Genre: Bvreid - lifehungerlack 'n Roll
Label: Season of Mist
Veröffentlichung: 28.09.2018
Bewertung: Klasse (8/10)

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VREID sind aus der Asche der norwegischen Band WINDIR entstanden, nachdem ihr Frontmann Terje „Valfar“ Bakken auf tragische Weise ums Leben kam. Seit 2004 ist die Band aktiv, hat sieben Alben und mehr als 500 Shows vorzuweisen. Nun ist seit September 2018 das achte Album mit dem Namen „Lifehunger“ draußen. VREID selber bezeichnen ihre Musik als Black ‘n Roll. Wer jetzt sofort an KVELERTAK denken muss, sei gleich eines besseren belehrt, dass dieser Vergleich nicht standhalten wird. Mal davon abgesehen, dass es VREID schon länger gibt. Aber es wäre wirklich sträflich sich von der Genrebezeichnung abschrecken zu lassen oder sie in eine Schublade zu stecken. Man würde ein sehr gelungenes Album verpassen.

Tatsächlich kommt „Lifehunger“ wesentlich härter daher, als man es bei Black ‘n Roll erwarten würde. Gerade auf den ersten Songs überwiegt der schwarzmetallische Anteil. Nach einem kleinen aber feinen Akustik-Gitarren-Opener, prügelt „One Hundred Years“ erstmal ordentlich den Staub aus dem Gehörgang. Zuerst kreischen nur die Gitarren, schließlich auch der Gesang und dann kommen die Blastbeats. Soweit so Black Metal. Doch halt, da ist noch mehr: melodischer Rockpart, knackige Gitarrensoli, mehrstimmigen Cleangesang und stimmige Akustik-Gitarre. Was VREID hier an Abwechslung in einem knapp fünf Minuten langen Song pressen, schaffen andere Bands nicht in ihrer ganzen Diskographie. Und dabei gelingt ihnen noch das Kunststück, dass das alles nicht zu gewollt, durcheinander oder gar aufgesetzt wirkt. Einziger Nachteil ist es wohl, dass die Erwartungen für den weiteren Albumverlauf sehr hoch sind.

Aber die Zweifel werden gleich bei den folgenden Songs, dem Titelsong und „The Dead White“, aus dem Weg geräumt. Schnelle, knüppelnde Stücke, die mit viel Abwechslung aufwarten und an den richtigen Stellen Platz für Rock-Vibes lassen. „Hello Darkness“ sticht besonders heraus. Ein eher ruhigeres Stück, ohne Black Metal, dafür Sprechgesang und einem Touch Surrealismus. Der Song wirkt beim ersten Mal auf jeden Fall suspekt. Aber beim dritten hören, ergreifen die mitreißende Stimmung zunächst vom Fuß Besitz und schon bald wippt der ganze Körper unweigerlich mit. Spätestens bei dem Old-School Gitarrenriff inklusive fetzigem Percussion-Einsatz muss man sich fragen: „Tanze ich gerade auf ein Black Metal Album?“ Und wer genau hinhört kann Aðalbjörn ‚Addi‘ Tryggvason von SÓLSTAFIR hören. Lecker!

Bei „Black Rites in the Black Nights“ geht’s dann wieder ordentlich flink zur Sache. Textlich dreht sich auf dem Album natürlich alles irgendwie um Dunkelheit und Okkultismus, passend zum Artwork. Gerne bedient man sich in der norwegischen Mythenwelt. Außer bei „Sokrates Must Die“, bei dem es (Wer hätte es gedacht?) um den griechischen Philosophen, sein Leben und sein Tod geht. Das letzte Stück ist dann rein instrumental und bildet einen passenden Ausklang.

VREID haben hier wirklich ein ordentliches Album vorgelegt, der Sound ist kräftig produziert und professionell abgemischt. Die Platte hätte bei acht Songs mit einer Laufzeit von 39 Minuten noch ein oder zwei Stücke vertragen können, aber das ist meckern auf hohem Niveau. Ansonsten wird das Album sowohl Anhänger der härteren Gangart als auch den Liebhabern von rockigerem Sound überzeugen können.