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Es ist wieder ein Jahr vergangen und so reisen wieder tausende Metalheads in das beschauliche Ballenstedt, um in diesem Jahr zusammen mit Bands wie SOILWORK, DIMMU BORGIR, oder AMON AMARTH ordentlich die Haare fliegen zu lassen. Vorher muss jedoch das Camp aufgestellt und irgendwie erst mal auf das Gelände gekommen werden. Nachdem im letzten Jahr die Anreise super geklappt hat, muss man in diesem Jahr gut und gerne mal fünf(!) Stunden warten. Wenigstens regelt das RHZ weder den Verkehr, noch stellt mehr Leute an den Schleusen ab, sondern verkündet noch stolz auf Facebook, dass man „einen Mitarbeiter sich auch im Auto im Stau hat anstellen lassen, um mit den Fans mitzufühlen“.  Hier fehlen selbst unserem wortgewandten Lieblingsjournalisten die Worte. Der Unmut ist dementsprechend auch auf dem Campingplatz groß. Auch die Tatsache, dass viele Frühanreiser kaum Platz haben, um einen Pavillon aufzustellen, ist bei dutzenden Leuten, mit denen man sich das Festival über unterhalten hat, eher negativ angekommen.
-MITTWOCH-

Los geht der erste richtige Festivaltag mit BROTHERS OF METAL, die etwa sowas wie die Manowar der nordischen Mythologie sind. Einfach mal kurz die Edda aufschlagen, interessant klingende Worte markieren, wie „Yggdrasil“, „Valhalla“ oder „Odin“, und daraus dann einfach ein paar dutzend gleich klingende Songs schreiben. Dem Publikum gefällt es trotzdem, von daher kann man hier nicht viel meckern. Dem starken Wind geschuldet, ist der Sound stellenweise allerdings eher semi. Aber dafür kann halt niemand was.

Weiter geht es mit dem polnischen Schlachtschiff VADER, die mal ordentlich die Hütte abreißen wollen. Die Band gibt richtig Vollgas und dass Publikum feiert, trotz Hitze, ziemlich ausgiebig mit. Auch hier ist der Sound eher schwankend, allerdings schon eine Ecke besser als bei der Band zuvor. Als Outro gibt es natürlich den „Imperial March“ aus dem Film Star Wars. Das ist so platt, dass man wieder schmunzeln muss.

Nach VADER geht es weiter mit COMBICHRIST, die deutlich suboptimal daherkamen. Die Band sollte häufiger Mallorca-Hits und Tobee hören, denn der Bass muss ficken – hat er leider nur nicht. Irgendwie hat bei COMBICHRIST der Druck gefehlt. So richtig Stimmung kam daher leider auch nicht auf. Bei einem Konzert muss man vergessen, was Bass und was Herzschlag ist. Wenn dann gar kein Bass da ist, dann hört auch das Herz des musikverliebten Metalheads auf zu schlagen. Der Auftritt war eher mau und somit konnte man die Zeit lieber nutzen, um ein paar Bierchen zu trinken. Jedoch sind die Servicekräfte teils aufgrund des hohen Angebots etwas überfordert. Aber besser, als dass es gar keine Auswahl gibt.

Weiter geht es mit J.B.O.- ganz nach dem Motto ihres Songs „Scheiß drauf Wacken/Rockharz ist nur einmal im Jahr“ wird ordentlich gefeiert. Die Band hat das Publikum gut im Griff und daher überrascht es auch nicht, dass die Stimmung ausgelassen ist. Mittlerweile hat es sich auch etwas abgekühlt, sodass auch ein paar Pits entstehen, ohne dass die Angst aufkommt, ein Sauerstoffzelt kurze Zeit später zu benötigen. Die Band lässt ihre Fans zum Ende nochmal ordentlich mitsingen zu Songs wie „Alles nur geklaut“ oder „Bolle“. Gute Show, wenn nicht mein Geschmack, aber hat dennoch Spaß gemacht.

-DONNERSTAG-

BLOOD RED HOURGLASS eröffnen diesen Tag und legen gut vor. Die Stimmung für die frühe Uhrzeit ist ziemlich gut, wenn sich auch nicht unbedingt die großen Moshpits auftun. Liegt wahrscheinlich noch am Kater vom Vortagssuff. Der Auftritt ist sehr solide und das Publikum ist zufrieden.

