Legacy Of Kings 20-Years Ann.Ed. CoverGenre: Power Metal
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 07.12.2018
Berwertung: Klasse (8/10)

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Vor 20 Jahren war ich gerade mal fünf Jahre alt und hatte bestimmt einen mehr als ekelerregenden Musikgeschmack. HAMMERFALL dagegen hatten die mit Klassikern gespickte Platte „Legacy Of Kings“ veröffentlicht. Um dieses Jubiläum gebührend zu feiern, ist das Album noch mal neu aufgerollt worden. Grund genug, sich eine Palette Dosenbier ranzuholen, die Lautstärke voll aufzudrehen und die Luftgitarre zu stimmen!

Von der damaligen Besetzung sind nur Gitarrist und Gründungsmitglied Oscar Dronjak und Sänger Joacim Cans übrig geblieben, im Sound hat sich aber bei dem Re-Release nicht so viel getan und natürlich folgt die Tracklist der neuen Edition auch erst mal der Songabfolge des Originals von ’98.
Also los geht es mit der schnellen Battle-Hymne „Heeding The Call“: Nach wie vor einer meiner Lieblingssongs! Und auch der direkt folgende Titeltrack ist unlösbar an das musikalische Bild der Band geknüpft. Nummer 3, „Let The Hammer Fall“, fällt wohl ebenso in die Kategorie Klassiker und Standard-Repertoire bei Konzerten. Darauf folgen zwei Songs, die ich bis jetzt nicht so stark auf der Schippe hatte, nämlich „Dreamland“, der schon eine Nummer schmachtender daherkommt, und die Ballade „Remember Yesterday“. „At The End Of The Rainbow“ (der eigentlich von Musikern der befreundeten Band STORMWITCH geschrieben und HAMMERFALL überlassen worden ist) bewegt sich zwar auch im langsameren Tempo, gehört aber definitiv ebenfalls zu den zeitlosen Tracks der Band. Mit dem Cover „Back To Back“ von PRETTY MAIDEN geht es wieder richtig rund; ein Wort zu dem Song und der Interpretation: geil! Und es folgt darauf direkt noch eine schmetternde Mitgröhl-Hymne mit Off-Beat-Antrieb, nämlich „Stronger Than All“. Im Anschluss gibt es „Warriors Of Faith“, der neben den großen Songs des Albums zu Unrecht etwas untergeht, bevor die Ballade „The Fallen One“ das Album von ’98 beendet…

Aber natürlich nicht die Special Edition! Hier geht es erst mal mit drei Coverversionen von Klassikern weiter: nämlich „Eternal Dark“ von PICTURE, „I Want Out“ von HELLOWEEN und „Man Of The Silver Mountain“ von RAINBOW. Alle Cover tragen soundtechnisch den deutlichen HAMMERFALL-Stempel. Damit konkurrieren sie weniger mit den Originalen, als dass sie eine freistehende Interpretation darstellten (wer will auch schon zu Ronny James Dio in Konkurrenz treten) und meiner Meinung nach sind alle drei, vor allem aber „Eternal Dark“, sehr gelungen!

Weiter geht es in der Jubiläumsedition mit einigen Live-Aufnahmen. Zu Beginn gibt es ein ziemlich cooles Medley aus dem Jahr 2018 der „Legacy Of Kings“-Songs, das überwiegend instrumental ist. Bei „At The End Of The Rainbow“ im letzten Drittel setzt Joacim Cans mit ein, allerdings klingt er schon leicht erschöpft, sodass die Power-Kurve damit leicht nach unten geht. Es folgen fünf weitere Live-Aufnahmen, nämlich – Überraschung – „Heeding The Call“, „Let The Hammer Fall“, „Legacy Of Kings“, „At The End Of The Rainbow“ und „Stronger Than All“. Der Sound ist bei allen Songs absolut on point. Außerdem wird hier und da das Riffing mal ein bisschen frisiert. Auffälliger ist es aber, dass der Gesang an vielen Stellen der Live-Aufnahmen nicht wie auf der Studioversion in die Höhen klettert und durch Verschnörkelung einzelner Worte rhythmisch abweicht. „Let The Hammer Fall“ braucht dann noch mehr als eine Minute zum Durchstarten, weil noch zu hören ist, wie Joacim Cans mit dem Publikum den Mitmach-Part übt. Dafür bringt diese Aufnahme besonders stark das Knistern in der Luft rüber, das wohl die meisten HF Fans während der Konzerte spüren können.

Und die Zusammenstellung des Albums bietet noch eine Besonderheit: Zum Abschluss gibt es noch die Demo-Aufnahmen einiger Songs. Der Sound ist eher dumpf, die Drums scheppern und schnarren härter und das Ganze bringt eine dezente Garagenkonzert-Atmosphäre mit. Während die Gitarren außerdem dafür ziemlich sauber klingen, geht der Gesang fast vollständig unter. Ich habe diese Aufnahmen auf jeden Fall so noch nie gehört und finde es auch mal ganz lustig, HF mal in schrammelig auf die Ohren zu bekommen und gleichzeitig sehr sympathisch, dass die Band die weniger perfekten Aufnahmen veröffentlicht!

„Legacy Of Kings“ ist einfach ein richtig geiles Album, dass es meiner Meinung nach mehr als verdient hat nach 20 Jahren noch mal neu gefeiert zu werden. Man könnte als notorischer Nörgler (der HF nicht prinzipiell kacke findet, sonst gibt es natürlich viel zu meckern) an dieser Edition vielleicht darüber meckern, dass die beigefügten Cover-Songs auch schon 2008 auf „Masterpieces“ erschienen sind, aber hey, immerhin ist das auch ein Jubiläum. Vielleicht lässt sich auch noch über die Songauswahl der Live- und Demo-Aufnahmen meckern, weil fast ausschließlich die Klassiker wieder und wieder vorkommen. Aber es sind auch einfach verdammt gute Lieder.  Meiner Meinung nach ist diese Special Edition einfach eine echt vollgepackte, für den einen oder die andere vielleicht zur Nostalgie anregende Zusammenstellung, die es in sich hat!