War And PeaceGenre: Extreme Metal
Label: 7hard Records under licence of 7us Media GmbH
Veröffentlichung: 01.03.2019
Bewertung: Heavy! (10/10)

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Mit „Krankheit Mensch“ zeigen sich SCARGOD stilistisch wie inhaltlich gereift. Laut Titel erwarten den Hörer acht philosophisch/kritische Songs über den Umgang der Menschen mit sich selbst, seinem Gegenüber, den Tieren und der Natur. Das Cover unterstreicht dieses derzeit allumfassende Thema.

Weg vom Orchester. „Krankheit Mensch“ ist ein musikalischer Brückenschlag von modernem Death Metal über Melodic Death Metal bis hin zu den typischen SCARGOD –Trademarks, die die Band so einzigartig macht.  Die zumeist im Mid-Tempo gehaltenen Songs ergänzen sich mit starken Rhythmusparts, zähen Doom-Parts bis hin zu stinksauren Blastbeats.

Der Sound des mittlerweile dritten Full-Lenght Albums (1 CD-R sowie eine EP gehen dem voraus) ist zu jederzeit druckvoll, warm und zugleich äußerst kalt sowie kristallklar. Verantwortlich dafür ist Lukas Haidinger (Deep Deep Pressure Studio, U.G.F., Profanity, GodHateCode). Das komplette Online und Vinyl Booklet wurde von Martin „Maze“ Moser gestaltet. Alle Songs wurden von Martin Moser musikalisch erschaffen. Für sämtliche Lyrics zeigt sich Wolfgang Rothbauer verantwortlich.

Bei „6 Million“ befindet man sich zu Anfang in einem Kriegsgebiet, wo einem links und rechts die Granaten um die Ohren fliegen. Und so donnert dann auch das Schlagzeug los, zusammen mit den Growls. Ein guter Gesang macht auch ein gutes Album aus und die kräftigen Growls von Sänger Wolfgang Rothbauer passen zu diesem fetten Sound, wie die Faust aufs Auge. Ein Song mit viel Abwechslung. Eher langsame Gitarrenriffs, aber dazu die treibenden Drums im Hintergrund geben dem Song die gewisse Grundschnelligkeit, die er braucht. Mittendrin eine Solo Bass-Passage mit leichten Gitarrenriffs und eher ruhigen Growls, gleitet man doch fast Balladen mäßig ab. Der langsame Teil spiegelt eher Dramatik wider, bevor es gegen Ende hin wieder zur Sache geht.

Als ich diese Scheibe zur Rezi bekommen habe und einfach nur mal reinhören wollte, habe ich mir während des Anhörens des zweiten Liedes „Contradiction“ sofort die handsignierte LP von SCARGOD bestellt. Dieser Song hat mich mit all seiner Energie und Power so von den Socken gehauen, ich kann nicht mehr sagen, wie oft ich dieses Lied den Abend noch gehört habe. Die Drums donnern wie eine Nähmaschine durch den Song. Es steckt viel Wut und Hass in „Contradiction“, zumindest macht das auf den Zuhörer den Eindruck. Meinen Anspieltipp wisst ihr ja jetzt schon mal.

Auch „Lost“ schlägt in die gleiche Kerbe. Das Album reißt einen von Beginn an in seinen Bann. Wippende Beine simulieren den Doublebass, beim mitbangenden Kopf ist Achtung geboten, nicht dass man auf der Tischplatte aufknallt. Hier geht mächtig die Post ab.

„Inner Void“ fängt mit einer Basssequenz an, die aber schnell wieder von scheppernden Riffs und wilden Drums verdrängt werden. Es ist einfach nur der Wahnsinn, mit was für einem beeindruckenden Tempo hier auf die Tube gedrückt wird. Klar, hier und da kommen kurze Passagen, wo man mal durchatmen kann. Die Mischung ist auch sensationell abgestimmt in den einzelnen Abschnitten der Songs.

Mit „Hypocritical“ kommt die nächste Donnerwalze. Man hat kaum die Chance länger an Erholung zu denken, so rasant stürmt ein Song nach dem anderen über einen hinweg.

Und das ist er doch, der Song zum Durchschnaufen. „Dark Church“ geht da schon ins doomige rein, hat aber immer noch genug Aggressivität und Druck nach vorne. Sehr geiles Stück.

Das vorletzte Lied „God!-Master of Pigs!“ driftet wieder in die bisher eingeschlagene Richtung von kraftvoll bis energiegeladen. Hier toben sich alle Akteure an ihren Instrumenten aus und es kommt ein Mix aus organisiertem Chaos heraus. Es passt einfach alles irgendwie zusammen.

Schon sind wir beim letzten Stück „The Enemy Inside“ gelandet. Auch hier gibt es keine großen Überraschungen mehr und das ist gut so.

Der Fluss durch dieses Album hindurch ist so gradlinig und in meinen Ohren perfekt. SCARGOD kannte ich bis dato leider noch nicht, aber das wird und hat sich schon geändert. Dieses Album wird es auf jeden Fall in meine Top Ten des Jahres schaffen. Der Sound des Albums ist richtig fett und gut produziert. Die Spieldauer der acht Lieder ist mit etwas über 35 Minuten überschaubar und lädt direkt zum erneuten Anhören ein. Gebt euch dieses Album, ihr macht keinen Fehler damit. Und die im Eigenvertrieb erschienene limitierte LP bekommt ihr sogar handsigniert.