noise trailGenre: Blackened Mathcore
Label: Moment of Collapse Records
Veröffentlichung: 2.11.2018
Bewertung: Gut (6/10)

Bandcamp

Nach einem Minialbum 2014 und dem Album „Womb“ von 2016 erscheint mit „Symbology of Shelter“ das neue Werk der italienischen Krachmacher aus Turin. Der erste Song „Mirroring“ stellt bereits die Weichen für das dissonante Geschepper und Geprügel, das unnachgiebig auf das Trommelfell einprasselt und einhackt. Die Gitarren klingen intentional zueinander schräg halbtönig, in Manier von The Dillinger Escape Plan oder War From a Harloths Mouth. Die Songs sind allesamt geprägt von Gitarrengefrickel, hartnäckigem Gedresche in Blastbeat-Manier und fiesem Core-Bebrüll, aber auch schleppenderen Teilen, die nicht nur Spannung entladen, sondern eben auch aufbauen. Die beständigen Halbtöne, auf denen beide Gitarren unaufhörlich herumspringen, sind sehr scharfkantig gemischt, so dass auch das ziemlich in den Gehörgängen brennt. Auf den Gesang wurden an vielen Stellen Noise-Elemente gelegt, was das Ganze noch technischer klingen lässt. Thematisch spiegelt sich das Chaos, die Wut und der Hass der Musik auch in den Texten wieder, die sich zwischen traditionellen Death Metal Sterbe- und Leidensmotiven und modernen Problemen des menschlichen Daseins bewegt.

Der Track „The Empty Earth I“ punktet mit einem gediegenen, fast doomigen, repetetiven Intro, was den Titel perfekt wiedergibt. Dies mündet in einen Wechsel aus Blastbeats und Doublebass-Passagen, die von sich weiterhin wiederholenden dissonanten Gitarrentönen begleitet werden. Die Growls driften vom Corigen nur selten in tiefere Gefilde ab, was dem Song aber eigentlich ganz gut steht. Der Nachhall der Gitarren erinnert definitiv an den Noise-Bereich. Für das Outro wurden die Gitarren vermutlich sogar etwas verstimmt, das klingt nämlich schon ziemlich schräg. Für mich ist dieser mit dem folgenden Track der überzeugendste Song, wenngleich wahrscheinlich nicht der representativste. „The Empty Earth II“ beginnt mit einer Kreissäge und der Rezitation von italienischen Versen und schließt in doomiger Manier an den ersten Teil davor an. Erst nach sechs Minuten wechselt der Sänger ins Englische und zu den Growls.

Der Titelsong „Symbology of Shelter” nimmt nur langsam Fahrt auf, bevor er sich gemütlich aus dem Noise-Nebel zu den Blastbeats und den Misstönen begibt. Auch dieser Track bewegt sich überwiegend im besonnenen Tempo, was ihn recht düster und unheilvoll macht. Diese Spannung entlädt sich dann erst auf den letzten Metern in einem Feuerwerk aus lärmendem Tosen, das ein Ringen um den letzten Atemhauch imitiert.

Wenn die Intention der Band tatsächlich ist, den Hörer zu verstören – bei mir hat’s auf jeden Fall funktioniert. Der Krachlevel ist schon enorm hoch, wie nicht anders zu erwarten bei einem Mathcore-Album, weswegen vor allem die etwas gediegeneren, weniger grindigen Passagen bei mir punkten können. Der Sound ist erwartungsgemäß ebenfalls noisig-krachig und liegt vor allem auf den Mitten und Höhen, die noch dazu genügend Rückhall abbekommen haben. Die Growls bringen einen ebenfalls klar an eine gewisse Schmerzgrenze. Das Songwriting ist alles in allem sicher nicht unkomplex, aber andere Bands im Technical/Math-Bereich, wie z.B. Obscura, zeigen durchaus mehr Fingerfertigkeit. Wer allerdings in diesem Genre zu Hause ist, kann bei dieser CD sicherlich nichts falsch machen.