Genraenimuse: Technical Death Metal
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 22.02.2019
Bewertung: Sehr gut (7/10)

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AENIMUS sind hungrig und wollen keine Zeit verlieren. Ihr zweites Album „Dreamcatcher“ startet wie ein durchgedrehter Bluthund, wenn er eine Fährte aufgenommen hat. „Before the Eons“ knüppelt von Anfang an mit einer Mordsgeschwindigkeit voran. Das Rad wird sicherlich nicht neu erfunden, bei dieser Mischung aus Djent, Death und Tech Metal. Würde man nur die ersten Minuten hören, wäre man schnell geneigt, die Platte unter „noch eine Technical Death Metal Band“ abzuhaken. Das da noch mehr ist, lässt das schöne Soli und der abwechslungsreiche, weil ruhigere Instrumental-Part erahnen. Auf „Eternal“ kommt zum core-artigen Geshoute dann noch Cleangesang dazu. Das ist zwar jetzt auch nicht unbedingt revolutionär, erhöht aber den musikalischen Genuss.

Auffällig ist, dass die Instrumente bei AENIMUS das bestimmende Antriebsmittel sind. Dabei wird dem Bass genauso viel Raum dargeboten, wie den beiden Gitarren. Das ist klasse. Alle drei Saitenpiraten bewegen sich in schnellem, aber sicheren Fahrwasser und toben sich gekonnt auf ihren Äxten aus. Neben ausschweifenden Soli, erweitern auch artfremde Instrumente das Spektrum den musikalischen Horizont. So finden auch zum Beispiel Glockenspiele ihren Platz oder auf „The Ritual“ werden Streicher eingesetzt, die auch perfekt in das Seeting einer Blockbuster-Filmmusik passen würden.

Jetzt könnte man denken, dass AENIMUS hier ein astreines Album abgeliefert haben. Leider ist dies nicht so. Zwar schafft man es gekonnt, verschiedene Elemente zu mischen, letztendlich bleibt die Struktur eines jeden Songs aber nahezu identisch. Als würde ein Koch nicht nur immer die gleichen Zutaten mischen, sondern sie sogar noch in der stets gleichen Reihenfolge dazu tun. Das hört sich dann meistens so an: Brutaler Einstieg, harte Shouts, Cleanvocals, langes ausschweifendes Soli. Einzig „Between Iron and Silver“ sticht heraus, weil hier der klassischen Songstruktur „Intro-Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Soli-Outro“ bedient wird. Andere Songs ähneln sich sogar so sehr, dass man schon fast mangelnde Kreativität unterstellen möchte. So enden beispielsweise die Lieder „The Ritual“, „Between Iron and Silver“ und „Caretaker“ mit minutenlangen, instrumentalen Outros, die aber weder zu dem eigentlich Lied passen, noch flüssig in den folgenden Song überleiten. Würde man nicht gerade auf den Player gucken, würde man denken, ein neuer Song hätte angefangen. Warum man das ganze drei Mal macht, erschließt sich dem Hörer nicht. Einzig der Titeltrack „Dreamcatcher“ als rein instrumentales Stück bricht aus diesem Schema heraus. Doch da ist das Album leider dann auch schon zu Ende. Was nicht heißen soll, dass das Album länger sein müsste. Elf Lieder bei einer Spielzeit von 54 Minuten sind voll ausreichend.

Zusammenfassend muss man sagen, dass man es hier auf keinen Fall mit einem schlechten Album zu tun hat. Die Produktion ist ordentlich, das Artwork ist schick und die Musik ist gut. Ein wenig mehr Abwechslung in der Songstruktur hätte es durchaus sein dürfen. Und dass die Band kreativ genug für die Aufgabe gewesen wäre, zeigen sie ja auf jeden Fall in der Vielschichtigkeit der Saiteninstrumente. AENIMUS gibt es seit 2013 und „Dreamcatcher“ ist ihr zweites Album. Die Hoffnung ist also groß, dass sie die Luft, die sie noch nach oben haben, locker auf dem dritten Album ausfüllen können.