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25 Jahre extremer Metal, 25 Jahre massenweise Cubra Libre, 25 Jahre familiäre Atmosphäre und gute Stimmung!

Ein weiteres deutsches Festival der härteren Schule feierte Jubiläum: Das PARTY.SAN METAL OPEN AIR wurde stolze 25 Jahre jung und lud dieses Jahr erneut zur Familienfeier mit geilem Line Up ein. Die Location des Festivals, welches bis 2010 noch in Bad Berka hauste, befindet sich auf einem großen, geräumigen Flugplatz mit einem asphaltierten Rollfeld, verdichteten Boden und inmitten kleinerer Hügel und Berge. Wer sonst das Problem hat, dass er bei Festivals gerne im Schlamm und Schlick waten muss darf hier erleichtert aufatmen. So schnell matscht es hier nicht. Die Hauptveranstalter Mieze, Björn und Boy haben gemeinsam mit der Crew ein absolutes Feuerwerk des Extreme Metal aufgefahren und präsentieren sich auch im Drumherum maximalst gut organisiert und vorbereitet. Die Besucherzahl bewegt sich wie jedes Jahr im höheren vierstelligen Bereich und das Wetter soll sich laut Vorhersage ebenfalls von seiner besten Seite zeigen. Nach dem traditionellen Kraftakt des Zeltaufbaus (s.o. verdichteter Boden (ein Königreich für einen Presslufthammer!)) hieß es am Mittwoch, dem Anreisetag, zunächst Ankommen, viele Hände schütteln und Umarmungen austauschen, Rundgang um den Zeltplatz und abends Metal Disco mit HELLBORN RADIO und THE NEW NOIZE. Dadurch auf Betriebstemperatur gebracht konnte dann am Donnerstag der erste Festivaltag starten.

Donnerstag, 08.08.

Pünktlich um 13:30 verkündete das „Maskottchen“ des Festivals, die Haubitze Esmiralda, mit einem lauten und deutlich zu vernehmenden Knall die Eröffnung des Festivalgeländes. Die Zuschauer begannen ihren Strom in Richtung Hauptbühne und füllten allmählich den Platz. Das Prinzip der Haupt- und Zeltbühne, welches seit einigen Jahren verfolgt wird, soll auch dieses Jahr wieder vollkommen aufgehen. Durch die nur minimal versetzten Spielzeiten der jeweiligen Bands ist es quasi beinahe unmöglich irgendetwas zu verpassen. Was sowohl für die kleineren bzw. kultigen Bands ein definitiver Gewinn ist, da man sich das Publikum so nicht mit den Hauptbühnenacts teilen muss und man sich nicht als Zuschauer zwischen simultan auftretenden Bands entscheiden muss. Die erste Band des Festivals heißt SLÆGT, kommt aus Dänemark und bietet stark angeschwärzten Heavy Metal mit Retrocharakter und kann bereits ordentlich Zuspruch bei der Meute verbuchen. Ein super Auftakt, der direkt Lust auf mehr macht. Dadurch, dass ich vorrangig als Besucher vor Ort war, gestaltet sich die Running Order anders als bei anderen. So war nach dem Festivalopener die nächste Band auf dem Zettel SOILWORK. Die Schweden um Frontsau Björn „Speed“ Strid liefern einfach immer und anders sollte es auch dieses Mal nicht sein. Was hingegen auffällig ist, ist die Tatsache, dass recht viele Besucher nach den vorangegangenen INCANTATION schnell das Weite suchen. Natürlich ist die Reihenfolge von Oldschool Death Metal und modernem Melo-Death nicht jedermanns Sache und die Schweden sind gewissermaßen der Ausreißer im Billing, nichtsdestotrotz präsentieren sich hier viele Leute ein wenig „melodiescheu“. Sei’s drum! Songs wie „Nerve“, „The Phantom“, „Bastard Chain“ oder das abschließende Doppel „Stabbing the Drama“ und „Stålfågel“ lassen einen mit trocken gebrüllter Kehle und einem dicken Grinsen im Gesicht zurück.

