deserted-fear-drowned-by-humanity-198309Genre: Death Metal
Label: Century Media
Veröffentlichung: 08.02.2019
Bewertung: Gut (6/10)

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DESERTED FEAR ist wohl so eine Band, die jeder vom Namen her kennt, aber keiner so richtig hört. Sowas wie die Modern Talking des deutschen Death Metal. Das ist übrigens als Kompliment gemeint, ich finde Modern Talking super! Bis dato habe ich mich mit der Band nie richtig beschäftigt, was ich nach „Drowned By Humanity“ jedoch ein wenig bereue.
Die Platte fängt mit einem sehr atmosphärisch gehaltenen Intro an, das für eine Death Metal Band eher ungewöhnlich ist und ein wenig irritiert. Das „Intro“ ist ein wenig der Teenage-Boy, der mit Kassettenrecorder vor dem Fenster seiner Angebeteten steht, um sie herauszulocken. Beim nächsten Song „All Will Fall“ könnte man dann meinen, dass er seine Keule rausholt und ihr eine runterhaut. Erst Kuscheln, dann prügeln. „All Will Fall“ ist ein super Song zum reinkommen. Anfangs noch sehr straight, wird hier und da mit einigen Thrash-Passagen und melodischen Riffs experimentiert, die schon beinahe ein wenig episch anmuten.
Weiter geht es mit „Reflect The Storm“, der sogar mit einer Art Death Metal Breakdown aufwarten kann. Auch hier sind sehr präsente und prägnante Riffs vertreten, die man so bei einer Death Band gar nicht erwartet hätte. Ebenso wenig hätte man das kurze instrumentale Intermezzo „Across The Open Sea“ in der Mitte der Platte erwartet. Will der Teenage-Boy hier etwa kurz verschnaufen, bevor er wieder seine Keule rausholt?

Die Antwort liefert  mit „Welcome To Reality“ der nächste Song. Hier ist endlich mal richtiges Geknüppel angesagt, ohne derart viel anspruchsvolles Riffing. Hier setzt die Band eher auf simple Riffs und eingängige Passagen, die dem Hörer ins Ohr gehen und hängen bleiben. Hier und da sind nochmal kleine Soli eingebaut, die ein wenig an Kalmah erinnern, aber das Ganze passt super in die Songstruktur.
Wirklich herausstechend ist der Song „Sins From The Past“. Hier ist gleich von Beginn an Vollgas angesagt. Hier möchte man am liebsten sofort anfangen zu headbangen, der Song hat richtig Profil und macht Spaß. Am besten kommt dann noch das kurze Gitarrensolo daher, dass kurz das Tempo rausnimmt und dem Song einen sehr epischen Charakter gibt.

Alles in allem kann man DESERTED FEAR jetzt nicht die beste Scheibe des Jahrhunderts attestieren, denn das ist sie einfach nicht. Mit „Welcome To Reality“ und „Sins From The Past“ sind zwar zwei echte Knaller dabei, allerdings reichen zwei gute Songs kaum aus, um ein wirklich geniales Album auszumachen. Super, um die Nachbarn in den Wahnsinn zu treiben und um den Kopf frei zu bekommen, aber wirklich überragend ist das Album leider nicht. Eher was für Zwischendurch. Solide, aber eben einfach nicht richtig gut. Vielleicht hier und da mal weniger experimentieren und weniger gekünstelt wirkende Riffs nutzen, dann klappt das schon!