lords of the trident_shadows from the past_cover 1.0Genre: Power Metal
Label: Junko Johnson Records
Veröffentlichung: 24.08.2018
Bewertung: Durchschnitt (5/10)

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Auf einem Promo-Bild tragen die Jungs von LORD OF THE TRIDENT irgendwelche Fantasy-Kostüme, die so unfassbar scheiße aussehen, dass ich echt froh bin, dass ich die Platte gehört habe, ohne vorher ein Bild gesehen zu haben. Ansonsten hätte mich bestimmt unterbewusste Ablehnung beeinflusst (und das, obwohl es offensichtlich ist, dass sie sich selbst nicht allzu ernst nehmen). So bin ich aber ziemlich unbefangen und bereit für ihr viertes Studioalbum und eine ordentliche Ladung Poower Metaaal!

Mit „Death Dealer“ startet die Platte mit fetzigen Gitarren und einem gelungenen Hook, direkt gefolgt von hohen Heavy Metal Screams: geil! In der Strophe legt sich ein eher tiefer, aber ruhiger Gesang auf das hohe Tempo, wobei der Platz nach oben in Sachen Tonhöhe und Intensität gelegentlich ausgenutzt und im Refrain voll ausgefüllt wird. Der Song ist von der Komposition her so, als würde man ein richtig geiles Power-Metal-Croissant essen und dann feststellen, dass zusätzlich auch noch eine richtig schmackhafte Nuss-Nougat-Creme verbaut ist. Und auch „Zero Hour“ schlägt in die gleiche Kerbe, wobei die überaus stimmungsvollen Tempowechsel den Song sehr kurzweilig erscheinen lassen. Und auch „Tormentor“ bringt alle Bestandteile für einen guten Song mit. Trotzdem bleibt das Gefühl, dass die Struktur des Songs nicht konsistent ist: Das Croissant-Nuss-Nougat-Gebäckstück ist sozusagen zusätzlich mit Würstchen, Senf und Gewürzgurkenwasser gefüllt. Nichtsdestotrotz ein gelungener Song.

Mit einem harten und schnellen Riffing startet „Burn It Down (With Fire)“ vom ersten Takt an mit Vollgas und bremst an den richtigen Stellen ab, um danach wieder richtig anziehen zu können. Außerdem singt „Fang VonWrathenstein“ nicht nur im Duett mit den klaren, treibenden Gitarren. Die Jungs haben sich zur Unterstützung der Vocals auch noch Brittney Slays von UNLEASH THE ARCHERS mit ihrer einzigartigen Stimme und Power dazugeholt. Diese Gesangskraft ist einfach eine absolute Bereicherung. Der Song weckt bei mir direkt die Lust, die Luftgitarre zu zupfen und mitzusingen!

„Figaro“ ist mit 7:43 Minuten der mit Abstand längste Song der Platte und obendrein auch noch die obligatorische Power-Ballade. Ich will mich nicht zu weit aus dem Fester lehnen, aber ich glaube der Song ist wie ein klassisches (oder barockes?) Stück in Sätzen aufgebaut. Damit kommt zwar Abwechslung rein, aber insgesamt zieht es sich doch brutal und dieser Track trieft nur so vor Pathos.

„The Party Has Arrived“ ist ein kurzes, szenisches Zwischenspiel. Auf die Geräuschkulisse eines gefüllten Saals legt sich ein Geigen/Cello/Kontrabass-Spiel, das am Ende durch zerberstende Scheiben und überspitztes Lachen abgebrochen wird und die Überleitung zum Song „Brothers Of Cain“ bildet. Hier gibt es noch mal eine ganz andere Stimmfarbe der Vocals in den Strophen und der Gesang bewegt sich teilweise eher im Bereich des rhythmisch-melodischen Sprechens. Außerdem ist in einem Motiv eine aus der Pop-Kultur bekannte Melodie verbaut, ich komme nur leider nicht darauf, woher sie stammt. Neben dem üblichen Gitarren-Solo gibt es hier übrigens auch mal ein Bass-Solo.

„Reaper’s Hourglass“ kommt durch den soften Gesang trotz des teils härteren Riffings insgesamt im Sound sehr weich rüber, was durch die ausgiebig schmachtenden Parts gestärkt wird. Für mich ist es eine easy-listening Nummer, der an Profil fehlt. Ähnlich geht es mit „Chasing Shadows“ weiter, wobei hier das Tempo stellenweise noch stärker gedrosselt ist. Hinzu kommen im Gesang neben leicht energischen Ausbrüchen (die aber keines Falls mit denen voriger Songs vergleichbar sind) auch noch fast schon gehauchte Echos, die eine gewisse Ladung Kitsch transportieren. Ein bisschen härter wird es dann zwar wieder mit „The Nameless Tomb“ und „The Gatekeeper“, aber auch diese Songs hauen mich nicht mehr um. Sie sind zwar nicht so richtig schlecht, aber stellenweise doch zu weichgespült und poppig; vor allem im Vergleich zur ersten Hälfte des Albums fehlt einfach die Intensität, die Power und das Kantige, was zuvor so überzeugt hat. Man könnte quasi sagen, dass die zweite Hälfte der Platte nur noch die Schatten der Vorigen darstellt…