MISERY INDEX veröffentlichten jüngst ihr neuestes Werk namens „Rituals of Power“ und so führte ihr Weg im Zuge ihrer aktuellen Europatour ebenfalls nach Hamburg, wo das US-amerikanische Quartett zum munteren Gruppenprügeln einlud.

Ein Wechsel zwischen Nieselregen und windigem Wetter bestimmt den Tag, bestes norddeutsches Wetter zum Ausgehen also. Nach über zwei Stunden Fahrt und der Umkurvung zahlreicher Baustellen (A20-Autobahnbehelfsbrücke anyone?) heißt es um Punkt 20 Uhr im Monkey’s Music Club: „Sesam öffne dich!“. Bestückt mit reichlich guter Laune im Köcher strömen die Gäste dann auch sogleich in den gemütlichen Club. Nach der Versorgung mit neuem Merchandise und einem Ale im hauseigenen Pub (!) geht es gegen 21 Uhr los mit dem Support des heutigen Abends ERUPTION OF CORRUPTION.

Der Mix aus Nu Metal, Progressive und Thrashelementen macht eine gute Figur, weiß mit sehr guten Gesangsmelodien aufzutrumpfen und ist handwerklich äußerst solide vorgetragen. Zwar haben die vier Hamburger ein wenig mit dem etwas dünnen Sound und einer nur halb vollen und etwas zurückhaltenden Fläche vor der Bühne zu kämpfen, lassen sich aber davon nicht den offensichtlichen Spaß vermiesen und geben souverän ihr Material zum Besten. Mal mehr melodiös wie im Opener „Whistleblower“, der mit einer atmosphärischen Bassfigur beginnt und mal etwas progressiver wie bei „I.S.A. (Intergalactic Space Exploration)“. Die Stimme von Sänger Davide Casarano, der den Titel des bestgekleidetsten Gastes des Abends einheimst, erweckt starke Erinnerungen und Querverweise in Richtung von klassischem Heavy Metal. Tatsächlich verrät er in einem späteren Gespräch, dass eines seiner größten gesanglichen Vorbilder Ronnie James Dio sei, was man, wenn man die Ohren spitzt, durchaus herauszuhören ist. Zwar steht sich die Musik von ERUPTION OF CORRUPTION durch das Füllhorn an verbauten Ideen ein wenig selbst im Weg und lässt hier und da den roten Faden vermissen, nichtsdestotrotz ein gelungener Auftakt für den Abend.

Setlist ERUPTION OF CORRUPTION:

  1. Whistleblower
  2. Take Me
  3. Unchained
  4. Filler
  5. I.S.A. (Intergalactic Space Exploration)
  6. Face
  7. Limbless

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Zeit für Getränkenachschub und die kurze Umbaupause. Mittlerweile ist das Monkey’s gut gefüllt und der Platz vor der Bühne wird eng besetzt. Bereits jetzt ist zu erahnen, dass es gleich verdammt heiß werden wird. Das es dazu auch noch verflucht laut wird, hätte man sich ebenfalls denken können, und so starten MISERY INDEX mit kurzer technischer Störung beim Intro (ach ja, die Technik) unmittelbar mit dem Dreierpack „We Never Come In Peace“, „Manufacturing Greed“ und „The Great Depression“ ins Set. Der Sound ist anfangs ziemlich übersteuert und so geht alles zunächst in einem lauten Brei unter, jedoch bessert sich das Klangbild innerhalb der ersten Minuten und lässt den Death/Grind der Amis im Verlauf bestens zur Geltung kommen. Gitarrero und Sänger Mark Kloeppel spielt sich mit Bassist Jason Netherton routiniert die Bälle zu, Zweitaxtmann Darin Morris lässt ein Solo nach dem anderen aus den Finger perlen und Ausnahmeschlagzeuger Adam Jarvis zerlegt in schier unmenschlicher Art und Weise die Kessel, dass es nur so eine Freude ist. Insgesamt wirkt das Quartett dynamisch wie lange nicht mehr. Trotz bereits 19 Jahren Dauerzerberstung legen sich die Amerikaner ins Zeug als wäre es ihr größter Gig und speien ihre hasserfüllten, gerne dem Establishment kritisch gegenüberstehenden, Texte messerscharf ins Rund und feuern aus allen Rohren.

Erfreulich ist ebenfalls die Setlist, so wird sich einmal quer durch die Diskographie gehämmert, ohne einen Brecher auszulassen. Bei „The Spectator“ werden die Fäuste gereckt und lautstark mitgebrüllt und sogar ein Circle Pit entsteht im ca. 200 Mann starkem Publikum. Wer den Song „You Lose“ vom 2010-er Machwerk „Heirs to Thievery“ kennt, weiß das bereits die Studioversion einen Affenzahn drauf hat. Allerdings prügeln die Herren den Song live noch schneller ins Volk und legen ein Tempo hin, bei dem man nur noch ungläubig mit Kopf schütteln kann. Mit „Conquistadores“ und der neuesten Pitgranate „Hammering The Nails“ vom aktuellen Album lassen MISERY INDEX dann auch spätestens den letzten Kopf im Club kreisen. Das Publikum, welches anfänglich noch ein wenig zurückhaltend agierte, taute endlich komplett auf und beim abschließenden „Traitors“ hält Schreihals Mark Kloeppel das Mikrofon Richtung Publikum, was anhand der Lautstärke im Refrain fast gar nicht nötig ist, so engagiert schreit die Meute den Text gen Bühne zurück.

Egal ob alte Kamellen oder taufrische Titel, alles wurde lautstark abgefeiert und bejubelt. Innerhalb einer Spielzeit von ca. 70 Minuten haben MISERY INDEX 17 Songs untergebracht und ein schweißtreibenden Gig hingelegt der energetischer kaum sein kann. Die Kommunikation seitens der Schausteller hielt sich zwar, wie gewohnt, in Grenzen und so hielt man die Ansagen kurz, was anhand der musikalischen Leistung allerdings auch nicht weiter ins Gewicht fällt.Bereits das fünfte Mal durfte ich die Herren sehen und kann mit Fug und Recht behaupten, dass dies das beste Konzert dieser Reihe war. Nach dieser Packung kam man um einen Absacker nicht herum. Und um ein Wärmkissen für den Nacken ebenfalls nicht.

Setlist MISERY INDEX:

  1. We Never Come In Peace
  2. Manufacturing Greed
  3. The Great Depression
  4. The Spectator
  5. Sleeping Giants
  6. New Salem
  7. Conjuring the Cull
  8. You Lose
  9. Sheeps and Wolves
  10. Conquistadores
  11. Unmarked Graves
  12. The Choir Invisible
  13. Hammering The Nails
  14. Ruling Class Cancelled
  15. Dead Shall Rise (Terrorizer Cover)
  16. The Carrion Call
  17. Traitors

 

Photocopyright by Luis Gerardo – rockatuestilo.com (Facebook)