Als nächstes sind STAM1NA an der Reihe und hier lichten sich die Reihen bereits wieder. So richtig Stimmung will nicht aufkommen, was auch an den für die meisten unverständlichen Texten auf Finnisch liegen könnte.

Bei NERVOSA ist dann gleich wieder mehr los. Die drei Mädels haben sichtlich Spaß an ihrem Auftritt und das überträgt sich schnell auf das Publikum. Beide Parteien feiern den dargebotenen Thrash Metal ordentlich ab, was man an den Moshpits gut erkennen kann. Trotz der Temperaturen haben die Leute Lust sich zu bewegen. Und spätestens jetzt fällt dem geübten Beobachter auf, dass sowohl die Menschen als auch der vorherrschende Wind ständig Staubwolken aufwirbeln und man oft nicht weiß, ob Nebel- der Staubschwaden die Sicht trüben.

Als Kontrastprogramm folgen LACRIMAS PROFUNDERE und bieten soliden Gothic Rock. Der Sänger motiviert das Publikum unentwegt mitzumachen. Die Leute sind zwar durchaus gewillt, aber man merkt dann doch, dass die hinteren Reihen, die in der Sonne stehen, sich ein wenig schwer tun aktiv die Musik zu feiern, doch die Band lässt sich davon nicht den Spaß verderben. Nach den ersten Liedern beschließt der Sänger die Bühne zu verlassen und die ersten Reihen zu besuchen. Während die Fotografen gute Schnappschüsse abgreifen, freuen sich die Fans über die Nahbarkeit. Mit der Dauer des Sets zeigt der Sänger auch immer mehr Haut, sodass sich viele Fans sicherlich über den Anblick freuen. Gegen Ende bedankt dieser sich noch bei den Securities im Graben, bevor er für das letzte Lied wieder auf die Bühne zurückkehrt.

Nach dieser Show geht es mit THE UNGUIDED weiter. Auch hier bleibt die Menge eher übersichtlich, aber sowohl das Publikum als auch die Band haben Spaß. Insbesondere letztere scheint richtig motiviert zu sein, denn die Musiker fegen über die Bühne, geben alles und äußern ihre Dankbarkeit gegenüber dem Publikum.

COPPELIUS klingen dieses Mal rockiger als sonst, aber das ist nicht von Nachteil. Auch diese Band hat Spaß und hat sich ein paar Sachen einfallen lassen, um die Leute zusätzlich zu unterhalten. So ging zum Beispiel ein Hut für Spenden rum, der es auch wieder zurückgeschafft hat. Außerdem beschließt der Butler crowdsurfen zu gehen und dabei Sekt zu verteilen – sehr zuvorkommend, wenn auch risikobehaftet bei der knallenden Sonne. Der neue Drummer der Band macht seine Sache ebenfalls gut. Insgesamt liefer die Band eine klasse Show.

Darauf folgen FEUERSCHWANZ, und da merkt man, dass die Band beliebt ist, denn jetzt ist es deutlich  voller vor der Bühne. Der Haupthit wird nicht gespielt, doch das tut der Stimmung keinen Abbruch. Die Band animiert die Meute regelmäßig und diese geht gut mit. Zusätzlich hat die Band eine Animatöse mitgebracht, die im freizügigen Katzenkostüm für Stimmung sorgt. Was will man von dem Mario Barth des Mittelalterrock auch anderes erwarten.

Als nächstes folgt mal wieder Kontrastprogramm mit OVERKILL. Auch hier ist es wieder voll vor der Bühne und die Band legt sich durchaus ins Zeug. Letztendlich wird hier aber ein Thrash Song nach dem anderen runtergeballert, sodass hier jetzt keine Überraschungen parat stehen.

