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Draußen die ersten warmen Sonnenstunden des Jahres, drinnen Ska, Reggae und Punk Sound, ausgelassene Stimmung und faire Bierpreise – das passt doch wie die Ananas auf die Bühne! Im B58 in Braunschweig sind heute Abend THE TIPS, SIDEWALK SURFERS und BOXING FOX am Start, um Frühlingsgefühle zu wecken!

BOXING FOX haben sich nach sehr langer Zeit (sagten sie 8 Jahre? Acht?!) mal wieder ins B58 verirrt. Das Publikum hat jetzt schon eine solide Größe, was wohl zeigt, dass der Besuch der Band auch echt überfällig gewesen ist. Gänseblümchen pflücken ist hier definitiv nicht angesagt: Mit Trompete, Posaune und den üblichen Instrumenten treibt der Ska Punk einfach von Beginn an nach vorne, dass man ganz automatisch mit dem Körper in mehr oder weniger rhythmische Bewegungen kommt. Mit geilem whop-whop Riffing, sauberem Sound und der Ausstrahlung der Band, dass sie richtig Bock haben, dauert es auch nicht lange, bis es einen Dance-Pit vor der Bühne gibt. Für einen kurzen Verwirrungsmoment sorgt dann ein Dude, der aus der Crowd auf die Bühne kommt, förmlich allen Bandmitgliedern die Hand gibt, die Gitarre des Sängers übernimmt – und richtig hart abrockt! Mit zwei virtuosen Soli glänzt er noch mal richtig und genießt es offensichtlich mit der Gitarre auf der Bühne zu stehen, bevor er sich wieder bescheiden in den Zuschauerraum verabschiedet. [Später habe ich erfahren, dass er der Gitarrist der mittlerweile aufgelösten Braunschweiger Ska-Band LOU DOG ist.] Ausgelassen geht es weiter, die Mitmach-Parts werden brav von der Crowd gesungen und getanzt. Der Jubel zeigt an, dass der Backofen definitiv auf 220°C vorgeheizt ist!

Mit dem Mittelteile habe ich es irgendwie nicht so richtig. Während ich mich vor der Tür verquatsche und mich wundere, dass die Umbaupause aber ganz schön lang ist, muss ich später an Hand der Schweißperlen auf der Stirn des einen oder der anderen feststellen, dass es wohl eine verdammt kurze Umbaupause gewesen ist und ich den kompletten Auftritt der Skatepunk Truppe SIDEWALK SURFERS verpasst habe. Verdammt.

Während hier und da wohl noch von Strand und Schokokeksen geträumt wird, stehen THE TIPS aus Düsseldorf so langsam in den Startlöchern: Los geht’s mit dem Opener Track der „Trippin’“ Platte von 2013. „Fences And Barricades“ ist nicht nur inhaltlich immer noch höchst aktuell, sondern trifft mit dem schnellen Ska Sound auch direkt den Nerv des Publikums! Und genauso sieht es mit der rockigeren Nummer „Parade“ aus. Lässig geht es weiter, wobei dann mit „Go“ weichere Töne angeschlagen werden. Gedrückte Stimmung scheint aber nicht so das Ding des Trios zu sein, bei „Back In The Days“ wird dafür sofort klar, dass an diesem Abend die Party im Vordergrund steht: Mit in etwa der Aussage „Ihr singt für mich, ich trinke“ zückt Basser Faf sein Bier aus der Halterung des Mikrophonständers und bringt die Crowd direkt zum Mitsingen – oder eher Gröhlen. Den Gefallen kann man ja quasi nicht abschlagen! Und dass sich die Jungs nicht allzu ernst nehmen, stellen sie noch mal unter Beweis, als Drummer Janosch und Faf lässig die Instrumente tauschen und Janosch mit einem Fake-Bart auftaucht, um den Bassisten besser darzustellen. Band und Publikum scheinen von der ausgelassenen Stimmung gleichermaßen beflügelt.

Flügel und Stimmung – gute Stichworte! Die musikalischen Stimmungswechsel zwischen härteren Passagen und Reggae-Sound in „Birds In The Trees“ (und auch in den anderen Songs) kommen astrein und für mein Gefühl sogar noch authentischer als auf Platte rüber, die Licht-Show gibt noch das gewisse Extra und der Bogen zu „City Lights“ im Anschluss wird schön aufgebaut. Auch „My Days“ trifft mit genau der richtigen Mischung aus energischem Rock und Groove ins Schwarze. Mit „Do It Right“ wird es überaus tanzbar und funky, weshalb wohl auch Basser Faf in den Publikumsraum steigt, um noch ein bisschen härter zur Bewegung zu motivieren. Bei den Gymnastik-Moves hört dann der Spaß aber auch auf, ja?! Und so wird sich dann passenderweise mit dem Titeltrack der aktuellen EP „Come Closer“ erstmalig von der Bühne verabschiedet.

An das Ende denkt aber noch niemand, gefühlt springt Janosch nach weniger als 2 ½ Sekunden mit einem einzigen Satz direkt vom Rand der Bühne hinter das Schlagzeug. Bei der durch „Wait & Buy“ fabrizierten guten Stimmung entern nun auch immer wieder Fans die Bühne, um über die Crowd zu surfen. THE TIPS sind natürlich auf Surf-Stimmung vorbereitet und haben extra ein Crowd-Surf-Brett mit riesigem Ananas-Aufdruck im Gepäck. Das ist übrigens auch deshalb überaus praktisch, da so die verschwitzten Surfenden ihren Schweiß für sich behalten können. Bei der Gelegenheit verirrt sich auch noch ein Fan auf die Bühne, der auch während der letzten zwei Songs „Leaving Home“ und „My Girlfriends Mother“ nicht mehr runterkommen will. Das treibt noch mal zusätzlich die Heiterkeit im Publikum hoch, während die letzten Tanz-Moves zu den beiden Liedern und die tropischen Temperaturen den Schweiß von den Stirnen herunter treibt. Upside Down mit Janosch im Publikum und dem Fan auf der Bühne beenden sie dann auch das Konzert. Geile Show!

Ich beiße mir ein bisschen in den Arsch, dass ich sie davor das letzte mal 2016 gesehen habe, denn man sollte sie nicht verpassen, wenn sie auf Tour sind. THE TIPS sind einfach eine absolute Live-Band – 100 Prozent souverän und mit Freude bei der Sache, authentisch und facettenreich, sind sich für keinen Scheiß zu schade und absolute Party-Tiere. Was will man mehr?