coverGenre: Melodic Death / Doom Metal
Label: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 20.2.2019
Bewertung: Bombe! (9/10)

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Das Album erzählt die Geschichte seines Schöpfers, der fast an seiner großen Leidenschaft, der Musik, gescheitert wäre. Bereits in jungen Jahren unternahm der belgische Songschreiber Lars diverse Versuche, seine Kompositionen in die entscheidenden Bahnen zu leiten, um eine Band aufrechtzuerhalten und ein Ergebnis zu veröffentlichen. Leider scheiterten alle Versuche bisher. 2018 schlussendlich vertraute er nur noch auf sich selbst und erschuf sein erstes Soloalbum, das nun vorliegt. Musikalisch bewegt er sich hier vor allem im melodischen Extrem Metal Bereich, mit Einflüssen aus Death, Doom und Black mit jeder Menge Melodie.

Nach dem Intro „Rivers“, das einen ersten instrumentalen Geschmack bereitstellt und schon mit seelenwunden Melodien und Doublebass aufwartet, erzählt „The Dreaming Soul“ von einer herumirrenden Seele, die verletzt und verstört wandelt. Den Song dominieren hastige Passagen mit Schlagzeuggewitter (vermutlich Drumcomputer) und verschiedenen Gitarrenläufen, die sich ohrwurmartig wiederholen. Die groovigen Passagen sind dem MeloDeath entlehnt, wie die Growls auch, die rau, aber leichtfüßig daherkommen. Die Gitarrensoli zeichnen den niedergeschlagen-melancholischen Weg der ausgesetzten Seele nach. Das Tempo wechselt in den sechs Minuten zwischen schleppend und donnernd.

„Forgotten Shadows“ startet mit einem kurzen Klavierintro, bevor die Tremolo-Gitarren hereinbrechen. Die Grundmelodie ist zwar nicht besonders innovativ, fügt sich aber gut an die klagende Lead-Gitarre. Die Growls ziehen auch die Instrumente tiefer auf der Notenskala, was sich mit den hohen Gitarren abwechselt. Trotz der verschiedenen Teile des Songs bleibt der Wiedererkennungswert für den Track durchaus bestehen und verliert sich nicht in zu vielen Spielereien. Die Stärken liegen in den träumerisch-trübsinnigen Passagen. „The Light That Fades“ rückt sich selbst in den finnischen Bereich des Death/Dooms, denn es bleibt im Midtempo und wechselt zwischen groovig-kopfnickenden Passagen und eher lyrischen Abschnitten, die wehmütig dahinschwimmen.

„Apocalypse in Your Mind“ lässt in mir Erinnerungen an die grandiosen 90er Jahre aufkommen, in denen der Death/Doom aus Skandinavien, wie auch der MeloDeath seine Glanzzeiten erlebten. Im Vordergrund stehen hier neben Doublebass-Passagen vor allem die verträumt-schwärmerischen Gitarrenparts, die sich in den Melodien und Soli verlieren. Wer in der Zeit des modernen Cores den guten alten Zeiten hinterhertrauert, ist hier genau richtig. Auch der Sound ist nicht überbordet und klingt – sicherlich auch der Eigenproduktion geschuldet – klassisch mittig, die ganz fetten Dropdowns braucht man hier nicht zu suchen (und das ist auch gut so!). „Shrouded in Mourn“ bleibt die ersten vier Minuten akustisch, bevor die doomigen Gitarren verzerrt hinzukommen und ihre Melodien zelebrieren, der ganze Song bleibt aber in einem sehr zurückhaltend-gediegenen Tempo, die Doublebass am Ende verschwindet im Hintergrund.

„Time“ wartet mit rockigem Akustik-Gitarren-Geschrammel auf, bevor die deathigen Äxte einsetzen und ein ganz anderes Tempo als vorher einschlagen. Ganz im Hintergrund lässt sich ein sehr dezentes Keyboard ausmachen, das die Rhythmus-Gitarre unterstützt. Das Zwischenspiel bremst den Track etwas, bevor es wieder in Insomnium-Gefilde geht mit tänzelnden sauberen Melodien, die sich sanft in der Doublebass wiegen. Mit „Flow Into The Sea“ findet das Konzeptalbum sein Ende, das erzählt, wie alle Leben ins Meer zurückfließen. Konsequenterweise dominieren hier Midtempo-Passagen, die abwechslungsreiches Riffing aufweisen, das durch das Tempo fließend verbunden ist.

Abgesehen davon, dass ich fast immer echt beindruckt von Solo-Projekten bin, findet sich hier ein Retro-Album, das sicher keiner Mode folgt. Trotz des belgischen Ursprungs klingt das Album skandinavischer als viele Skandinavier, und kommt ohne Frickel-Schnickschnack wie Bombast-Keyboards oder Synthies aus. Dass der Sound ebenfalls wie aus den 90ern klingt, ist für mich definitiv kein Manko, ist man vielleicht doch etwas der Fettigkeit und Cleanheit der Studioproduktionen überdrüssig, die man für viel Geld kaufen kann. Wem die Finnen manchmal zu verspielt und die Schweden mal zu krachig sind, sollte sich den jungen Belgier unbedingt zu Gemüte führen. Ein gelungenes Debüt!