Für viele folgte daraufhin eines der Highlights des Festivals: LORDI. Zu Anfang ist der Sound recht matschig, doch mit der Zeit wird der Sound wieder besser. Außerdem schnackt der Sänger sehr häufig zwischen den Songs, sodass wertvolle Zeit drauf geht, aber die Show ist trotzdem sehr gut. Basser Ox haut noch ein Slapp-Bass Dubsteb Solo hin, immerhin ist es eine seiner letzten Shows. Während Songs wie „Devil is a Loser“ oder „Who’s your Daddy“ sind hier und da ein paar Fans am Feiern, allerdings ist die Stimmung eher verhalten. Bis dann der finale Abschluss kommt: Hard Rock Halleluja! Als hätte das gesamte Publikum nur auf diesen Song gewartet – hier ist nochmal ordentlich Abriss angesagt. Ein wirkliches gelungenes Ende für einen soliden Auftritt.

Die folgende Band muss da erst einmal nachlegen. Doch auch HÄMATOM liefern gut ab. Die Menge dankt es ihnen und feiert ordentlich mit. Die vielen Crowdsurfer werden vom Drummer gekontert, der sich mit einer abgespeckten Version seines Schlagzeugs in die Menge stürzt. Es ist ein wenig schade, dass zum Schluss die Ballade „Todesmarsch“ nur vom Band kam.

WINTERSUN betreten nun die Bühne. Am Anfang war der Sound noch nicht so gut eingestellt, doch dann wurde es immer besser. Zum 15-jährigen Jubiläum des ersten Albums wurde dieses in seiner Gänze auf dem Rockharz gespielt. Diese Jubiläumsshows sind zwar gerade im Trend, doch die Fans sind immer froh über solche Besonderheiten im Set. Die Leute sind zahlreich vor der Bühne erschienen und feierten die Band. Hier ist eher epische Stimmung als ausrasten angesagt.

Nun kam eine der Metalgrößen auf die Bühne. CRADLE OF FILTH zogen viele Fans vor die Bühne, wobei sie auch durchaus auch davon profitierten, dass nach ihnen der Headliner folgen sollte. Die Band bietet eine gute, vor allem lichtlastige Show und der Sound ist wirklich gut austariert. Doch auch das macht leider nicht wett, dass Dani wie immer nur drei Frequenzen live zu bieten hat. CRADLE OF FILTH kommen auf Platte dann doch deutlich besser rüber. Die Keyboarderin war stimmlich besser aufgestellt. Gegen Ende folgen die Highlights „Nymphetamine Fix“ und zum Schluss „Her Ghost in the Fog“.

Sofort wird es auf dem Infield gefühlt noch mal doppelt so voll, da sich nun endlich der Headliner ankündigt. AMON AMARTH betreten die Bühne und das Publikum ist von der ersten Sekunde an voll dabei. Es werden alle Hände in die Höhe gehoben und bei Aufforderung wird lautstark mitgegrölt. Johan begrüßt die Menge in bestem Deutsch und setzt dann mit ausgiebigen Haareschwingen das Set fort. Die Songauswahl ist wirklich gut ausgewogen, so kommen alle Fans auf ihre Kosten.  Es finden sich sowohl aktuelle Hits wie „Raven’s Flight“ als auch Klassiker wie „Legend of the Banished Man“ und „Death in Fire“ im Repertoire wieder. Auch bühnentechnisch wurde einiges aufgefahren. Neben Pyrotechnik und einem Schlagzeugpodest mit Helmverkleidung, kommen noch Wikinger-Schausteller und eine aufblasbare Midgardschlange zum Einsatz. Das Publikum bekommt das volle Entertainment-Paket angeboten. Die Band ist in Bestform und haut die Songs voller Motivation aus den Lautsprechern raus. Zwischendurch dankt Johan den Fans für die Unterstützung, da das aktuelle Album „Beserker“ sogar die Spitze der deutschen Albumcharts erklimmen konnte.

-FREITAG-

Als zweites an diesem Tag sind die Jungs von MILKING THE GOATMACHINE dran und man merkt, dass viele Leute Bock auf die Band haben, da sie sich zahlreich vor der Bühne versammelt haben. Für vormittags ein erstaunliches Schauspiel. Doch die Meute will ausrasten und das tut sie auch. Die Band hat sichtlich Spaß und gibt alles. In der ersten kurzen Verschnaufpause wird „I like Big Butts and I can not lie“ angestimmt, um gleich darauf die Instrumente weiter zu vergewaltigen. Es ist schon immer wieder bemerkenswert, wenn der Schlagzeuger gleichzeitig auch der Sänger ist und das bei der Geschwindigkeit, die die Band an den Tag legt. Neben Auskopplungen aus dem neuen Album werden auch beliebte Songs wie „Ding Dong Motherfucker“ angestimmt. Es bilden sich immer wieder Moshpits und die Band ruft auch zu einer Wall of Death auf. Das Set ist nach einer halben Stunde auch schon abgespielt, es ist jedoch deutlich, dass die Menge gerne noch weitergefeiert hätte – genau wie die Band, die dankbar für die Massen zur frühen Stunde die Bühne verlässt.

