divinoGenre: Post Metal
Label: Pelagic Records
Veröffentlichung: 8.2.2019
Bewertung: Klasse (8/10)

Bandcamp

Man kann nicht gerade behaupten, dass Brasilien bekannt ist für seine Post Metal Szene, dennoch besteht LABIRINTO bereits seit über zehn Jahren. Die neue Platte ist außerdem bereits die zehnte Veröffentlichung der Band, allerdings erst der dritte Longplayer. Der Rest sind EPs und Splits mit anderen Bands wie Thisquietarmy, was auch ihre tiefe Verwurzelung in der Underground-Szene belegt. Bis auf den ersten Track „Agnus Die“ ist das Album wie bisher auch ein rein instrumentales Album. Für diese Neuerung luden sich die Brasilianer Elaine Campos ein, eine Veteranin der lokalen Punk und Crust Szene. Trotz ihrer kraftvollen Krächz-Growls bleiben diese nur im Hintergrund, bieten aber eine nette Abwechslung. Musikalisch platziert sich der Song im gemächlichen Doom-Gefilde und bietet mehr als nur ein melodisches Riff, welche variationsreich entwickelt werden.

Der zweite Song „Penitência“ führt den ersten konsequent weiter, indem er den Rhythmus aufnimmt. Dieser wird dann durch ein marschierendes Zwischenspiel unterbrochen, das majestätisch, hinterlegt mit ein paar Synthies, zum neuen Gitarrenriff überleitet, wobei das Schlagzeug durch seinen treibenden Takt Spannung aufbaut. Die Rhythmusgitarren muten schwer-düster und doomig an.

Die Übergänge zwischen den Tracks sind fließend gestaltet, so dass der vorherige nahtlos in den dritten Song „Eleh Ha Devarim“ (hebräisch für „Das sind die Worte“ – die Anfangsworte der letzten Rede von Moses vor seinem Tod) mündet, der weitaus drängender und heavier ist, auch das Tempo nimmt etwas an Fahrt auf. Die Melodien passen sich gut in die basslastige Struktur des Tracks ein. Dass der Sound eher dumpf ist, ohne dröhnend zu sein, wird hier besonders deutlich.

„Demiurge“ („Der Schöpfer“ – was an die anderen biblischen Themen anschließt) führt das Midtempo und die tiefe Basslastigkeit weiter, mündet allerdings in eine fast hektisch-dynamische Passage, die eine Opposition zwischen Düsternis und klaren Harmonien zeigt, die konsequent wiederholt werden. Nach einem kurzen Zwischenspiel breitet sich der sechste Song aus, der auf ein unverzerrtes Zwischenspiel hinsteuert, das Zeit zum Verweilen und Durchschnaufen bietet, bevor ein weiteres Riff variiert wird. Der letzte Song „Divino Afflante Spiritu“ stellt den Titeltrack dar und bewegt sich in träumerischen Gefilden in gemächlichem Tempo, bevor es für das Finale Grande noch einmal das Tempo etwas aufnimmt.

Dass das Album nur auf einem Track Gesang bereithält, macht das Werk naturgemäß schlechter verdaulich als andere. Musikalisch dagegen findet das Sextett eine Ausgewogenheit zwischen repetitiven, schnörkellosen Riffs, die eine Eingängigkeit aufweisen, und genügend Variation, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Besonders gefällt mir allerdings, dass die Songs sehr ausgewogen komponiert sind, und sich nicht nur entweder in eine düstere Schwere ergeben, sondern auch in harmonischen Melodien schwelgen. Der Sound ist bewusst nicht allzu bombastisch angelegt, die Synthies sind wenig aufdringlich, oftmals kaum zu hören. Die Kaufempfehlung geht an Liebhaber von Pelican, Isis, oder Cult of Luna.