Surface Bandpic

Ein brüllend heißer Tag in Ahrensburg. Am 27.07. hieß es „3 x Ballern – 5 Euro“ im JuKi42, mit am Start waren MEISTER SCHEISZE, PRETEENANALQUEEN und NERO DOCTRINE. Sowohl bei erst- als auch zweitgenannter Band sind Mitglieder von SURFACE involviert. Durch diese Konstellation ergab sich die optimale Möglichkeit, um mit Marco (Drums, links im Bild), Tom (Vocals/Gitarre, z.v.l.) und Tim (Bass/Vocals, z.v.r.) sowohl über die Vergangenheit, die Gegenwart als auch die Zukunft der Band in entspannter, lustiger Runde zu plaudern und zu ergründen, wie eine Band im Underground funktionieren kann.

Zunächst erst einmal vielen Dank, dass Ihr euch Zeit für dieses Interview nehmt. Ihr seid mit SURFACE seit 2010 unterwegs und habt in den letzten Jahren eine Menge Boden im deutschen Underground gut gemacht. Wie ging die Reise überhaupt los? Was war der Startschuss?

MARCO: Alles begann in der Ausbildung. Zwei Kollegen von mir spielten jeweils Gitarre und Bass. Ich spielte bereits Schlagzeug und wir haben uns gedacht, dass wir doch einfach mal eine Band gründen könnten. Wir haben dann im Keller meiner Eltern umgeräumt und uns dort einen Proberaum eingerichtet. Nach einigen Proben fiel uns auf, dass Vocals nicht verkehrt wären. Wir haben uns daraufhin auf „bandnet.hamburg“ angemeldet und haben einige Leute angeschrieben und geschaut was zurückkommt. Mit zwei Sängern haben wir es dann auch probiert, mussten aber feststellen, dass es nicht passte. Dann kam Tom, damals noch jung und motiviert, bei dem die Chemie sofort stimmte und der auch blieb.

TOM:  Der war dann ganz ok und besser als nix. (lacht)

MARCO: Mit der Zeit ist das Ganze dann gewachsen und wir konnten auch Live-Auftritte spielen. Während Tom und ich die Sache etwas ernster durchziehen wollten, die anderen beiden die Sache aber eher als Spaßprojekt gesehen haben, mussten wir uns dann leider trennen. Was den Startschuss für SURFACE gab.

TOM: Zuerst wollten wir uns Mavery, Voices of Astray oder Darkest Theory nennen. Wobei ich Voices of Astray am Besten fand, das klang wie „Aschenbecher“ (lacht). Als ich dazukam, brachte ich meinen alten Schulfreund Jason, mit dem ich ein Black Metal Projekt hatte, gleich mit. Allerdings zogen noch viele Jahre ins Land bevor die Sache richtig ins Rollen kam, da wir damals kein Geld für geiles Equipment oder Aufnahmen hatten. Das hat sich geändert, seitdem Tim und Johnny mit dabei sind. Machen wir uns nichts vor, eine Band benötigt finanziellen Background, z.B. für’s Studio. Irgendwo muss das Geld dafür herkommen, wir sind aber ebenso froh darüber, dass wir in den letzten Jahren viele Kontakte geknüpft haben, was auch immens wichtig ist.

Ihr spielt Death/Thrash mit modernen und melodischen Anteilen und einigen epischen Passagen. Wie kommt ihr, trotz unterschiedlichen Musikgeschmäckern, auf einen gemeinsamen Nenner?

TOM: Das Songwriting läuft eigentlich immer relativ ähnlich ab. Wir sind da recht old school und schreiben oft zusammen im Proberaum. Irgendwer bringt eine Idee mit oder nimmt zu Hause etwas auf und schickt es den anderen. Jeder bringt dann seinen Einfluss mit rein und wenn es als geil empfunden wird, dann übernehmen wir es. Das merkt man durch den Besetzungswechsel auch brutal. Die Einflüsse von Johnny und Tim sind beim neuen Album auch viel mehr enthalten, wodurch die Musik ein völlig anderes Gewand bekommen hat. Jeder bringt sich auf eine natürliche Art und Weise mit ein.

TIM: Vorher hat beispielsweise Tom sämtliche Texte geschrieben, was wir uns beim neuen Album aufgeteilt haben. Dadurch, dass ich bereits zuvor viele Bands durchlaufen habe, bei denen ich mitunter die treibende Kraft in Sachen Songwriting und Lyrics war, haben wir das Texten diesmal auch gesplittet. Wobei das Gros nach wie vor von Tom kommt, da er sich besser mit der Materie auskennt.

