press_cover_01Genre: Doom Metal
Label: Century Media
Veröffentlichung: 25.01.19
Bewertung: Heavy (10/10)

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Mit „Songs from the North“ haben die Finnen ein monumentales Werk abgeliefert, mit welchem sie sich ein eigenes Denkmal gesetzt haben, obwohl das wahrscheinlich nicht die Intention war. Nach dem hochgelobten Album wurde es lange Zeit still um die Band. Wie viele wissen, hat Juha Raivio, der kreative Kopf der Band, ein paar Monate später seine Lebensgefährtin Aleah verloren, was ein einschneidenes Erlebnis für ihn gewesen ist. Während seiner Trauer erschienen die Debütalben von Trees of Eternity und Hallatar, beide wesentlich von Aleah geprägt. Dass auch das neue SWALLOW THE SUN Album von all dem erzählen würde, war von Anfang an klar.

Zunächst erschien Ende 2018 die Single „Lumina Aurea“, welche als eine Art Vorläufer für das Album dienen sollte, doch letztendlich nahm sie einen eigenständigen Platz ein, da es sich hier um Ambient handelt und genre-technisch erstmal wenig mit der Musik der Band zu tun hat. Wenn man jedoch genau hinschaut, erkennt man eine sehr reiche, persönliche Symbolik sowohl in der Musik als auch im dazugehörigen Video, welche Juhas emotionale Situation eins zu eins wiedergeben. Wer nun aber befürchtete, „When a Shadow Is Forced into the Light“ würde genauso klingen, kann beruhigt sein: Das neue Album repräsentiert exakt das, wofür man SWALLOW THE SUN liebt.

Das Album beginnt mit dem Titeltrack und schon der sticht heraus, denn dieser gestaltet sich zunächst eher verhalten und konzentriert sich auf die akustischen Elemente, während die schweren Drums in den Hintergrund rücken. Doch der Song schafft es perfekt den Kampf zwischen Licht und Dunkel wiederzugeben, wie es im Titel beschrieben wird. Vor allem Mikkos Gesang trägt dazu bei. Gegen Ende wird das Lied aber düsterer und kraftvoller, sodass damit die Reise ins dunkle Reich eingeläutet wird. Von den ersten Tönen an merkt man, wie persönlich und emotional aufgeladen dieses Album ist.
Gleich an zweiter Stelle folgt einer der stärksten, wenn nicht gar der stärkste Song des Albums. Der einsame Ruf eines Kranichs eröffnet „The Crimson Crown“. Dieser fragile Klang passt perfekt in die Komposition und zieht dem Hörer erst einmal den Boden unter den Füßen weg, woraufhin sogleich eine Welle aus vertonter Melancholie über einen hinwegrollt. Ein intensiveres Hörerlebnis kam selten vor.
Mit „Firelights“ und „Upon The Water“ folgen die bereits veröffentlichten Songs, welche auch bisher sehr gut von den Fans aufgenommen worden sind. Gerade letzterer fängt den klassischen SWALLOW THE SUN Sound ein, dieses Stück hätte auch gut auf „New Moon“ zu finden sein können.
Noch mehr wehklagende Gitarrenklänge findet man in „Stone Wings“, welche noch durch Streicher zusätzlich verstärkt werden, die im letzten Drittel zu hören sind. Auch hier hört man eine kraftvolle Komposition voller Düsternis und Schwermut. In „Clouds On Your Side“ erwartet den Hörer eine weitere bittersüße Erfahrung. Eine weibliche Stimme rezitiert eines von Aleahs Gedichten, welches ins Französische übersetzt wurde. Eine weitere wunderschöne, direkte Hommage an Aleah.

Die Finnen sind einfach Meister in ihrem Fach. Diese besondere Mischung aus melodischen Gitarrenpassagen gepaart mit diversen Tempowechsel und absolut dunklem Doom Metal macht diese Band so einzigartig. Dadurch wird eine einmalige Atmosphäre geschaffen, in der man sich über alle Maße verlieren, die aber auch gleichzeitig kathartisch wirken kann. Insbesondere Mikko trägt mit seinem vielfältigen Gesang dazu bei. Er beherrscht die verschiedenen Gesangsstile nicht nur hervorragend, er schafft es auch, genau die richtigen Emotionen zu entfachen, was großes Einfühlsvermörgen beweist.
„When a Shadow Is Forced into the Light“ ist in jeder Hinsicht herausragend. Doch sein größter Wert liegt ohne Zweifel im Zusammenspiel zwischen Musik und den wunderschönen Lyrics. Gerade die Fans, die Anteil an Aleahs und Juhas Schicksal nahmen, werden dieses Album lieben, und das nicht nur, weil so viel persönliche Symbolik darin versteckt ist. Ein weiteres Meisterwerk aus dem Hause SWALLOW THE SUN.