cover72dpiGenre: Post Metal
Label: Lifeforce Records
Veröffentlichung: 25.1.2019
Bewertung: Klasse (8/10)

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Im Jahr 2014 veröffentlichten die Würzburger bereits ihr Debüt „The Bleakness“, jetzt präsentiert das Quintett ihren neuen Longplayer „Sacrifices“. Mit an Board ist ihr neuer Sänger Michael Heim (Ex-NECROTTED), der seit Ende 2016 an der Songgestaltung mitwirkt. Der Begriff Post Metal scheint ab und an etwas schwammig, vereint er doch die verschiedensten Ausprägungen der Post Kategorie: von Doom über Black oder Core, alles gibt es im Post-Gewand. Was das Label wohl vor allem ausdrücken soll, ist die vorwärtsgewandte Modernität der Genres, die nur noch vage in den Traditionen verhaftet erscheinen.

Musikalisch erinnern das Intro wie auch das Zwischenspiel des ersten Songs „Grieved“ an aktuelle Black Metal Veröffentlichungen, die sich gerne mal in die Doom Bereiche begeben, um die Atmosphäre zu variieren und eine gewisse Melancholie zu erzeugen. Hier sind die Gitarren clean und melodisch, aber der Bass scheppert bis zum Bersten verzerrt im Hintergrund. Ansonsten gibt es hier zu Beginn gleich einmal mächtig Blastbeats und ein Schlagzeug-Tom-Tom-Gewitter, die Screams bewegen sich latent im Core-Bereich und wurden nicht zu dominant in den Vordergrund gemischt.

„The Isolation“ variiert im Tempo marginal, wohingegen der Drummer alle Felle ordentlich verprügelt. Die Gitarren flirren in Black Metal Manier durch oftmals repetitive, sich wiederholende Riffs, die sich thematisch im Laufe des Songs abwandeln. Der Gesang verbleibt durchgängig im gleichen Stil, was die Aggressivität erhöht und eine gewisse Wut und Verzweiflung transportiert. „Ashes“ dagegen beginnt akustisch-versöhnlich und lässt etwas Raum zur Nachdenklichkeit. Erst als der mächtig-tiefe Bass einsteigt, erhöht sich die Dynamik des Songs, bevor das Gewitter losbricht. Der enorme Bass, der mir etwas zu übersteuert daherkommt, kreiert an mancher Stelle ein gewisses Soundrauschen. Im Zwischenspiel ist der Gesang, der mit mächtig Effekt á la leerer Konzerthalle überzogen ist, zunächst weiter in den Hintergrund gerückt, um im nächsten deutlich im Vordergrund zu stehen. Die Spannung des Songs baut sich über etliche Minuten immer weiter auf, um diese zwar immer wieder zu unterbrechen, aber eigentlich erst nach fast sechs Minuten endlich zu entlassen und in eine wunderschöne Melodie zu münden.

„Old Ghosts“ ist rhythmisch völlig anders gestaltet und fällt durch wesentlich tiefere Gitarren zu Anfang und nach dem Zwischenspiel schon fast in den Death Metal Bereich, bevor die Gitarren die gewohnten Höhen wieder einnehmen, sich aber wesentlich harmonischen Melodien widmen. Einzig die Growls von Sänger Michi röhren in gewohnt brutaler Art und Weise. Dieser Track ist sicher ein absolutes Highlight auf dem Album, wenngleich er vielleicht nicht wirklich die Linie der Band repräsentiert.

„Empty Throne“ bewegt sich zunächst im Midtempo, bevor die Blastbeats und dann die Doublebass einsetzen. Im Hintergrund lassen sich die hohen Tremolo-Gitarren erahnen, die erst wieder deutlicher hervortreten, als der Bass und das Schlagzeug etwas Pause bekommen, bevor es im Midtempo und einem simplen dissonanten Akkord weitergeht. „Hollows“ schlägt dagegen wieder in eine andere Kerbe, wenn es am Anfang schon ein Sound-Handgemenge zwischen allen Beteiligten gibt, bevor das Tempo kurzfristig minimal gedrosselt wird. Hier dominieren die dumpfe Bassdrum des Schlagzeuges und der dröhnende Bass. Der Akustikpart nimmt dem Song das übertriebene Gekloppe und baut den Spannungsbogen für das Finale auf, das noch mit einem Death Metal Riff aufwartet.

„The Downfall“ präsentiert sich etwas komplexer und variabler, auch die Zwischenparts sind harmonischer eingefügt und stehen weniger für sich selbst, das Thema wird stets aufrechterhalten. Den Abschluss bildet „In Vain“, das erst nach zwei Minuten in die verzerrte Sphäre übertritt und sich auch dann in einem eher verhaltenen Tempo bewegt, bevor im letzten Teil noch einmal richtig geballert wird. Die Growls bieten dafür den richtigen Kontrast.

Insgesamt ist den Franken ein abwechslungsreiches Werk gelungen, das vor allem durch Tempo- und Rhythmuswechseln keine Langeweile aufkommen lässt. Für meinen persönlichen Geschmack sind die Bässe an manchen Stellen etwas zu dominant, so dass der Sound zum Teil zu arg rauscht und die Gitarren in den Hintergrund presst. Aber es ist halt auch kein Black Metal.