Personell hat sich einiges bei euch getan. Jason entschied sich 2017 die Band nach sieben gemeinsamen Jahren zu verlassen und Johnny verstärkte wiederum seit 2018 das Team. Hatte Johnny, sozusagen als „Neuzugang“, Einfluss auf die Entstehung des Albums?

TOM: Ja brutal! Wir hatten bereits ein oder zwei Songs in der Mache bevor Jason ausstieg. Wir wollten Anfang 2018 ursprünglich mit dem Schreiben des neuen Albums beginnen, was sich dadurch allerdings verzögerte. Da das Album aber bis auf angesprochene ein, zwei Songs noch Rohfassung war, konnte Johnny problemlos Einfluss nehmen, worüber wir sehr dankbar waren. Er war von Anfang an mit vollem Elan dabei. Du musst dir vorstellen: Jemand kommt in eine Band, die plant etwas aufzunehmen, über die monetäre Belastung haben wir ja bereits gesprochen und er hat nie auch nur gefragt oder sich darüber beschwert, dass er jetzt unter anderem auch finanzielles Commitment leisten muss. Er hat die Sache von Beginn an direkt mitgetragen.

Er kam quasi dazu und sagte: „Das machen wir? Ok geil, ich bin dabei!“?

TIM: Genau. Es stand auch für ihn immer außer Frage, dass die Band laufen muss.

TOM: Ich bin ja schließlich nicht der einzige Beamte in der Band. (lacht)

Gibt es Details in Sachen Stilistik bzw. musikalische Ausrichtung des neuen Materials, die ihr verraten möchtet?

TOM: Ich esse jetzt mein Bifteki. (allgemeines Lachen)

TIM: Ich würde behaupten, dass es technisch versierter und stimmiger ist. Dadurch dass insgesamt zwei von vier Musikern relativ neu sind, ändert sich zwangsläufig etwas. In einigen Parts ist es mehr straight forward und in einigen deutlich progressiver.

TOM: Es ist auch deutlich mehr Death Metal als Thrash Metal. Durch die Vocals ist das Album auch sehr divers geworden. Tim singt inzwischen auch sehr viel mit und eine zweite Stimme präsent zu haben macht einfach sehr viel aus.

Zumal zwei Personen, obwohl sie Shouts oder Growls bedienen, immer etwas anders klingen und mehr Kontrast bieten.

TIM: Obwohl es lustig ist, dass wir es zumindest live hinkriegen beinahe gleich zu klingen. Auf dem Album ist das allerdings nicht der Fall, da haben wir drauf geachtet, dass Diversität da ist. (lacht)

TOM: Du bist ja auch mein Brother from another Mother. (lacht)

Warum beschäftigt ihr euch ausgerechnet mit der griechischen Mythologie? Es gibt immens viele Themenfelder, die man beackern könnte. Sei es nun Tod und Teufel, soziale Missstände oder persönliche Erlebnisse.

TOM: Und genau das ist der springende Punkt! Eben weil es so viele Themen gibt, die bereits benutzt wurden.

TIM: Die nordische Mythologie zum Beispiel wird im Metal totgespielt.

TOM: Ich finde die nordische Mythologie nicht schlecht, aber die griechische hat mich immer mehr fasziniert. Gerade die Geschichten von Homer oder Hesiod sind unglaublich vielfältig und es ist eine so tolle mythologische Welt, die damit aufgebaut und auch mehrfach verfilmt wurde. Mich hat es als Kind bereits mit Disneys „Hercules“ angemacht. Ich dachte damals schon, dass man diese Thematik sehr gut in Artworks und Texten darstellen kann. Ich glaube Marco war das damals allerdings egal. (lacht)

MARCO: Ich dachte nur: Gut, dass er so einen Plan hat und davon auch so überzeugt ist das umzusetzen. (lacht)

TIM: Du hattest ja vorhin bereits die Epicness angesprochen und ich glaube es gibt keine Mythologie, die mehr Epicness verkörpern kann. Wenn man zum Beispiel die Spiele von „God of War“ anschaut, die in den Gamermedien als die epischsten Spiele aller Zeiten angesehen werden, dann kann einem auch klar werden, dass die griechische Mythologie den anderen Mythologien einen ganzen Schritt voraus ist. Du hast dort bombastische Bilder, wenn du dir diese Geschichten anhörst. Aber auch in all den Filmen, die in Bezug darauf gemacht wurden wie z.B. „Zorn der Titanen“ oder eben Disneys „Hercules“ als Zeichentrick haben das super dargestellt. Ich hatte damals, nachdem ich die Videokassette kaputt geguckt habe, eine Hörspielkassette, die auch irgendwann kaputt war. Insofern war das bei mir ähnlich wie bei Tom.

Warum nicht Death Metal mit plattdeutschen Shantygesang? Die Thematik ist ja auch ziemlich unverbraucht.