Es folgen NAILED TO OBSCURITY, die leider kein so großes Publikum mehr vor der Bühne haben. Die Band spielt soliden Melo Death Metal, doch dieser käme wahrscheinlich besser rüber, wenn es nicht so warm wäre. Dementsprechend ist das Publikum nicht so sehr gewillt zur Musik abzugehen.

Als nächstes kommen die WARKINGS auf die Bühne, erneut eine Band in Gewandung mit Texten über Schlachten und mutige Krieger. Die Nachfrage danach ist zwar recht hoch, das Angebot aber mittlerweile doch ziemlich übersättigt. Die Menge ist immer noch nicht signifikant angewachsen. Während zunächst vor allem die ersten Reihen, die vom Schatten der Bühnen profitieren, gut mitmachen, kommen von Song zu Song mehr und mehr Leute in Fahrt und feuern die Band an.

Mit SOILWORK geht es kurze Zeit später weiter. Die Band um Sänger Björn „Speed“ Strid gibt von Beginn an ordentlich Vollgas und reißt das Publikum direkt mit. Das Infield verwandelt sich ganz schnell in einen einzigen Moshpit und die Bühne ist aufgrund des Staubs kaum noch sichtbar, hier wird hart gefeiert. Der Sound ist einsame Spitze und die Band hat sichtlich Spaß. Sehr traurig ist dann doch die Songauswahl, denn Klassiker wie „Rejection Role“, „Figure Number Five“ oder gar irgendein Song vom „Figure Number Five“ Album fehlen komplett. Da überrascht es auch nicht, dass die Fans nach Ende des Konzerts nach noch einmal genau diesen Songs schreien – leider vergeblich.

Nach SOILWORK geht es weiter mit DRAGONFORCE, die direkt in der Klischeetrickkiste gekramt haben und die Bühne in ein einziges Fantasieland mit Drachen, Podesten, und was nicht allem verwandelte. Auf jeden Fall macht das Bühnenbild gut was her, ob man es nun mag oder nicht. Ansonsten ist der Auftritt so lala, auch wenn ich jetzt wie ein Hipster klinge, aber früher war das alles besser. Zumindest mit dem alten Sänger. Hier kann man auch getrost nach den ersten paar Songs verschwinden.

Mal wieder könnte der Kontrast nicht größer sein. Der heutige Headliner ist nämlich niemand geringeres als DIMMU BORGIR. Auch die Norweger haben eine tolle Bühnenkulisse aufgefahren, die natürlich insbesondere Fans des Okkulten anspricht, doch gleichzeitig ist die Deko nicht überladen, was eine angenehme Abwechslung ist. Der Sound ist ebenfalls super abgemischt, nur der Bass klingt an ein, zwei Stellen etwas zu dröhnig. Die Leute sind guter Dinge, doch wie bei Black Metal Shows öfter zu beobachten, ist das Energielevel eher bei 90 als bei 100%. In die Luft gereckte Arme und fliegende Haare sind da, aber massenhaft Bewegung lässt sich kaum ausmachen. Zum Schluss erklingen die Klassiker „Progenies of the Great Apocalypse“ und „The Mourning Palace“, sodass das Set gut abgerundet wird und die Leute mit dem Auftritt zufrieden sind.

