StS Tour

Es ist ein lauwarmer, sonniger Sonntag und in einer Seitenstraße der Reeperbahn finden sich Fans der langsamen und düsteren Gangart des Metal ein, um einen Abend voller Melancholie und Schwermut zu zelebrieren. Die Könige des Death Doom Metal beehren die Hansestadt mit ihrer Anwesenheit und bringen noch ein paar Freunde mit.

Der kleine Saal des headCrash ist bereits gut gefüllt, als AEONIAN SORROW den Abend eröffnen. Die Band ist noch recht jung und erst letztes Jahr erblickte ihr Debütalbum „Into The Eternity A Moment We Are“ das Licht der Welt. Man merkt sofort, dass die Musiker richtig Lust haben ihre Musik zu spielen, auch wenn dem durchschnittlichen Hörer schleierhaft sein sollte, wieso man voller Enthusiasmus Funeral Doom Kompositionen in den Raum schmettert. Doch genau das taten die Herren und die Dame auf der Bühne und das Publikum nahm interessiert und erfreut die Stimmung in sich auf. Gogo Melone, die Sängerin, brachte durch ihren Gesang stellenweise einen Hauch Neofolk à la Heilung ein, während ihr männliches Pendant für Funeral Doom typische, tiefe Growls zum Besten gab. Bei einer durchschnittlichen Songlänge von sieben Minuten war klar, dass das Set nicht besonders viele Songs beinhalten würde. Trotzdem hat die Band ihre Spielzeit sehr gut genutzt. Leider war der Sound nicht ganz optimal, da die Gitarren oft untergingen, das Schlagzeug und der Gesang jedoch immer gut zu hören waren. Bevor der letzte Song angesagt wurde, bedankte sich Gogo Melone sichtlich gerührt bei den Fans und allen, die bei der Tour mitgewirkt haben, denn Hamburg war die letzte Station auf dieser Reise. Mit Sicherheit hat die Band viele neue Fans dazugewonnen.

Nach einer sehr kurzen Umbaupause kamen OCEANS OF SLUMBER auf die Bühne. Auch diese Band war ganz in ihrem Element, wenn auch insgesamt introvertierter im Auftreten als die Vorgänger. Die Musik ist zwar eher im Progressive-Bereich einzuordnen, doch die Band hat ihren ganz eigenen Stil. Auch hier war der Sound nicht ganz optimal. Erneut gingen die Gitarren unter und die Background Vocals hat man ebenfalls kaum hören können. Das wird wohl dazu beigetragen haben, dass einige Songs ein wenig holprig rüberkamen. Sängerin Cammie hat aber durchweg einen tollen Job gemacht. Außerdem waren wohl einige Fans der Band im Publikum, da diese lautstark applaudierten und viele Zuschauer schnell in die Atmosphäre der Musik einstiegen und sich mitreißen ließen. Erst zum letzten Song wandte sich Cammie ans Publikum, was die einzige Interaktion bleiben sollte. Die Band schien zufrieden von der Bühne zu gehen.

Dann war es endlich Zeit für den Headliner des Abends. Anfang des Jahres erschien das überragende neue Album von SWALLOW THE SUN und man konnte die Spannung im Publikum deutlich spüren. Mit „When A Shadow Is Forced Into The Light“, dem Titeltrack des aktuellen Albums, beginnen die Finnen ihren Auftritt. Zum Glück ist der Sound bereits um einiges besser, da man die Gitarren jetzt gut hören kann. Was gut ist, da die Gitarren sehr viel zum Charakter der Musik beitragen. Die Zuhörer sind von Anfang an von der Musik gefesselt und gehen mit. Mit „Lost and Catatonic“ gibt es einen Abstecher in das Vorgängeralbum, um dann gleich mit dem aktuellen „Firelights“ wieder weiterzumachen. Einen ersten erfreuten Aufseufzer des Publikums gibt es bei den einsetzenden Klängen von „Cathedral Walls“. Ein Highlight jagt das nächste, denn gleich darauf spielt die Band „New Moon“ vom gleichnamigen Album. Auch hier sind die Fans sichtlich begeistert. Während die einen mit dem Kopf mitwippen, wiegen sich die anderen zum Takt und singen für sich mit. Sänger Mikko sagt ab und zu die Lieder an, doch auch hier wird sich auf die Musik konzentriert und die Interaktion mit dem Publikum bleibt zweitrangig. Mit zwei weiteren Liedern aus dem aktuellen Album unterstreichen SWALLOW THE SUN die melancholische Seite ihrer Musik, doch das anschließende „These Woods Breathe Evil“ läutet den Doomwalzen-Teil ein. Zunächst wird sich kurz danach verabschiedet, um für drei Zugaben nochmals auf die Bühne zurückzukommen. Jetzt sind die Lieder deutlich energiegeladener, düsterer und kraftvoller, was sich sogleich in mehr Bewegung im Publikum wiederspiegelt. Mit „Swallow“ schließen die Finnen ihr Set ab.

Der letzte Abend dieser Tour war definitiv ein Erfolg. Das headCrash war sehr gut besucht und die Leute hatten sichtlich Lust, einen Abend voll mit herzergreifendem Doom Metal zu verbringen. Mal abgesehen von kleinen Soundproblemen hat alles gepasst. Die Setlist war ausgewogen und ließ kaum Wünsche offen. Auch die Bandzusammenstellung war stimmig und man konnte sehen, dass sich die Mitglieder untereinander ebenfalls verstanden. Dies war ein absolut gelungener Sonntagabend, so konnte jeder mit gutem Gefühl wieder nach Hause gehen.

 

Setlist:
When A Shadow Is Forced Into The Light
Lost and Catatonic
Firelights
Cathedral Walls
New Moon
Upon The Water
Stone Wings
These Woods Breathe Evil
Emerald Forest And The Blackbird
Deadly Nightshade
Swallow