ThroughTheCanopy Front coverGenre: Doom Metal/Progressive Rock
Label: Sidehorn Records/All Good Clean Records
Veröffentlichung: 15.01.19
Bewertung : 8/10 (Klasse)

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Die Faszination um die entschleunigte Gangart des Metal ist nach wie vor ungebrochen. Davon zeugen die 2016 frisch aus der Taufe gehobenen THROUGH THE CANOPY. Kennengelernt hat sich das Trio stilecht nach einem Pentagram-Konzert in Trondheim, Norwegen. Die ersten musikalischen Gehversuche liegen nun in der EP „Descension“ vor, welche mit nur zwei Songs, allerdings mit einer Lauflänge von beinahe 23 Minuten, auf ambitioniertes Herangehen schließen lässt. In Eigenregie aufgenommen und gemixt und gemastert von niemand geringerem als Sean Magee (Iron Maiden, Rush, The Beatles, The Rolling Stones) in den Abbey Road Studios. Allein dieser Fakt lässt Großes hoffen, denn wenn ein Altmeister derartigem Formats, eine noch so unbekannte Band veredelt setzt dies ein gewisses Maß an Qualität voraus.

Mit einer zarten Cleangitarre und Moog-Orgeluntermalung beginnt „Seven Days“. Der Bass setzt interessante Akzente und langsam und allmählich baut sich das Konstrukt auf. Mit einem dicken Knall entlädt sich dann auch die erste psychedelische Riffkaskade und wirft einen direkt ins Geschehen. Treibende Drums treffen auf schiebende Saitenfragmente und verdichten sich zusammen mit dem (zugegeben etwas gewöhnungsbedürftigen) Gesang zu einer Einheit, bei der einfach unmittelbar das Bein wackelt und der Kopf rhythmisch schwankt. Insgesamt wird den Vocals aber eher weniger Platz eingeräumt, sodass der instrumentale Faktor besser zur Geltung kommt. Im melodischen Solopart hagelt es im Hintergrund zusätzlich einen Schellenkranz (davon bedarf es in jedem Genre einfach mehr!) bevor der Song geschmackvoll zurück in die aggressivere Richtung gelenkt wird. Den Schlußpunkt in diesem, trotz der Spielzeit von über zehn Minuten kurzweiligen, Monster setzt ein lang gezogenes Feedback, welches sich in statischem Rauschen verliert. Durch die glasklare Produktion bleibt dem Hörer keines der Details verborgen. THROUGH THE CANOPY verstehen wie man Strukturen spannend gestaltet und so einen guten Hörfluss erschafft. Irgendwie werde ich allerdings den Eindruck nicht los, dass ich von den „Truckfighters“ bereits Vergleichbares gehört habe. Sei’s drum! Der erste Streich hat richtig Laune gemacht.

Wieder mit einer cleanen Gitarre beginnt „Illusions Lost“. Die Rhythmusfraktion aus Drums und Bass mauert ein stoisches Fundament auf dem sich verspielte Leads ausbreiten. Ein wenig arabischer Flair macht sich breit und zum Glück, noch ehe ich mein Bauchtuch erreicht habe, schwenkt die Band radikal um und schleudert einen in einen Uptempo-Part der mächtig Dampf im Kessel hat. Der anschließende Refrain macht richtig weit auf und man beginnt innerhalb der Emotionen zu versinken, die hier gestreut werden. Besonders das Bassfill mit Wah-Wah-Effekt lässt aufhorchen und macht die Lauscher für das coole Solo bereit. Man merkt, dass die Musiker sich auf Konzerten sicherlich sehr viel Platz für spontane Jams freihalten und diese auch zu beherrschen scheinen. Vom Umsetzungsfaktor kann man den drei Herren aus dem hohen Norden somit absolut nichts vorwerfen.

Unter’m Strich bleiben zwei Wehmutstropfen. Erstens: Das Geheimnis der großen Melodien scheint noch etwas ungelüftet zu sein, wobei man mit gerade einmal drei Jahren Bandbestehen und zwei Songs im Köcher da doch sehr gnädig sein darf. Zweitens: Schade, dass es „nur“ zwei Songs sind. Die EP macht definitiv Lust auf mehr und THROUGH THE CANOPY sollte man in Zukunft etwas im Auge behalten.