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Nach der Abenddämmerung mit dazugehörigem Schmaus von einem der vielen Stände auf dem Gelände war es an der Zeit, ganz tief hinab in die Hölle zu steigen. BELPHEGOR zogen sehr viele Leute vor die Bühne, die Bock auf bitterbösen und finsteren Black/Death hatten und drapierten passenderweise die Bühne mit umgedrehten Holzkreuzen, gekreuzigten Schafkadavern/Skeletten und einer Menge Nebel. Nach ein wenig Verzögerung starteten die Österreicher mit einer Menge Feuer und druckvollem Sound, sowie atmosphärischen Blaulicht ins Set. Sänger und Gitarrist Helmuth speit seine Texte mit Gift und Galle ins Publikum, während seine Ritualgesellen in perfekter Choreographie über die Bühne wandern und Drummer Ravager einfach alles aus sich und dem Schlagzeug herausholt. Die Präzision mit der BELPHEGOR agieren sucht im Bereich Black/Death seinesgleichen und nur wenige Bands können der Abrissbirne aus Salzburg in diesem Metier auf Augenhöhe begegnen. Nackenschellen wie „Baphomet“, „The Devil´s Son“ oder „Belphegor – Hells Ambassador“ holen die Sterne vom Himmel und sorgen trotz fulminanter Feuersäulen für reihenweise Todeskälte im Publikum und sogar dem Leibhaftigem sollte bei dieser Darbietung ein (absolut positiv gemeinter!) Schauer über den Rücken gelaufen sein. Besonderes Sahnebonbon war die Darbietung eines noch unveröffentlichten Songs namens „Sanctus Diaboli Confidimus“, welcher auf dem für 2020 angekündigten neuen Album erscheinen soll. Groß!

Anschließend wurde es kultig! Und zwar mit der Verpflichtung einer DER richtungsweisenden Combos im Bereich Black Metal: TRIUMPH OF DEATH, welche Songs von HELLHAMMER zum Besten gaben. Mit nur einer Hand voll Demos und Splits hat die Truppe um TRYPTIKON und CELTIC FROST Mastermind Tom Gabriel Warrior eine dermaßen dicke Duftmarke hinterlassen, dass sie heute noch als Mitbegründer eines ganzen Subgenres gelten. 35 (!) Jahre nach der Auflösung des Projekts wurden nun die Meilensteine „Triumph of Death“ und „Satanic Rites“ nochmal ausgegraben und auf der Bühne präsentiert. Natürlich sind die Riffs keineswegs bahnbrechend komplex und selbstverständlich klingen die Titel ordentlich rumpelig und räudig unrund, aber wenn man bedenkt zu welcher Zeit sie enstanden (1982 – 1984), wird einem klar, dass die Musik ihrer Zeit um Jahre voraus war. Mit ordentlich rockiger Schlagseite und keifendem Gesang, sowie einem ungeheuer merkbaren Spaß huldigen die Schweizer den Anfängen der pechschwarzen Kompositionen und feiern eine Messe, die trotz des besagten Stils einer ausgelassenen Party gleicht. Persönlich trifft das meinen Geschmack zwar nicht durchgehend, aber Respekt sollte man der Leistung der Band allemal zollen und so läuft das kühle Blonde einwandfrei munter weiter.

Als Headliner des Festivals und des ersten Abends war es jetzt an HYPOCRISY die Bühne einzureißen. Wie nicht anders bei einem Sound-Guru wie Peter Tätgren zu erwarten, ist der Klang vor der Bühne erstklassig. Die schwedische Sci-Fi-Übermacht beginnt ihr Best-of Set mit „Fractured Millenium“ und hat die Menge ab der ersten Note fest im Griff. Begleitet von blauen Licht, einem imposanten Drum-Riser und perfekt eingespielten Kollegen lässt der Meister des Melo-Death die Puppen zu Klassikern wie „Eraser“, „End of Disclosure“ oder „Carved Up“ tanzen und setzt ein enormes Ausrufezeichen zum Ende des ersten Festivaltages. Die Menge reckt die Fäuste, lässt die Haare fliegen und feiert, als ob es keinen Morgen mehr geben würde. Ich muss zugeben, dass ich anfangs etwas skeptisch war, ob HYPOCRISY das Format besitzen, zum 25. Jubiläum dieses Festivals als absoluter Headliner zu taugen. Für diese Annahme konnte ich mich nach dem Konzert mehrfach laut schallend selber ohrfeigen, denn das was die Schweden hier hingelegt haben, kann man ohne Abzüge unter der Rubrik „ultrafett“ verbuchen. Nach dieser deftigen Klatsche gab es noch diverse hopfenhaltige, isotonische Gesellschaftsgetränke, bevor es gen Schlafstätte ging.

Freitag, 09.08.