TOM: Vielleicht ist es geil, aber ich kann sowas einfach nicht. (lacht)

TIM: Das Shanty Thema verlangt aber auch dann nach einem Schifffahrtsklavier und vielleicht fühlen wir uns trotz dessen, dass wir durch und durch Norddeutsche sind der Sache dann doch nicht so nah. (lacht)

Im Song „Poseidon“ gibt es die Zeile „Hail to the fish god!“, vielleicht ist damit ja auch der heilige St. Nikolai, der Schutzpatron der Fischer in Hamburg, gemeint.

TIM: Bestimmt! (lacht)

TOM: Die Texte lassen ja auch immer Raum für Interpretationen. Wir erzählen ja nicht die Geschichten von Homer einfach nach, sondern es ist davon inspiriert und es sind eigene Geschichten. Die ganzen Überlieferungen sind im Prinzip ja auch von anderen geschrieben und erzählt worden. Vor Platon gab es nicht allzu viele Aufzeichnungen von dieser Thematik.

Ihr habt nebenher noch PRETEENANALQUEEN und MEISTER SCHEISZE am Start, dazu kommt, dass ihr alle berufstätig seid. Habt ihr für euch mittlerweile ein festes System etabliert, wie ihr euch die Zeitfenster für SURFACE ermöglicht?

TIM: Wir kommunizieren viel, so ziemlich täglich, über Whatsapp. Ich denke aber, dass es eine reine Prioritätensetzung verlangt. Wenn du neben der Musik nichts groß anderes hast was dich einspannt, dann kommt die Musik nach Job und Familie direkt an dritter Stelle. Dadurch, dass wir alle geregelte Arbeitszeiten haben ist es an sich aber nicht allzu schwierig.

TOM: Ich denke, was es momentan eher schwierig macht, ist, dass ich nicht in Hamburg, sondern in Baden-Württemberg wohne. Die Herausforderung ist jetzt wie man damit umgeht und wie es sich entwickelt. Wir schreiben viel miteinander und skypen regelmäßig. Proben können wir dadurch nicht besonders oft, außer wenn ich in Hamburg bin. Das Schöne daran ist allerdings, dass wir mit oder ohne vorangegangene Probe zum Gig fahren und es einfach läuft. Das macht auch Freundschaft für mich aus, egal wie lange du nicht da bist, es ist immer so als wärst du nicht weg gewesen. Die anderen Jungs haben neben Job, Familie und teilweise drei Bands ebenfalls noch private Baustellen, bei mir kommt viel Sport und meine Verlobte dazu, letztlich muss man einfach Prioritäten setzen. Wenn das Umfeld dazu auch noch akzeptiert wie wichtig und was für ein Ausgleich zur Arbeit das Ganze für einen ist, dann ist es auch ok.

TIM: Ich bin auch sehr dankbar, dass meine Freundin damit so entspannt umgeht und Verständnis dafür hat, dass ich im Prinzip 60 Prozent der Wochenenden im Jahr nicht zu Hause bin.

TOM: Was sowas angeht bin ich ja der alte Mann in der Band, obwohl ich der jüngste bin (lacht). Es ist auch wichtig innerhalb der Band kommunizieren zu können, dass gewisse Zeiträume einfach leider nicht zur Verfügung stehen und das sollte dann auch ok sein.

Ihr seid in letzter Zeit viel mit DEBAUCHERY/BLOODGOD/BALGEROTH unterwegs gewesen bzw. unterstützt die Stuttgarter Urgesteine dieses Jahr ebenfalls bei vielen Dates ihrer Tour. Tim hatte bei vier Konzerten in Spanien sogar am Bass ausgeholfen. Wie kam diese Verbindung zustande?

TOM: Wir hatten 2016 DEBAUCHERY für das „Unleash the Kraken Festival“ gebucht und haben uns super verstanden. Gerade mit Thomas sind wir in Kontakt geblieben und dann haben wir ihn einfach gefragt, ob wir nicht mal mit auf eine Tour kommen können. Normalerweise ist es leider inzwischen so, dass man als kleinere Band bezahlen muss, um auf eine Tour mitgenommen zu werden. Das ist uns aber Gott sei Dank erspart geblieben, da man mit Thomas und den Jungs echt entspannt arbeiten kann. An dieser Stelle shout outs an DEBAUCHERY dafür! Die Tour lief echt gut, es gab keinen Stress und alles lief absolut reibungslos.

Mit TORTURIZED und GODZKILL pflegt ihr auch eine enge Verbundenheit. Ihr habt zusammen bspw. die „Plague From the Underground Tour“ gespielt. Trotz dessen, dass ihr aus Hamburg, Magdeburg und Heilbronn kommt, seid ihr viel in Kontakt. Wie kam das zustande?

