ategnatosGenre: Folk Metal
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 05.04.19
Bewertung: Klasse (8/10)

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Nach dem viel diskutierten Besetzungswechsel und einer Fortsetzung von „Evocation“ gibt es nun endlich wieder ein Metalalbum mit allem drum und dran von den Schweizer Folk Metal Spezialisten. Und eine Sache fällt sofort auf, die Jungs und Mädels von ELUVETIE haben es weiterhin drauf, ein mitreißendes und energiegeladenes Stück Musik abzuliefern.

Das Album beginnt mit dem Titelsong „Ategnatos“ und wer sich schon die Single-Auskopplung zuvor angehört hat, weiß, dass das Lied mit einer Rezitation beginnt, sodass man sofort eingeladen wird wie durch ein Tor in die Welt der Kelten einzutauchen. Die Komposition beginnt episch und erhaben, um sogleich hart in die Bresche zu schlagen. Somit ist das der perfekte Einstieg in das neue Album. Während darauf ein kurzes Intermezzo folgt, geht es bei „Deathwalker“ mit ordentlich Violinen- und Flöten-Action weiter. So ein virtuoses Spiel gibt es nur bei einer handvoll Bands. Auch in diesem Lied werden die klassischen Instrumente mit den elektrischen nahtlos miteinander verwoben, als ob diese Mischung schon immer wie Arsch auf Eimer gepasst hätte.

„The Raven Hill“ überrascht, da ein Teil der Melodie sehr verdächtig nach „What Shall We Do with the Drunken Sailor“ klingt, sodass es sich also entsprechend gut dazu schunkeln lässt. Mit „The Silvern Glow“ folgt erneut, dieses Mal ein instrumentales, Intermezzo, um in den Gute-Laune-Garanten „Ambiramus“ überzugehen. Hier geht es flott zur Sache, mit Sicherheit einer der eingängisten Songs.
„Mine Is the Fury“ ballert hingegen richtig gut durch die Lautsprecher und gleichzeitig merkt man, dass ELUVEITIE zusammen mit Korpiklaani auf Tour waren. So würden die Finnen nämlich klingen, wenn ihre Musik eine Spur härter wäre.

„The Slumber“ und „Breathe“ sind jeweils die Songs, in denen Fabienne besonders gut ihr gesangliches Können zeigen kann. Gerade letzterer erinnert von der Atmosphäre sehr an „Alesia“. Somit sind diese Songs genau für die Fans die richtigen Anspieltipps, die das Zusammenspiel beider Sänger schätzen bzw. gerne die Sängerin als Hauptakteur hören.
Wer wiederum am liebsten die Lieder aus der Auf-die-Fresse-Fraktion hat, wird mit „Worship“ definitiv gut bedient. Der Song beginnt düster mit einem eingesprochenen Fragment und Marschiergeräuschen im Hintergrund und baut sich langsam auf, um dann in bester Death Metal Manier auf das Gaspedal zu treten. Auch mit den eingebauten Atempausen ist der Song ein richtiger Brecher.
Am interessantesten ist der Song „Threefold Death“, da dieser in langsame und brachiale Abschnitte unterteilt ist. Als hätte man zwei Songs in Stücke geschnitten und abwechselnd wieder zusammengesetzt – doch die Tempowechsel wirken nicht fehl am Platz, ganz im Gegenteil. Trotz dieser Sprünge bildet der Song eine in sich geschlossene Einheit. Zum Schluss erklingt „Eclipse“, welches als perfektes Rausschmeißerlied fungiert und den Zuhörer vom Ausflug in die Zeit der Kelten wieder entlässt.

ELUVEITIE schaffen es mal wieder, melodischen Death Metal mit Folkinstrumenten so zusammenzubringen, dass eine perfekte Symbiose entsteht. Kaum eine Band schafft es so gut, beide Welten mit so fließenden Übergängen zu gestalten, dass diese eigentlich nicht mehr vorhanden sind, weil alles eins wird. Die magische Formel wurde also gefunden und patentiert. „Ategnatos“ ist ein klassisches ELUVEITIE-Album, bei dem nichts falsch gemacht wurde und man als Fan beherzt zugreifen kann, ohne enttäuscht zu werden. Die neuen Songs werden sich sicherlich live ebenso gut machen wie auf Scheibe.