Genre:00liliths-breed_artwork_cover Melodic Death Metal
Label: Eigenproduktion 
Veröffentlichung: 01.02.2019
Bewertung: Sehr Gut (7/10)

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Lilith ist eine alt-mythologische Figur die bereits 2400 vor Christus in einer sumerischen Dämonenliste erwähnt wird. In vielen alten Hochkulturen taucht sie als Männer-verführender Dämon auf. Oft wird sie mit Flügeln und Hörnern dargestellt. In der jüdischen Überlieferung ist Lilith die erste Frau Adams, die ebenso wie er aus Erde erschaffen wurde, sich weigert beim Geschlechtsakt unter ihm zu liegen und schließlich den Big Boss höchstpersönlich herausfordert, weil sie seinen unaussprechlichen Namen nennt. Gerade dies ließ sie in der jüngeren Vergangenheit zu einem Symbol des Feminismus werden. Egal welcher Interpretationsform man nun mehr anhängt, fest steht: diese Figur eignet sich höllisch gut für eine Metal Band. Dachten sich wohl auch fünf Männer aus dem Großraum Frankfurt, als sie nicht nur ihre Band LILITH’S BREED tauften, sondern auch noch gleich ihr Debütalbum den selben Namen gaben.

Was gibt’s zu hören aus Südhessen? Gut produzierten Melodic Death Metal! Die Instrumentalisten verstehen ihr Handwerk. Wie wild wird durchgehend schnell und rabiat von Sekunde Eins an auf den Gitarren herumgefrickelt. Ein Soli jagt das nächste. Das könnte dem ein oder andere zu viel werden, der ist aber auch generell falsch bei jeder Musikrichtung die den Vorsatz „Melodic“ im Namen trägt. Die Saitenkünstler haben auf jeden Fall einiges auf dem Kasten. Dem Bass könnte an der einen oder anderen Stelle ruhig noch etwas mehr Raum geboten werden. Die Drums prügeln dafür schön geradlinige durch die Songs und den Gehörgang, natürlich spart man nicht an Blastbeast. Die Abmischung der Instrumente ist ordentlich. Allein hier und da könnte der Gesang fetter rüber kommen. Oft wabert er zu sehr im Hintergrund und ist bei den schnell hin und her fetzenden Gitarren-Parts nur dumpf zu hören. Dafür hat Sänger Max Schöppner (in Zusammenarbeit mit den anderen Bandmitgliedern) ordentlich Kreativität in die Lyrics gelegt und brüllt über die Ungerechtigkeit der Welt, die Apokalypse, der Kampf mit den eigenen Dämonen oder über ein Cambion, das Kind eines Sukkubus und eines Menschen. Was den Kreis zur Namenspatronin Lilith schließt. Vom Klang her darf sich der Frontmann durchaus mit einer Mischung aus Johan Hegg von AMON AMARTH und Kai Bigler von PARASITE INC. vergleichen lassen.

Die zehn Songs haben alle eine ordentliche Geschwindigkeit, so dass einem die Spielzeit von 1 Stunde und 11 Minuten wesentlich kürzer vorkommt. Lediglich bei „Algorithms“ wird zu Beginn der guten Lilith etwas die Flügel gestutzt. Das macht sich auch im Gesang bemerkbar, da hier geflüstert wird. Dies klingt aber leider etwas zu sehr erzwungen und schmälert damit den Eindruck des ansonsten coolen ruhigeren Liedes. Auf „Eisheth“, dem Instrumentalstück des Albums, dürfen sich dann die Instrumentalisten nochmal so richtig austoben. Das Album ist also abwechslungsreich, eingängig und kurzweilig. Für ein Debut ein ordentliches Brett.

Woran scheitert es aber, dass das Album höchstwahrscheinlich nicht das nächste große Ding wird? Letztendlich fehlt der Band noch das Alleinstellungsmerkmal. Irgendwie kommt es einem so vor, als ob man das alles schon mal irgendwo gehört hat. Die Band ist auf dem richtigen Weg, talentiert sind sie im Übermaß und mit Fleiß dabei allemal. Jetzt müssen sie nur noch ihren eigenen Sound finden und prägen. Aber das erste Album darf ja erstmal die grobe Richtung vorgeben und wer weiß, vielleicht gelingt es dann schon auf der nächsten Scheibe , Gottes unaussprechlichen Namen zu nennen und mit mehr Eigenständigkeit am Thron des Melo-Death zu rütteln.