TOM: Das Ganze kam durch Austauschgigs zustande. Wir haben uns mega gut miteinander verstanden. Die Atmosphäre war von jeher immer sehr familiär, sodass wir einfach beschlossen haben eine gemeinsame Tour zu planen. Jeder einzelne hat so viele Gigs aktiviert wie möglich, damals war auch AWAITING DOWNFALL dabei, die es leider nicht mehr gibt. Die anderen haben sich auch gut miteinander verstanden und das war ein ideale Ausgangslage dafür. Wir haben alle irgendwie einen Knacks gehabt, der in dieselbe Richtung ging, was die Sache noch zusätzlich begünstigte. (lacht)

Apropos Knacks: Wenn man eure Social Media Kanäle verfolgt, fällt einem relativ schnell auf, dass ihr auf Klaus Kinski steht…

TOM: Das hab ich noch nie gesehen! (lacht)

TIM: Das war auch einfach irgendwann da. Einer von uns hatte ein Meme gebastelt und das hat eingeschlagen wie eine Bombe. Ab diesem Zeitpunkt haben wir uns nur noch mit: „Du dumme Sau!“ angeschrien. Die Sache hat sich dann irgendwann verselbstständigt und mittlerweile sind wir SURFACE alias Klaus Kinski Band.

TOM: Das ist aber auch völlig ok. (lacht)

TIM: Natürlich nicht! Er ist eine deutsche Ikone und wir sollten uns einsetzen ihn nicht zu vergessen.

TOM: Zumindest für die guten Sachen, die er getan hat.

TIM: Also für die Sachen zwischen seinen Filmen. (lacht)

Noch eine weitere besondere Verbindung habt ihr mit dem „Unleash the Kraken Festival“, welches dieses Jahr in die achte Auflage geht und bei dem dieses Jahr mit DAGOBA zum ersten Mal eine internationale und nicht deutsche Band als Headliner bestätigt wurde. Was hat es damit auf sich?

TOM: Bei unserem ersten Albumrelease haben wir im Jugendclub in Stellingen damals dort das erste Mal dieses Festival ausgerichtet. Danach haben wir ein Jahr damit pausiert und es dann im Folgenden immer weiter betrieben. Am Anfang ging es eher schleppend voran, bis wir uns dazu entschieden, eine größere Band dazu zu buchen, weil wir noch mehr damit reißen wollten. Wir hatten 2015 die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS zu Gast, 2016 dann DEBAUCHERY. Dieses Jahr wollten wir noch eine Schippe drauflegen und starteten eine Umfrage, ob es für die Leute in Ordnung wäre, wenn sie ein wenig mehr Geld ausgeben würden, dafür aber auch eine international größere Band bekommen würden. Mit 85 Prozent sprachen sich die Leute dafür aus. Wir haben einige Bands angedacht, von denen allerdings einige nicht konnten. Dann kamen aber DAGOBA und deren Booking um die Ecke und wir sind uns ziemlich schnell einig geworden. Ich kann gar nicht sagen, wann DAGOBA das letzte Mal in Hamburg waren oder ob sie überhaupt jemals in Hamburg waren.

Was steht in Zukunft bei euch an? Ihr habt jüngst bei Reaper Entertainment unterschrieben, bedeutet das, dass ihr bereits irgendwas in der Pipeline habt?

TOM: Was auf jeden Fall kommt, ist ein neues Album und das noch dieses Jahr. Weiterhin haben wir dann die Support-Tour mit DEBAUCHERY und EISREGEN auch dieses Jahr noch am Start. Nächstes Jahr haben wir bereits einige Festivals in Planung,

TIM: Der eine oder andere könnte gesehen haben, dass wir auf dem Metal Frenzy Festival nächstes Jahr vertreten sind.

TOM: Einige andere sind bislang noch unbestätigt. Wir sind ebenfalls in Gesprächen mit Bookingagenturen, um eventuell nochmal eine Tour durch Tschechien zu machen. Ziel ist natürlich auf längere Sicht eine Europatour, aber man will auch nicht zu viel versprechen, wenn vieles noch nicht in trockenen Tüchern ist. Da soll es auf jeden Fall aktiv weitergehen. Touren ist eh das was uns am meisten liegt. Das sieht man auch an dem Takt in dem unsere Alben veröffentlicht wurden, weil wir lieber live spielen als Songs auzunehmen. (lacht)

Vielen Dank für eure Zeit! Die letzten Worte gehören euch.

TOM: Vielen Dank für das Interview!

TIM: Vor allem auch ein Danke an die Leute, die unsere Musik hören und vor allem auch in Zukunft noch Bock haben, unsere Mucke zu hören und zu unseren Konzerten kommen!