072753Genre: Technical Death Metal 
Label: Season of Mist
Veröffentlichung: 12.10.2018
Bewertung: Klasse (8/10)

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Dass der französische Teil Kanadas eine geeignete Bruthölle (haha, Wortwitz!) für den technisch versierten Death Metal ist, haben uns namenhafte Bands wie GORGUTS, CRYPTOPSY, NEURAXIS, KATAKLYSM und viele andere bereits eindrucksvoll bewiesen. Nun versuchen seit ein paar Jahren BEYOND CREATION mit viel Spielfreude und hohem Technikansatz in dieser Liga mitschreddern zu dürfen. Der aktuelle Streich hört auf den Namen „Algorythm“ und erschien im Oktober 2018.

Ein instrumentales Stück eröffnet das Album, was ein wenig danach klingt, als würde einem der Endgegner in einem Videospiel erwarten. Na schauen wir mal, ob dieser Einstimmung Rechnung getragen wird. „Entre Suffrage Et Mirage“ ist der erste richtige Song. „Haha“, denke ich mir, „ob Suffrage einen alkoholbedingten Wutausbruch beschreibt?“ (Entschuldigung, dieser kleine Gossenhauer sei dem 13-Jährigem in mir erlaubt!) Aber nein, „Suffrage“ ist Französisch und bedeutet Wahlrecht. Wieder was gelernt! So passt der Endgegner dann doch ganz gut hier rein, schließlich war ich in der Schule richtig mies im Französisch-Unterricht. Aber zurück zum Album. Die Lyrics beim ersten richtigen Lied sind, wie es der Titel schon vermuten lässt, auf Französisch. Und das klingt mal so richtig fies und mächtig. Klar, schon öfters mal eine Metal-Band auf Französisch grunzen gehört, aber selten so gut wie hier. Ich kann nur empfehlen die Lyrics mitzulesen, man bekommt ein völlig neues Verständnis für die französische Aussprache. Leider ist der Rest dann auf Englisch.

Ansonsten wird einem technisch höchst anspruchsvoller und abwechslungsreicher Death Metal geboten. Hier gleicht kein Song einem anderen. Das ist eine kreative Höchstleistung. BEYOND CREATION lieben Arpeggios, das nimmt gelegentlich schon Überhand. Ansonsten wird stets an der richtigen Stelle ein Soli eingestreut, die Drums donnern mal als Blastbeat, mal als rhythmische Untermalung stetig mit und der Gesang streunt zwischen tiefen Growls und höheren Screams hin und her. Auch die eine oder andere Prise Jazz wird zaghaft eingeträufelt. Gerade Musikliebhaber, die den Bass nicht nur als schnödes Instrument der Untermalung mit tiefen Tönen im Hintergrund wahrnehmen möchten, sondern in seiner ganzen Pracht erleben, ja sogar hin und wieder als das bestimmende Element eines Liedparts genießen wollen, werden hier ihre helle Freude haben.

„Ethereal Kingdom“ beginnt mit einem Vibe, der ein wenig an GOJIRAs „Global Warming“ erinnert und vermutlich als Verbeugung vor den Death-Metal-Altmeistern aus Frankreich zu verstehen ist. Das titelgebende „Algorythm“ ist mit 7:40 Minuten das längste Stück der Platte und haut einem mit progressiven Tönen die Ohren wund. Danach geht’s mit einem instrumentalen Klavierstück erst mal etwas ruhiger zu. Beim ersten Hören wirkt die zweite Albumhälfte etwas sanfter, was aber täuscht, da die Songs hier nur noch abwechslungsreicher werden und bei Spielzeiten jenseits der fünf Minuten auch genug Raum für sowohl brutal-schnelle Parts bieten, als auch für etwas entspannt-melodischere Abschnitte, bei denen die begabten Instrumentalisten ihr ganzes Talent auffahren können. „Binomial Structures“ ist zum Beispiel so ein Song. In diesem Instrumentallied zeigt die Band, dass es ihnen weniger auf den Gesang, als mehr auf spielerische Finesse ankommt.

Wir haben es hier also wirklich mit einem hervorragenden Album zu tun. Bei zehn Tracks mit 51 Minuten Spielzeit kann man auch nicht meckern. Das Problem wird sein, dass Technical Death Metal aufgrund seiner instrumentalen Verspieltheit nicht für jeden leicht zugänglich ist. So ist es auch bei BEYOND CREATION. Aber für Fans des Tech-Deaths haben die Franko-Kanadier hier einen richtigen Leckerbissen vom Stapel gelassen. Und allen anderen kann ich das Reinhören nur empfehlen!