41Ufw2yBugL._AC_US218_Genre: Alternative Metal 
Label: Vertigo Berlin
Veröffentlichung: 01.02.19
Bewertung: Klasse (8/10)

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Es war recht still um die Niederländer in den letzten fünf Jahren. Zunächst schien es überhaupt keine Neuigkeiten zu geben, dann veröffentlichte Sängerin Sharon ihr Solo-Debüt. Die Frage, ob Within Temptation noch ans Musikmachen denken, wurde immer öfter formuliert. Doch mit der Tourankündigung für den Herbst 2018 kam auch gleich die Bestätigung, dass die Band an einem neuen Album arbeite und alle Fans konnten aufatmen. Nachdem dann die ersten Songs „The Reckoning“ und „Raise Your Banner“ veröffentlicht waren, musste das Erscheinungsdatum des neuen Albums nach hinten verschoben werden, was erneut für Unmut sorgte.
Doch nun ist es endlich da und das Warten hat sich gelohnt, und das obwohl bereits vier Songs veröffentlicht waren, andere ihre Konzerttaufe schon hatten und deswegen im Netz kursierten.

Von Anfang an machten die veröffentlichten futuristisch anmutenden Bilder klar: Die Band hat erneut einen Weg in Richtung Moderne eingeschlagen. Schon auf dem Vorgänger „Hydra“ hat man mit genrefremden Einflüssen experimentiert, doch die Band sagte im Nachhinein, dass sie noch nicht wirklich mit dem Sound zufrieden waren.
Dieses Mal wurden auffällig viele Elemente aus dem elektronischen/populären Bereich verbaut, wie zwar zuvor auch, doch dieses Mal ist die Richtung deutlicher erkennbar und stringenter verfolgt worden.

Mit „The Reckoning“ gibt es am Anfang gleich einen richtigen Kracher und den ersten der drei Gastauftritte auf „Resist“. Fanfaren, mächtige Gitarren,… herrlich. Außerdem ist hier Jacoby Shaddix (Papa Roach) als Gastsänger zu hören. Auch wenn hier schon ein paar neue Klänge eingebaut sind, werden diese erst so richtig offensichtlich beim zweiten Lied „Endless War“.
Während der Strophen bekommt man zunächst elektronische Beats zu hören, bevor man dann im Refrain wieder die großen Geschütze auffährt. Mit „Raise Your Banner“ folgt sogleich einer der bereits beliebten Songs, auf dem Anders Fridén von In Flames zu hören ist. Nur schade, dass man ihn nur eine Zeile hat shouten lassen. Das Lied hätte durchaus mehr harsche Vocals vertragen können.

Von besonderem Interesse sind natürlich die Songs, die bisher nicht offiziell veröffentlicht worden sind, wie z.B. „Holy Ground“. Das ist eine ziemliche Gute-Laune-Nummer, mit flottem Tempo und modernen Hit-Strukturen, die auf Metal gebürstet worden sind. Sticht auf jeden Fall hervor.
„Mad World“ hat wohl den größten Ohrwurmfaktor von allen Liedern, obwohl das sogar schwierig ist, denn eigentlich hat jedes Lied ein verdammt großes Ohrwurmpotential. Auch hier lädt der Song zum Abgehen ein.
Mit „Trophy Hunter“ liefern WITHIN TEMPTATION den wuchtigsten Song ab. Die Gitarren erinnern zunächst stark an die Soundwände von Rammstein, doch in den Strophen wird ein wenig gedrosselt, um im Refrain wieder richtig auf den Putz zu hauen.
„In Vain“, „Mercy Mirror“ und „Firelight“ gehören zu der ruhigeren Fraktion des Albums. Gerade letzterer kann wohl als (die einzige) eigentliche Ballade durchgehen. Dieser Song wurde ursprünglich für das Soloalbum von Sharon geschrieben, doch er wurde als zu düster eingestuft, weswegen er auf „Resist“ gelandet ist. Die Indie-Nummer stellt einen interessanten Kontrast zu den übrigen Songs dar, und doch ist „Firelight“ keinesfalls fehl am Platz. Außerdem ist hier der dritte Gastauftritt zu finden. Die Stimmen von Sharon und Jasper Steverlinck harmonieren sehr gut miteinander.

„Resist“ ist ein kurzweiliges und energiegeladenes Album. Die modernen Elemente aus dem Pop-Bereich werden nicht allen Fans schmecken, trotzdem klingt es nach WITHIN TEMPTATION, nur eben nach einer Erfrischungskur. Auch an Heaviness hat die Band nichts verloren, obwohl die symphonischen Elemente nicht mehr so stark zum Einsatz kommen wie früher. Die auffälligsten Schwächen lassen sich am ehesten in den Lyrics verorten, da manchmal doch gerne zu generischen Phrasen gegriffen wird und diese entsprechend ausgelutscht klingen. Doch das Gesamtbild stören sie bisweilen eher kaum. Ein paar Lieder sind durchaus persönlicher Natur, die machen das dann wieder wett.
Alles in allem liefern WITHIN TEMPTATION mal wieder ein klasse Album ab.