Nach einem ausgedehnten Katerfrühstück und mit bester Laune bewaffnet konnte es nur eine Lösung zum Start in den Tag geben und die hieß Goregrind. Traditionell werden die jeweiligen Tage von Grind oder Slam Death eröffnet, um den Teilnehmern den ohnehin viel zu kurzen Schlaf kräftig aus den Gliedern zu knallen. Dieses Jahr lag diese Aufgabe bei GUTALAX. Wer die sympathischen Tschechen einmal live sehen durfte, der weiß, dass es hier die volle Ladung Party zu erleben gibt und so war es kein Wunder, dass der Platz vor der Hauptbühne brechend voll war. Inmitten des Geschehens befanden sich die besonders Feierwütigen und frönten dem augenzwinkernden Schweinegeröchel mit allerlei bunten Verkleidungen, Konfetti und einem ordentlichen Circle Pit. Den Orden für die beste Ansage aller Zeiten darf sich Sänger Martin Matoušek anhaften. Im folgenden möchte ich sie in Gänze zitieren: „We would like to play you a brand new song for that we shot a music video, that will be out next Monday. We know that you will love this one because it sounds exactly like all the other songs. BUT the name is different!„. Mit diesen Worten eingeleitet begannen die netten Herren im weißen Reinigungsoverall dann ihre neue Single „Shitbusters“. Ich dachte, man wird irgendwann zu alt für Pipi-Kacka-Witze, musste aber zugeben, dass mich die Combo derbst unterhalten hat und ich definitiv erneut zu einem GUTALAX Konzert gehen werde, wenn sich die Möglichkeit bietet.

Als nächstes spielten DEFEATED SANITY auf und man konnte nicht schlecht staunen, was die internationale Truppe dort aufs Parkett legte. Der technische Death Metal der Mannen schallte gut differenziert und mit mächtig Wumms aus der Anlage. Im Gepäck hatte die Band einige Songs von ihrer aktuellen Scheibe „Disposal of the Dead//Dharmata“ und bildete somit einen direkten Kontrast zum doch eher handwerklich einfachen Grind von GUTALAX. Besonders Bassist Jacob Schmidt konnte mit geilen Einlagen punkten und brachte mich wieder einmal dazu, mir vorzunehmen mehr zu üben. Wie bei einem Technical Death Metal Konzert nicht anders zu erwarten, hielten sich die Reaktionen des Publikums etwas in Grenzen, was nicht bedeutet, dass die Musiker nach ihren Songs nicht mit mächtig Applaus überschüttet wurden. Cooler Gig, gerne mehr davon!

Darauf folgend stand eine weitere Kelle Schwedensuppe auf dem Menüplan. Mittlerweile 30 Jahre haben die Herren von THE CROWN auf dem Buckel. Nach einer knapp sechsjährigen Pause und der danach vollzogenen Reformation mit dem Album „Doomsday King“ nahm die Maschinerie jedoch wieder volle Fahrt auf und man konnte den Musikern anmerken, dass sie richtig Bock hatten. Mit Songs wie „Blitzkrieg Witchcraft“ oder einem absolut heftig geballerten „Under The Whip“ vom 2002er Album „Crowned in Terror“ oder „Total Satan“ vom 2000er Werk „Deathrace King“ wurde ordentlich Alarm gemacht und massenweise Fäuste und Hörner flogen Richtung Bühne. Sänger Johan Lindstrand und der Rest der Band aus Trollhättan kriegt das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht und feuert die 45 Minuten Spielzeit erbarmungslos runter. Das war mal eine Ansage!

Nach einer etwas größeren Pause und diversen Gesprächen gab es dann die Überraschung des Festivals für mich. Ursprünglich stand ich in der Schlange, um Autogramme von DEICIDE zu ergattern (was natürlich nichts wurde, da ich gefühlt von Erfurt aus anstand), allerdings spielten parallel dazu NIGHT DEMON. Ich kannte zwar den Namen der Band aus Kalifornien und auch grob deren Stil, jedoch hatte ich mich bislang noch nicht direkt mit der Musik auseinandergesetzt. Das Trio bot eine ansteckende Mischung aus Heavy Rock, ordentlich klassischen Heavy Metal Anleihen à la Judas Priest und einige Sprengsel Speed Metal, und haben richtig überzeugt. Es waren viele Leute vor der Bühne, die die Amis abfeierten und Songs der aktuellen Scheibe „Darkness Remains“ zielsicher mitgröhlen konnten. Besonders „Hollowed Ground“ und „Maiden Hell“ sind echte Granaten und verfehlten mitnichten ihre Wirkung. Passenderweise wurde der Motörhead Klassiker „Overkill“ mit ins Set eingeflochten und  so war die Stimmung auf einem absoluten Tageshoch. Schande über mich, dass ich nicht vorher meine Aufmerksamkeit in Richtung Ostküste der USA gelenkt habe.

