Desdemonia Anguish_Cover 140x140Genre: Melodic Death Thrash Metal
Label: Mighty Music
Veröffentlichung: 23.03.2018
Bewertung: Sehr gut (7/10)

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Es ist Zeit für ein bisschen DEAAATH MEETAAL! Aber genau genommen trägt die vierte LP der Luxemburger Metalheads die Beschreibung Death/ Melodic Death mit Thrash und Groove oder wie es auf ihrer Facebook-Seite zusätzlich heißt: „Balls To The Wall Metal“. Alles klar, was auch immer – bösen Blick aufgesetzt und los:

Der Kopf nickt bei „Reaper Of Souls“ direkt mit, anders geht es auch nicht mit den einsetzenden Blast Beats. In Kombination mit dem düsteren Riffing und den saftigen Growls wird hier direkt ein Schuh draus und der Schuh ist bereit Ärsche zu treten! Das Klangbild ist zwar insgesamt stimmig, allerdings werde ich mit dem Gitarren-Solo in der Bridge nicht richtig warm. Für sich betrachtet ergänzt die im Vordergrund stehende Leadgitarre schön den Sound, aber die Übergänge dahin und davon zum nächsten Refrain wirken mehr als rumpelig.

Auch der Titelsong stampft nach einer kurzen Intro direkt vorwärts, wobei die stampfenden Passagen schön durch schnelleres Gedresche ergänzt werden. Hier und da steht die Leadgitarre im Vordergrund mit einem wabernden Riffing, das man so beschreiben könnte: wäuw-wäuw-wäuw-wä… . Mein Gehirnfurz wird dann allerdings durch ein überraschend ruhiges Zwischenspiel ausgebremst, das durch Akustikgeklimper dominiert wird. Aber der Weg zurück zum Ausgangssound wird stimmig gestaltet. Nach der angeschlossenen Strophe darf sich dann die Gitarre noch mal in einem Solo austoben, wobei damit der Song für meinen Geschmack ein bisschen zu voll gepackt ist.

Mit Song Nummer 3, „Cross The Line“, geht es wütend und finster weiter. Der Marching Beat auf der Snare Drum im Intro und am Ende der Bridge trägt definitiv zu einer bedrohlichen Atmosphäre bei (auch wenn das echt keine große Sache ist, ich steh‘ drauf!). Die Vocals kriegen außerdem dadurch einen gewissen Punch-Effekt, da sie rhythmisch auf die Akzente der Instrumente abgestimmt sind. Groovy…

„Endless Fight“ schiebt die musikalische Gewaltlawine schnell und mit weniger Tempowechseln vorwärts, wobei hier die Vocals im Refrain breiter gegrowlt und mit einem Schnörkel versehen werden. Apropos Growls, habe ich schon erwähnt, dass die Lyrics in allen Songs trotz Growling verhältnismäßig gut zu verstehen sind? Nein? Die Lyrics sind in allen Songs trotz Growling verhältnismäßig gut zu verstehen und die ganze Ausführung wirkt sehr sauber. Außerdem variiert die Stimmhöhe passend und bringt das gewisse Extra mit. – Ein schöner, voluminöser Vocal Sound. Zurück zum Song: Vielleicht noch erwähnenswert, dass er im Riffing insgesamt thrashiger rüberkommt.

Weiter geht es bei „Revenge“ mit einer melodischen Intro, die dann wiederum im bekannten Sound mündet. Insgesamt wirkt der Song allerdings trotz der Tempowechsel ein bisschen träge, irgendwie fehlen Highlights oder Akzente. Das trifft übrigens auch auf den übernächsten Song „Deceiver“ zu.

„Abysmal“ dagegen bekommt wieder besser die Kurve und die aggressive Spannung im Sound ist wieder spürbar. Und das obwohl es auch hier wieder ein langsames, fast schon gediegenes Zwischenspiel gibt, das sich in einer sehr gitarrenlastigen Passage mit hohem, klaren Sound verläuft, bevor es zum Ausgangsmotiv zurück geht.

Auch der achte Track, „Out Of Sight“, geht wieder gut ab und lädt zum Headbangen ein. Außerdem kommt die Nummer thrashiger daher, verzichtet auf ein langwieriges Zwischenspiel und der Refrain bleibt im Kopf. Was will man mehr.

Mal sehen, ob der finale Song mit dem Titel „Weakness“ noch Aufklärung über die „Balls To The Wall Metal“ Beschreibung bringen kann. Der Track ist übrigens mit 6:22 Minuten der Längste auf der Platte. Der Einstieg ist melodisch und langsamer gestaltet, im Laufe der Spielzeit wechseln sich hartes Riffing und eher sanftere Gitarrenklänge ab, sodass immer wieder Wechsel in der Atmosphäre entstehen. Ich würde den Song tendenziell in die Kategorie Nervenkrieg einsortieren, denn auch der Refrain ist eher langsam und drückend. Und nein, „Balls To The Wall Metal“ erschließt sich mir immer noch nicht. Die Motivation, meine Klöten oder sonstige Bälle an irgendeine Wand zu tackern, kommt bestimmt nicht auf.

Alles in allem Macht das Album was her. Die Songs sind vielschichtig gestaltet, die Stilelemente der unterschiedlichen Genres sind geschickt kombiniert und es zieht sich ein klarer musikalischer roter Faden durch das Gesamtbild der Scheibe. Obwohl sich alle Songs eines ähnlichen Schemas bedienen, kommt nur zweimal Langeweile auf und die wird dann auch noch von den nachfolgenden Songs vermöbelt. Hier und da könnte man vielleicht noch motzen, kann man aber auch lassen. „Anguish“ ist auf alle Fälle eine solide Geschichte!