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Es ist ein frostiger Dienstagabend, als sich die ersten Gestalten im kuscheligen Logo an der Grindelallee einfinden. Komischerweise wird auf der Fassade des Clubs nur HARAKIRI FOR THE SKY erwähnt, sodass SOJOURNER und DRACONIAN einfach unterschlagen werden, und dass obwohl letztere sogar der eigentliche Headliner sind. Langsam aber stetig werden es immer mehr Zuschauer, während auf der Bühne die letzten Vorbereitungen für die erste Band des Abends laufen. Solange es noch nicht losgeht, versorgt das Logo die Leute mit Musik aus der Konserve, die jedoch bereits ein wenig zu laut eingestellt ist, um sich ohne Anstrengung unterhalten zu können.

Den Auftakt machen also SOJOURNER, eine internationale Band mit Mitgliedern aus Schweden, Neuseeland, Großbritannien und Italien. Diese präsentieren sehr atmosphärischen Black Metal und das Publikum ist dem durchaus zugetan. Zu diesem Zeitpunkt ist der Raum noch nicht komplett gefüllt, aber das schreckt die Musiker nicht ab und sie liefern dem Publikum eine gute Show. Es wurde eine gute Mischung aus beiden Alben gespielt. Sänger Emilio Crespo war gut zu hören, doch Gitarristin Chloe Bray war manchmal zu leise eingestellt. Außerdem war das Schlagzeug gerne mal zu laut, während Rhytmusgitarre und Bass teilweise untergingen. Doch im Großen und Ganzen war der Sound in Ordnung und die Band hat mit Sicherheit noch ein paar neue Fans dazugewonnen.

Nach einem verlängerten Soundcheck enterten HARAKIRI FOR THE SKY die Bühne. Die Band zog deutlich mehr Leute vor die Bühne, denn nun war Körperkontakt nicht mehr zu vermeiden. Es wurden Haare in die Luft geworfen und Fäuste in die Luft gereckt. Dieses Mal waren die Instrumente besser eingestellt (der längere Soundcheck hat sich also gelohnt), doch der Gesang klang, als käme er durch Watte. Jedenfalls hörte es sich von der zweiten Reihe aus so an. Die Band zog es vor, ihre Show konzentriert und in sich gekehrt durchzuziehen, denn es gab keine Interaktionen mit dem Publikum, weder am Anfang noch zwischendurch oder am Ende. Trotzdem war die Band in ihrem Element und legte sich ins Zeug. Und so wie sie gekommen sind, verabschiedeten sie sich auch wieder vom Publikum: unauffällig und wortlos.

Dann war es endlich soweit: DRACONIAN – der Headliner des Abends – betraten nach kurzem Soundcheck die Bühne. Das eingespielte, gesprochene Intro ging direkt über in „A Phantom Dissonance“ aus dem vorletzten Album. Die Songauswahl überraschte ein wenig, doch die Zuschauer befanden sich schnell im Groove und kamen der Aufforderung mitzumachen direkt nach. Gleich an zweiter Stelle folgte bereits ein beliebter Klassiker, nämlich „Bloodflower“. Spätestens jetzt waren alle Fans mit an Bord und feierten den Song ausgiebig. Nach zwei neueren Songs wurde „A Scenery of Loss“, ein weiterer Klassiker, angespielt und auch hier waren die Fans sichtlich begeistert. Die Enge vor Bühne von der vorherigen Band blieb erhalten.
Auch die Schweden hatten leider mit dem Sound zu kämpfen. Beide Sänger waren zu leise eingestellt, was gerade bei Heike Langhans von Nachteil war, denn DRACONIANs Musik lebt vom Zusammenspiel ihres leichten, zarten Gesang und der harschen Vocals von Anders Jacobsson. Beider Gesang kam nur dann vollends zur Geltung, wenn nicht alle Instrumente spielten. Doch auch da scheint wohl am Mischpult nicht alles gut gelaufen zu sein. Mit dem monumentalen „The Marriage of Attaris“ aus dem Album „Sovran“ schloss die Band ihren Auftritt ab, die Fans verlangten jedoch nach einer Zugabe, welche ihnen Heike allein auf der Bühne darbot. Dabei handelte es sich um einen Song vom neuen Album, an welchem DRACONIAN gerade arbeiten. So kamen die Fans noch in einen sehr exklusiven Genuss zum Abschluss des Abends.

Alles in allem war dies ein gelungener Abend. Die Bandzusammensetzung war passend trotz der Genre-Unterschiede, doch leider hatten alle unter dem notorisch mäßigen Sound im Logo zu leiden, was sowohl den Fans und auch den Bands gleichermaßen ein wenig auf die Laune drückte. Die Musiker gaben ihr Bestes und nahmen sich auch noch nach der Show ausgiebig Zeit für die Fans. Das nächste Mal gerne wieder.

DRACONIAN – Setlist

  1. A Phantom Dissonance
  2. Bloodflower
  3. The Wretched Tide
  4. Stellar Tombs
  5. A Scenery of Loss
  6. The Last Hour of Ancient Sunlight
  7. Pale Tortured Blue
  8. The Marriage of Attaris
  9. Burial Fields (working title)