Pünktlich um 21 Uhr fing es dann auch zu regnen an und MGŁA begannen zu spielen. An dieser Stelle möchte ich meine Meinung zu den Polen differenzieren. Aus musikalischer Sicht wurde hier nichts falsch gemacht. Die Songs wurden super tight gespielt und auch die Atmosphäre, die die Stücke entfalten sollen, hatte genug Raum. Bei keiner Band war es wohl so voll auf dem Gelände wie hier und auch der Sound war sehr gut. Die langen Titel, welche durch düstere Melodien und große Spannungsbögen getragen und bestimmt werden, kamen gut an und auch das nicht eine Ansage in Richtung Publikum gemacht wurde, schmälerte das Erlebnis nicht, sondern verstärkte  die Show durch das Gefühl der Unantastbarkeit. Die Polen haben ihren Platz im Black Metal verdient und bieten durch ihre minimalistische Darstellung eine willkommene Abwechslung zum Pomp und Bombast anderer Szenegrößen. Ab der erste Note des Openers (und der neuen Single) „Age of Excuse II“ konnte niemand mehr den Siegeszug der pechschwarzen Trümmertruppe aufhalten. Für mich war das allerdings absolut gar nichts und ich fand MGŁA relativ öde. Ich habe wirklich versucht nachzuvollziehen, was den Hype um die Band ausmacht, habe mir Alben angehört und kam aber selbst nach diesem Konzert nicht hinter das Geheimnis. Sei’s drum, der Menge hat es sichtlich gefallen und darauf kommt es an.

Nach einer kurzen Umbaupause und der Möglichkeit einen Nutzen aus der Überdachung der Zeltbühne zu ziehen starteten DEICIDE ins Set. Nach mehreren Versuchen das legendäre Florida Death Metal Urgestein nach Thüringen zu holen, sollte es jetzt tatsächlich klappen. Es würde als Erfolgsprinzip eigentlich schon reichen, wenn man Sänger und Bassisten Glenn Benton mit einem Aschenbecher, einem Barhocker und einer Flasche Whiskey auf die Bühne setzt, um zu garantieren, dass die Massen kommen, denn der Mann lebt Death Metal so wie sonst keiner. Die Garde um den Barden ist gut eingespielt, lässt selbst die unübersichtlichsten Strukturen fehlerfrei laufen und konstatiert ein Exempel an alle, die möglicherweise vergessen haben, wie Ami-Death zu klingen hat. Songs wie „To Hell With God“, „When Satan Rules His World“, „They Are The Children of The Underworld“ oder das obligatorische „Hommage for Satan“ kommen durchweg gut an und Benton richtet sogar einige wenige Worte ans Publikum. Natürlich muss man den frickeligen Death Metal mögen, andernfalls würde einem die Musik spätestens beim dritten Song auf die Nerven gehen. Am Ende heißt es auf ganzer Linie Satz und Sieg für DEICIDE, Geschichtsstunde beendet und der Headliner des zweiten Abends kann kommen.

Dieser hört auf den Namen TESTAMENT und haut einfach nur derbe rein. Der groovige Thrash Metal der Amis um Gesangsgott Chuck Billy weiß einfach genau, wo er zuhauen muss und sorgt nach dem Intro direkt für kollektives Headbangen und ausgelassene Stimmung. Durch den Regen haben sich zwar die Besucherreihen ein wenig gelichtet, doch das tut dem feiernden Volk wenig weh. Die um Steve DiGiorgio am Bass erstarkte Truppe und mit Gene Hoglan an den Drums bestens ausgestatte Bay Area Legende (bei der aktuell die Hälfte des damaligen DEATH Line Ups spielt) feuert einen dicken Brecher nach dem nächsten raus und beweist eindrucksvoll, das sie in Sachen Spielfreude und Dynamik manch anderen Kollegen um Einiges voraus ist. Besonderes Schmankerl war die Aufführung des relativ wenig live gebotenen Titletracks des 1994er Albums „Low“. Aber auch Setlistklassiker wie „More Than Meets the Eye“ oder „Over the Wall“ werden bejubelt und beweihräuchert. Alex Skolnick lässt literweise Soli aus seinen Fingern fließen und Axtpartner Eric Peterson beweist, dass er einer der tightesten Rhythmusgitarristen im Thrash-Kosmos ist, während es einfach eine Wonne ist Chuck Billy am Mikrofon zuzuhören. Nach geschlagenen 75 Minuten heißt es dann Feierabend und die Nacht ausklingen lassen.