Wer sich also bei DIMMU BORGIR nicht ausreichend verausgaben konnte, erhält diese Chance bei der darauffolgenden Band: RUSSKAJA lädt zum spätabendlichen Workout ein. Wenn die Band aus Österreich eins kann, dann ist es Party. Von der ersten Minute an ist die Stimmung absolut ausgelassen und das Publikum steht nur in den Pausen zwischen den Liedern still – aber nur um zu verschnaufen und kurz Luft zu holen. Die Band haut einen Hit nach dem anderen raus und die Leute kennen die Ansagen teilweise schon sehr auswendig, dass die entsprechenden Vorkehrungen getroffen werden, ohne dass der Sänger großartig die Dinge ansagen muss. Dies ist vor allem bei „Psychotraktor“ der Fall. Es wird mitgesungen, gesprungen, getanzt und gelacht. Die Stimmung ist so gut, dass man gar nicht merkt, wie die 45 Minuten des Sets vorbeifliegen. Die meisten sind nach dieser Aktion müde genug und ziehen sich in ihr Camp zurück.

-SAMSTAG-

Den letzten Tag des Festivals eröffnen FOLLOW THE CIPHER, eine schwedische Symphonic Power Metal Band. Zunächst ist der Platz vor der Bühne eher spärlich mit Menschen besetzt, doch mit der Zeit kommen immer mehr dazu. Zuvor gibt es einen längeren Soundcheck, sodass die Band ein wenig verspätet die Bühne betritt, doch sie lassen sich davon den Auftritt nicht vermiesen. Bei Aufforderung wird das Publikum wach und macht mit, eine Person entschließt sich sogar zu crowdsurfen. Mit der Zeit werden die Leute warm, im wahrsten Sinne des Wortes, doch so richtig Stimmung möchte zu der Stunde noch nicht aufkommen. Dies hat die Band aber nicht verschuldet.

Danach übernehmen die Jungs von HELL BOULEVARD die Nachbarbühne. Auch hier ist das Publikum nicht sehr dicht gesät und die ersten Reihen erfreuen sich über den Schatten, den die Bühne bietet. Das mag auch der Grund sein, warum diese so gut mitmachen und die Musik feiern. Mit der Zeit gesellen sich noch ein paar Hörer dazu. Es ist zwar kaum was los vor der Bühne, doch mal wieder ist der Wind so stark, dass viel Staub aufgewirbelt wird und die Nebelmaschine damit eigentlich arbeitslos macht. Metalcover von Popsongs kommen eigentlich immer gut an. Das dachten sich wohl auch die Schweizer, denn gegen Ende spielen sie ihre Interpretation des Britney-Spears-Klassikers „Hit Me Baby One More Time“. Da grölt das Publikum natürlich mit und zeigt sich textsicher. Ein bisschen Spaß muss sein.

Es folgt erneut Symphonic Metal, dieses Mal aus dem Nachbarland Österreich. VISIONS OF ATLANTIS kommen auf die Bühne und werden von deutlich mehr Menschen als bei den Bands davor begrüßt. Diese machen gut mit und haben sichtlich Bock auf die Band. Man lässt es sich nicht nehmen ein paar neue Songs vom demnächst erscheinenden Album zu spielen, doch einer klingt schon sehr verdächtig nach Nightwish. So wie sich so gut wie alle Fantasy-Autoren an Tolkien orientieren, so tun dies viele Symphonic Metal Bands eben bei den Finnen. Aber etwas weniger auffällig wäre schon angebracht. Mal abgesehen vom Wind, der den Sound ab und zu ein wenig beeinträchtigt, taucht eigentlich nur ein kleines Problem auf, nämlich dass der Bass ein paar Mal zu dröhnig klingt. Ansonsten liefern die Österreicher einen soliden Auftritt ab und Sängerin Clémentine macht ihre Sache sehr gut. Als eine der wenigen Bands auf diesem Festival bieten sie sogar eine Ballade dar.

Mittlerweile ist das Infield wieder gut gefüllt, somit sind auch die letzten Besucher wieder wach und munter… Naja, mehr oder weniger.
Als nächstes wollen FREEDOM CALL die Fans beglücken und bitten diese gleich beim ersten Lied mitzuhüpfen. Offensichtlich ist das Publikum der Band wohlgestimmt, denn es kommt der Aufforderung direkt nach. Die Band behält die Meute gut im Griff, von den Wellenbrechern bis zum Technikturm machen so gut wie alle mit. Da die ersten Wolken aufkommen und so vermehrt für Sonnenpausen sorgen, sind die Zuschauer auch eher gewillt abzugehen. Am Anfang kündigt die Band zwar an, nicht zu viel reden zu wollen, da die Zeit knapp bemessen ist, doch daran wird sich nicht gehalten, wie die Spracheinlagen nach jedem Lied beweisen.  Zum Abschluss mobilisiert die Band noch einmal alle, um dann zufrieden die Bühne zu verlassen.

