, um die Erlebnisse in Lokalkolorit noch zu unterstützen. Diese kreisen um historische Geschehnisse der deutschen Geschichte, genauer lokaler Ereignisse im Hunsrück und dem Hochwald, wie z.B. während des 30-jährigen Krieges oder der Legende um den Räuber Schinderhannes.

Musikalisch bewegt sich der Longplayer zwischen Tradition und Moderne. Die rohen Blastbeats, z.B. gleich am Anfang von „Die Habsucht“, die von einem dumpf-gedämpften Schlagzeug vorwärtsgetrieben werden, fallen in die klassische Tradition des nordischen Black Metals. Besonders die Becken scheppern übelst und kreieren einen krassen Rumpelnebel, der sich über die dissonanten Moll-Gitarren legt. Die Screams bewegen sich im krächzig-gurgelnden Bereich, heulenden Geifer ausspuckend wie eine Armee von Ghouls. Das Cover ist minimalistisch in grau-weiß gehalten, eine geisterhafte Figur, verzerrt im Nebel stehend. Modern wird das Ganze durch die ruhig-bedächtigen Tröpfelpassagen, die der Platte die nötige Dosis Melancholie verabreichen, wie z.B. beim Song „Gnosis der Vergänglichkeit“ oder am Ende von „Der letzte Galgen“. Die Abwechslung bietet in jedem Fall das Schlagzeug, das sich munter durch alle TomToms, Becken und die Doublebass hämmert. Besonders der Bass und die Rhythmus-Gitarre übersteuern desweilen zu einem ordentlichen Soundbrei. An Garagen-/Demoeffekten wurde definitiv nicht gespart.

Alles in allem sind die Pfälzer fraglos eine jüngere Black Metal Bande, die man auf dem Schirm haben sollte. Die Kompositionen sind durchdacht und abwechslungsreich, nicht zuletzt durch das variationsreiche Schlagzeug. Abzug gibt’s von mir aus reiner persönlicher Geschmackssache für den übersteuerten, etwas drucklosen Retrosound, der aber sicherlich bei Underground-Liebhabern genau richtig ankommen wird. Den Geschmack der Zeit treffen sicherlich auch die deutschen Lyrics und das gellende Geschrei. Definitive Kaufempfehlung für alle Liebhaber des Extreme Metals, die nicht nur auf Blastbeats abgehen.