Samstag, 10.08.

Esmiralda is calling! Erneut durch einen lauten Knall informiert steht der dritte und letzte Tag des Party.San Metal Open Airs an. Getreu einer vorangegangenen Unterhaltung im Camp: „Das Party.San ist so ein richtiges Ding zum Bier trinken.“ – „Quatsch nicht, das ganze Leben ist ein Ding zum Bier trinken.“ hieß es nochmal Reserven sammeln und ab zur ersten Band. Ich hatte mich im voraus sehr auf  VULVODYNIA gefreut, da man die Truppe aus Südafrika nicht unbedingt jeden Tag geboten bekommt und scheinbar erging es nicht nur mir so. Vor der Hauptbühne sammelten sich viele Besucher und gönnten sich als Einstand für den Tag eine Portion Slam Death. Ich lüge nicht, wenn ich sage, dass es wohl kein Bandmitglied gab (abgesehen vom Drummer), welches länger als 2 Sekunden am selben Platz stand. Die Jungs aus Port-Elizabeth gaben mächtig Gas, wobei die langsamen Slams etwas überhand nahmen und so relativ viel Momentum flöten ging. Als Morgengruß und Kaffeekatalysator bereits dennoch ein amtlicher Startschuss.

Nach der ausgedehnten Mittagspause standen JUNGLE ROT bereit um das Gelände mit fiesem, schiebenden Death Metal umzupflügen. Da die Band aus dem US-Bundesstaat Wisconsin eher im Midtempo unterwegs ist, hieß es auch hier wieder deftig mitnicken. Was das Zusammenspiel der Akteure angeht, so waren JUNGLE ROT eine der besten Bands des gesamten Festivals. Zwischen Bass und Schlagzeug passte kein Blatt Papier und so derbe groovig, wie die Gitarren spielten, musste man anerkennend den Hut ziehen. Sänger und Gitarrist Dave Martise übertrieb es zwar ein wenig mit den „OLDSCHOOL! OLDSCHOOL!“-Rufen, aber ob der musikalischen Leistung sei es ihm verziehen. Da es BOLT THROWER inzwischen leider nicht mehr gibt und SIX FEET UNDER stilistisch irgendwo in der Fremde irren, hätten eigentlich JUNGLE ROT es mehr als verdient, die Spitzenposition in Sachen Goove Death Metal einzunehmen.

Wenn eine deutsche Institution wie DESTRUCTION höflich bittet, kann man nicht widerstehen und auch wenn ich die Band um Frontmann und Bassisten Schmier bereits gefühlt 623 Mal gesehen habe,führt mich mein Weg erneut vor die Bühne. Besonders interessant war der Auftritt deshalb, da DESTRUCTION inzwischen von einem Trio auf ein Quartett herangewachsen sind und auch ein neues Album in der Pipeline steht. Angefangen mit „Curse the Gods“ und dem Überkracher „Nailed to the Cross“ macht auch dieser Auftritt direkt wieder Spaß und das Party.San vervollständigt gewissenhaft die Textzeilen mit zünftig Dezibel. Apropos Dezibel: Wer dachte, dass Lemmy schon viel Zerre und eine ungehörige Lautstärke bei seinem Bass benutzt, der hat noch nie Schmier gehört. Alter Finne war das laut! Durch Neuzugang Damir Eskic an der Sechssaiter haben sogar alte Kamellen wie „Mad Butcher“ oder „Bestial Invasion“ nochmal kräftig neuen Bumms bekommen und besonders die Solo-Duelle im neuen Song „Betrayer“ oder im Titletrack der neuen Langrille „Born to Perish“ hämmerten kräftig rein.

