SM_694_C_KDS_1500x1500Genre: NDH
Label: AFM / Soulfood
Veröffentlichung: 22.03.2019
Bewertung: Gut (6/10)

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Um hier mal gleich eins ganz zu Beginn klarzustellen: Ich bin alles andere als ein Fan des NDH-Genres. Genregrößen wie RAMMSTEIN oder Vorreiter wie OOPMH! waren schon häufig Opfer meines Spotts und irgendwie haben sich da auch STAHLMANN immer eingereiht. Irgendwann hab ich die Band dann jedoch mal (im Suff) live gesehen und wurde positiv überrascht, habe mich jedoch auf Platte nie mit der Band auseinandergesetzt. Doch genau das wollen wir hier und jetzt mal ändern.

Los geht die Scheibe direkt mit „Vom Himmel verloren“ – was ein geiler Einstieg. Ein paar Sekunden Industrial Intro und dann gleich in NDH-Manier auf die Fresse. Im Refrain gibt es dann auch ein paar schicke Mitsing-Passagen, sodass man selbst beim ersten Hören richtig in Ekstase verfällt. Weiter geht es mit dem Song  „Wahrheit oder Pflicht“, der richtig schöne Groove-Einschläge aufweisen kann. Auch hier wurde beim Komponieren ordentlich Wert auf Livetauglichkeit gelegt. Auf Platte ist er, zugegegeben, etwas lahm. Relativ stumpf und vorhersehbar, allerdings gleichzeitig, oder auch gerade dadurch, sehr eingängig. Definitiv ein Song, auf den ich mich schon jetzt freue live erleben zu können.

Weiter geht es mit Songs wie „Die Besten“, „Kinder der Sehnsucht“ oder „Hörst Du wie mein Herz schlägt“. Alle für sich sehr gute Songs, die ins Ohr gehen und Lust auf mehr machen, doch leider fehlt hier jedes Mal der letzte Funke. Insbesondere „Die Besten“, eine Hommage an wirklich gute Freunde, geht sofort ins Ohr, leider jedoch eher wegen der Stupidität. „Whoooohoooo“ als Einstieg ist alt bewährt und ein Garant zum Mitsingen, aber hier hätte man sicherlich auch mit einem richtigen „In die Fresse Faktor“  starten können und müsste so keine 08-15 Lyrics verwenden. Ebenso „Kinder der Sehnsucht“ hat sehr geile Momente, zu denen man gut moshen kann, doch auch hier ist diese „Wooohooohoooohohohoho – Stupidität“ zu finden. Jungs, ihr seid keine Weihnachtsmänner, lasst den „Ho ho ho“ Scheiß!

Einen wirklichen Ausreißer findet man bei „Wenn Du gehst (feat. Blue may Rose)“. Anfangs wirklich schwierig mit dem Song warm zu werden, doch STAHLMANN haben sich hier wirklich etwas getraut und ich finde gerade das Duett zwischen Liz und Mart macht ordentlich was her. Eine Art NDH/EDM-Ballade im Duett. Das ist Kunst, das kann bleiben! Anyway, wäre das Album jetzt vorbei, wäre es noch richtig geil geworden, leider kommt dann aber noch ein sehr EDM-lastiger AMIworx Remix von „Die Besten“. Mir jetzt scheiß egal, ob das Kunst ist oder nicht, aber meiner Meinung nach kann das Weg.

Schwierig hier jetzt ein Fazit zu ziehen. Wer kein Problem mit vielen stupiden Parts hat, der kann entweder STAHLMANN oder Radio hören, wobei das Radio wenigstens noch Bruno Mars hat. Wer richtig eigenständige und komplexe Songstrukturen möchte, ist bei „Kinder der Sehnsucht“ definitiv falsch und dennoch, hat es einfach was. Dieses gewisse nicht greifbare etwas, dass uns alle irgendwo, auch wenn wir es nie zugeben würden, fasziniert. Klar, hier und da ist alles wirklich etwas gekünstelt und abgedroschen doch es ist ein wenig wie ein brutaler Autounfall:  Richtig übel & brutal, doch gleichzeitig schwappt eine gewisse Melancholie mit und man kann seine Augen aufgrund der Faszination, obgleich gut oder schlecht, einfach nicht davon abwenden.
Also: Live ist die Band, wie schon oft erwähnt, wirklich geil. Auf Platte nicht wirklich schlecht, aber bei Weitem nicht so gut wie live.