avantasiaGenre: Heavy Metal
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 15.02.2019 
Bewertung: Schwach (4/10) 

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Manchmal muss man Alben beurteilen, auf die man eigentlich keine Lust hat. Zu voreingenommen ist man durch den Ruf einer Band oder weil einem die anderen Alben nicht gefallen haben. Und klar, man sollte stets versuchen objektiv zu sein, aber machen wir uns nichts vor, geht es darum Kunst zu bewerten, wird es immer die unterschiedlichsten Meinungen geben. Und ich bin niemand der Musik pauschal schlecht reden würde, zu viel Herzblut, Schweiß, Zeit und Geld investieren Bands in ihre Kunst, bevor sie mal jemand hört; wenn überhaupt. Deshalb sollte man stets Respekt vor Leuten haben, die im Stande sind, Kreatives zu erschaffen. Und dennoch wird dies kein positives Review. Das ich mir dann bei einer Band wie AVANTASIA keine Freunde mache, ist mir klar. Und auch das an anderer Stelle dessen neues Album „Moonglow“ durchaus besser wegkommt. Aber niemand will das gleiche Review zum tausendsten Mal lesen und vielleicht kann ich meinen Standpunkt klarmachen.

Tobias Sammet zieht seinen Stiefel voll durch und hat wieder jede Menge All-Star-Künstler um sich versammelt, um eine erneute Metal-Oper abzufeuern. Und genau das ist es auch: eine quietschbunte, vor Kitsch triefende Version eines Heavy Metal Albums. Oder anders herum: wie Cats mit verzerrten E-Gitarren. Und wem sich bei Opern die Zehennägel aufrollen, der wird auch hier nicht glücklich. Musikalisch wird ein Potpourri aus Heavy, Symphonic und Power Metal angerichtet. Die Qualität der Produktion ist natürlich allererste Sahne. Man merkt, dass alle Beteiligten ihr Handwerk höchstklassig beherrschen und auch Spaß an der Sache hatten. Aber es ist jetzt nicht das innovativste Album auf dem Markt, dafür sind die Songstrukturen nahezu bei jedem Lied darauf ausgelegt, möglichst „episch“ zu klingen, sowohl instrumental als auch gesanglich. Die Stücke klingen alle durchweg fröhlich und bunt, ein nachdenklicheres, düsteres Stück sucht man vergeblich. Das passt so gar nicht zum Cover mit seiner nebulösen, dunklen Atmosphäre mit Totenköpfen und Hexenhäusern. Einzig „Invincible“ kommt als ruhiges Stück lediglich mit Piano und Gesang aus.

Ich habe es nicht einmal geschafft, das Album am Stück durchzuhören. Das liegt an der bereits erwähnten quietschbunten Stimmung der Lieder, aber eigentlich noch viel mehr an den Lyrics. Die sind nämlich, um es mal Neudeutsch zu sagen, übertrieben „cheasy“. Zeilen wie „Chase your Dreams“, „Hear me Starlight“ und „ Everything you’ve come to dream is gonna turn out real” erwartet man eher bei Pop- und Schlager-Künstlern als bei Vertretern des Metals. Man muss es einfach so knallhart sagen: Textlich ist das Album gänzlich uninspiriert, klischeehaft und vorhersehbar. Es ist schon völlig klar, dass nicht jede Metal-Band auf ihren Alben lyrische Hochglanz-Meisterwerke verfasst, aber auf „Moonglow“ soll eine Geschichte erzählt werden, da darf es schon etwas mehr Poesie sein.

So berechenbar wie die Texte sind, so überraschender hat mich der Gastauftritt von Mille Petrozza von KREATOR erwischt. Auf „Book Of Shallows“ platzt dieser plötzlich mitten in den Song hinein und brüllt seine Wut heraus. Das ist die beste Stelle des Albums und härter wird es nicht mehr! Andere namenhafte Sidekicks sind unter anderem Candice Night (Blackmore’s Night), Geoff Tate (ex-Queensrÿche) und Michael Kiske (ex-Helloween).

Das letzte Stück ist ein Cover von Maniac. Das kann man gut finden oder es sein lassen. Der Song gehört gefühlt zu den am meisten gecoverten Liedern auf diesem Erdenrund. Und darunter sind wesentlich bessere Versionen. Man hätte sich also durchaus ein originelleres Lied aussuchen können. Aber irgendwie passt dieses gewöhnliche und kitschige Cover dann auch wieder zum Rest des Albums.

Die Frage bleibt am Ende, ob das Album viel zu bieten hat. Abwechslungsreich ist es lediglich durch die vielen Gastmusiker und viele verschiedenen Instrumente, wie Klavier, Streicher oder auch mal elektronische Parts. In manchen Songs werden ganze Soundwände gemauert, die man sonst nur bei Devin Townsend findet. Aber die Lieder sind in all ihren Aspekten einfach zu vorhersehbar, um hier von einem vielschichten Longplayer zu sprechen. Retrospektiv stelle ich fest, dass ich das Album in diesem Review besser bewertet habe, als ich es beim ersten Hören gedacht hätte. Ich freue mich immer sehr, wenn deutsche Künstler auch international Beachtung finden und mit ihrer Kunst Geld verdienen können. Ich bin jetzt auch keiner dieser „trven Kultisten“, der alles schlecht redet, was nicht in irgendeinem Keller auf einer Kartoffel aufgenommen wurde, aber mit „Moonglow“ kann ich weder musikalisch noch textlich etwas anfangen.