Nach kurzer Pause eröffnet ein markant hoher Schrei das Set von BURNING WITCHES und die Damen lassen handfesten Heavy Metal vom Stapel. Erst vor kurzem hat man am Mikro Laura Guldemond verpflichtet und diese zeigt eine außerordentliche Power und Stimmvielfalt. Da war die Wahl also genau richtig. Der Platz vor der Bühne ist zwar gut gefüllt, doch aus unerklärlichen Gründen will nicht so richtig Stimmung aufkommen. Unverständlich, denn die Band spielt ihr Set hervorragend runter, sodass es aus den Lautsprechern nur so knallt. Hier wird astreiner Metal geboten und die Mädels lassen richtig die Sau raus.

LEGION OF THE DAMNED reißen Ihr Set ohne viel drum herum ab. Hier wird nicht viel geschnackt – die Band lässt Taten sprechen. Zwischen den Songs gibt es kaum Zeit zum Verschnaufen und die Band prügelt einen Song nach dem anderen los. Das Publikum, wenn auch sehr zahlreich vertreten, ist jedoch eher verhalten, was wohl dem Samstag geschuldet ist. Viele sind bereits abgereist und der andere Teil bereits in Gedanken zu Hause.

Weiter geht es mit EPICA, die wohl eine schwierige Stellung in der Community haben. Entweder liebt man sie oder man hasst sie – da ist einfach nichts dazwischen. Was man aber definitiv nicht von der Hand weisen kann, ist die Tatsache, dass die Band einfach immer alles gibt und dass allesamt hervorragende Musiker sind. Hier ist richtig Action auf der Bühne und der Keyboarder läuft beinahe einen Marathon, so häufig läuft er von  der einen Bühnenseite zur anderen, um das Publikum anzuheizen. Auch der einsetzende Regen, der erste auf dem RockHarz übrigens, lässt weder Band noch Fans weichen und so wird einfach im Regen weiter gefeiert. Ein wirklich grandioser Auftritt mit super Stimmung und noch viel besserem Sound. Ob man die Band mag oder nicht – das war einfach grandios!

CHILDREN OF BODOM geben den letzten Headliner des Festivals und sind auch nicht unumstritten. Seit Jahren wechselt die Band häufiger Musiker und Stile als so manch andere Band Unterhosen, und doch faszinieren die Finnen rund um Frontsau Alexi Laiho irgendwie. Jeder, der die Band schon mehr als einmal gesehen hat, weiß, dass die Band entweder alles abfackelt oder einfach nur beschissen ist. Auf dem RockHarz ist zum Glück ersteres der Fall und die Band lässt sich zu ihren All-Time-Klassikern noch einmal ordentlich feiern. Bei einer Band, die so lange im Business ist, aber auch nicht überraschend.

 

Fazit:
Was soll man also zum RockHarz 2019 sagen? Seit Jahren loben wir von SMV das RockHarz immer und immer wieder in den höchsten Tönen, da hier auch auf die Wünsche der Fans super eingegangen wird und es eines der wenigen Festivals ist, dass sich wirklich jedes Jahr verbessert. Dieses Jahr liefen jedoch, neben positiven Dingen, wie mehr Wasserstellen, einige Sachen schief. Der Einlass war selten so beschissen, die Camper hatten durchweg kaum Platz und die Einlasskontrollen vor den Bühnen waren nicht existent. Die Securities haben einfach jeden durchgewunken und haben nebenher eher am Smartphone gehangen (wieso hatten die eigentlich Netz und alle anderen nicht?).
Dies sind jedoch eher Kleinigkeiten, die schnell behoben werden können. Ansonsten ist und bleibt das RockHarz eines der besten Festivals des Landes. Selbst der ständige Wind macht dem Festival nichts und spätestens am zweiten Tag weiß man, wie damit umgegangen werden muss, sodass der Sound – trotz Wind – wirklich gut rüberkommt. Viele Events bekommen das bei besten Voraussetzungen nicht hin – das RockHarz sogar bei schlechtesten. Also auch nächstes Jahr gerne wieder.