cover wounds king apathyGenre: Post Metal
Label: Lifeforce Records
Veröffentlichung: 22.2.2019
Bewertung:Klasse (8/10)

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Nach zehn Jahren unter dem Namen THRÄNENKIND benannten sich die Südbayern um und wählten dafür den Titel ihres zweiten Albums „King Apathy“. Dieser Schritt erwuchs aus dem Verlangen nach einem Statement, das ihre gesamte Einstellung und auch den Inhalt ihrer neuen Platte wiedergeben soll – in einer Welt voller Umweltzerstörung werden die Menschen von einem „König“ regiert, der Apathie, also Handlungsverweigerung oder – unfähigkeit verbreitet und propagiert und so die Welt in den endgültigen Verfall treibt. Diese Gleichgültigkeit und der Egoismus kennzeichnen ja offensichtlich die moderne Gesellschaft. Die Veganer und Antikapitalisten von KING APATHY kommen zum selben Schluss wie schon der französische Staatsphilosoph Rousseau, der die Gesellschaft der Neuzeit als einen Rückschritt betrachtete.

Musikalisch bedienen sich die strengen Werteverfechter aus verschiedenen Genres, so dass sich die Songs zwischen nachdenklich-ruhigen Parts mit doomigen Akustikinstrumenten, aber auch wütenden Post Metal Passagen bewegen. „Cleansing“ z.B. bietet zunächst einen ruhigen Einstieg, bevor das blastbeat-ähnliche Geschruppe übernimmt, das von melodiösen Gitarren überlagert ist. So dominiert trotz allem eine gewisse Harmonie in der Songstruktur. Der Gesang folgt der modernen deutschen Black und Post-Manier. Was die Band definitiv von der Black Schiene trennt, ist die fehlende Monotonie und Repetition in den Songstrukturen, hier herrscht wesentlich mehr Abwechslung und Komplexität. „Great Depression“ und „Revelation Time“ erinnern rhythmisch durchaus an den Core-Bereich, wenngleich das Tempo meist sehr verhalten ist und so schon in den Doom schnuppert. Durch die Zwischenparts, die das Thema jeden Songs noch einmal variieren, baut sich die Spannung der Tracks immer wieder neu auf. Dies macht das Ganze aber natürlich nicht zum Easy Listening, denn eine gewisse Konzentration auf die Musik bedarf es hier sehr wohl, wenn man den roten Faden nicht verlieren will.  „He missed the stars“ überrascht zu Anfang mit einem punkig-crustigen Rhythmus, der weniger schwermütig ist. Dies mündet allerdings schnell wieder in gewohntere Strukturen mit traurigen Melodien der Leadgitarre, die über der Doublebass jault.

Der Sound ist ausgewogen und passt sich den verschiedenen Passagen an. In den ruhigeren erscheint er klar und schneidend-scharf, dem gegenüber stehen die Baller-Parts, die einen raueren und indifferenten Klang erzeugen.

Insgesamt punktet die Platte mit relevanten und modernen Thematiken, die in eine sehr melancholisch-düstere Atmosphäre gepackt wurden. Der Zuhörer taucht schnell in die klagenden Melodien ein, die das Thema in Depression und Marter hüllen. Der Gesang steuert die nötige Härte bei, bietet aber keine Variation – den Background Chor auf „Reverence“ mal nicht mitgezählt. An einigen Stellen könnte man sich eventuell ein bisschen mehr Gaspedal wünschen, das Gefühl der Wut passt ja eigentlich auch ganz gut zum Thema und würde mich persönlich nicht ganz so runterziehen. Hier ist den Bayern ein sehr erwachsenes und relevantes Album gelungen.

Ein Kommentar zu „KING APATHY – Wounds (Review)

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