coverGenre: Melodic Death Metal
Label: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 22.1.2019
Bewertung: Klasse (8/10)

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Veröffentlichungen der letzten Jahre haben sicher auch dem letzten Kritiker bewiesen, dass Melodic Death Metal noch lang nicht zum alten Schwermetall gehört und auch nicht in der Versenkung verschwunden ist. Im Gegenteil – es etablieren sich immer mehr Bands, die klar versuchen, sich vom Core-Genre wieder abzugrenzen und zu den Wurzeln des MeloDeath zurückzukehren, als noch das schwedische Göteborg das Mekka der Schwedentod-Freunde war. Dass aber nicht nur die Wikinger das Genre beherrschen, zeigen immer mehr exotische Bands. Einen schwierigeren Werdegang haben SLAY MY SANITY hinter sich. Die Russen haderten nicht nur mit den finanziellen Umständen, sondern auch den obligatorischen Einzugsbefehlen zum Militär, die sie zu mehreren Pausen zwangen. Mit „Narayama“ liegt nun eine Wiederauflage des 2010er Albums vor. Ganze elf Songs haben die Jungs für ihre Hörer eingeprügelt.

Das Album startet mit „Roll on One“ ohne Intro – was ich ja begrüße – und zeigt sofort an, in welche Richtung es gehen soll. Die Growls sind gurgelig-keifig und dominieren den Song. Die melodischen Rhythmus-Gitarren bewegen sich im Midtempo und sind nicht allzu kellertief gestimmt. Die Produktion ist clean-technisch, was dem Ganzen auf jeden Fall einen modernen Touch-up gibt. Stilistisch passt es in die frühe 2000er Phase von Dark Tranquillity. Der Song kommt ohne große Frickeleien und Schnörkel aus, sondern bleibt dem Hauptriff treu.

Der Titelsong „Narayama“ kommt merklich räudiger und deathiger daher, bleibt aber ebenfalls im Midtempo. Die klassischen MeloDeath-Frickel-Gitarren begleiten den Chorus, während die Strophen von den Tieftönern dominiert werden. Die Songstruktur folgt damit ohne Umwege dem klassischen Muster, ohne nebenraus zu gehen.

„Frozen to Life“ präsentiert sich mit einem groovigen Riff zu Beginn und lässt auch dem Bass seinen Spielraum, auch später im akustischen Intermezzo in der Mitte des Songs, bevor ein klassisches Solo den Track zum Ende bringt. „Fractured“  bietet vor allem groovige Midtempo Gitarren, die nicht zu sehr in die Tieftöner-Regionen abdriften. Abwechslung bringen die zweispurigen Growls-Linien, die zwischen Keifen und Krächzen changieren. Dieser Song zeigt außerdem, dass weniger als eine Handvoll kluge Riffs ausreichen, um einen Song zu bestreiten. Einen unendlichen Tiefgang darf man trotzdem nicht erwarten. „A Nobody’s Shadow“ gibt etwas mehr Gas und galoppiert ganz gut voran, bietet dabei mehr Abwechslung durch variantenreiche Rhythmuswechsel und Sologitarren.

„And Silence Prevailed“ offeriert einen mitsingkompatiblen Refrain der den dominanten Gesang einrahmt. Dieser Track kommt ganz ohne Schnickschnack aus. „Embrace The Emptiness“ legt zum einen den Fokus wieder mehr auf die hohen Leadgitarren, die im Duett mit den Growls ertönen, zum anderen auf groovige Rhythmusgitarren, die sich durch die Strophen fiedeln. Nach dem akustischen Intermezzo „Walking the Mile“ erinnert mich „Cosmic Loneliness“ an die US Amerikaner The Absence (im Übrigen einer meiner absolute Favoriten in diesem Bereich). Neben Doublebass und geifernden Growls dominieren typische Melodien, die von Groove-Parts unterbrochen sind. In einem ähnlichen Fahrwasser schippert „Venomous Sunrise“, der ohne Überraschungen auskommt. Der letzte Song „The Viewer“ schließt das Album in gewohnter Manier ab.

Insgesamt erfüllen die Russen hier jedweden Wunsch, den man an ein klassisches Melodeath-Album haben kann. Die Produktion ist auf die Mitten fokussiert und hebt die unverschnörkelten Melodien hervor. Die Instrumente sind ausgewogen gemischt, der Gesang zwar dominant, aber nicht penetrant. Vermutlich hätten SLAY MY SANITY sich zwei Songs für die nächste Platte aufheben können, denn hier ist mit elf Songs ja schon mächtig was los. Könnte ich mir noch was wünschen, würde ich mir eine zweite Gesangsvariante im Scream-Bereich wünschen. Wer also auf klassischen MeloDeath á la Dark Tranquillity ohne cleanen Gesang und Synthies steht, der sollte hier unbedingt zugreifen. Für harte Deather wird die Platte wohl zu clean und uneckig sein.