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Nach Einbruch der Dunkelheit wird es Zeit für den Abschluss-Hattrick. Begonnen wird der Tanz mit LEGION OF THE DAMNED. Eine lange Vorstellung brauchen die Niederländer nicht und nach einem theatralischen Intro geht es sofort mit „Warhounds of Hades“ vom aktuellen Album „Slaves of the Shadow Realm“ los. Und sofort fällt auf, dass Drummer Erik Fleuren nicht seinen besten Tag erwischt hat. Irgendwie läuft es etwas holprig und auch den Ton der zweiten Gitarre lässt man dezent vermissen. Dazu kommt, dass sich der Bass von Harold Gielen ausgerechnet zu Beginn von „Sons of the Jackal“ verabschiedet und es einige Zeit dauert, bis das Problem behoben scheint. Die Technik scheint sich insgesamt also gegen LEGION OF THE DAMNED verschworen zu haben, aber die Nachbarn aus dem Land der Tulpen machen das Beste draus und ziehen professionell ihr Set durch. Mit „Pray and Suffer“ gibt es dann auch wieder ein Versöhnungslied und so wirklich böse kann man Sänger und Sympathieträger Maurice Swinkels ja ohnehin nicht sein.

Nach 3 Tagen Dauerbeschallung, wechselhaftem Wetter und viel Musik hieß es nun für knapp eine Stunde seine Gedanken kreisen und sich einfach treiben zu lassen. SÓLSTAFIR sind gekommen, um ein vertontes Mandalaausmalen zum Finden der Mitte zu präsentieren. Während Sänger Aðalbjörn Tryggvason seine Emotionen auf der Bühne durchlebt und sein Innerstes nach außen kehrt liege ich auf dem Gras, etwas entfernt von der Bühne und lasse mich durch die Musik in einen Zustand zwischen Melancholie und transzendentaler Trance gleiten, während ich mit meinen Begleitern in die Sterne schaue und wir gebannt dem Post Rock aus Island lauschen. Die Musik von SÓLSTAFIR geht nur wirklich auf, wenn man sich darauf einlässt. Wer dazu in der Lage ist, dem sollte eine Gänsehaut nach der nächsten über den Rücken gelaufen sein. Songs wie „Pale Rider“, „Ótta“ oder“Fjara“ entführen dich in ein Land aus Schnee, Eis und Feuer (nein, nicht Westeros) und lassen dich tief in deine Seele blicken. Ein wirklich großartiger Auftritt, welcher sich durch die immer wieder auftauchenden Crescendi steigerte und steigerte, bis alle Dämme brechen. Und während wir dort liegen, die Sternschnuppen zählend und schwelgend im Moment, bin ich mir ziemlich sicher, dass ich irgendwo zwischen den unzähligen Lichtern am Himmelszelt ein Raumschiff gesehen habe, in dem Peter Tätgren leise lacht.

Doch genug der poetisch-philosophischen Tagträumerei. Als letzte Band des Festivals heißt es nochmal Antreten zur letzten großen Klatsche. BLOODBATH schicken einen mit ihrer finsteren Schweden-Tod-Melange einmal quer durch die Diskographie und schicken nochmal meterhohe Flammen gen Himmel. Getaucht in rotes Licht nehmen die Schweden plus PARADISE LOST Sänger Nick Holmes nochmal alles auseinander. Herausragende Stücke wie „Brave New Hell“, „Outnumbering the Day“ oder dem neueren „Bloodicide“ schmettert die Allstar-Truppe einen geilen blau-gelben Klops nach dem nächsten raus. Holmes gibt sich, ganz britischer Gentleman der er ist, im schicken Zwirn als äußerst gut bei Stimme und lässt auch seinen Humor nicht vermissen: „First I wanted to ask you, if there are Death Metal fans here, but I stopped, because that question would be senseless.„. Als letzter Test für die Stimmbänder setzt es noch ein tonnenschweres „Eaten“ obendrauf. Bei Zeilen wie: „Carve me up/Slice me apart/suck my guts and lick my heart!“ wird es einfach jedem warm ums Herz.

FAZIT:

Dieses Jahr markierte meinen fünften Besuch beim PARTY.SAN und definitiv bei Weitem nicht meinen letzten. Die Stimmung und Atmosphäre, die das Festival bietet, ist einfach unerreicht. Im Vergleich zu anderen großen Metalfestivals fokussiert sich das PARTY.SAN auf die wichtigen Dinge: Die Musik und die Fans. Zwei Bühnen, das Angebot zum shoppen und essen als Randbegrenzung des Geländes und eine straffe und gute Organisation ohne viel Firlefanz machen das beste Extreme Metal Festival Deutschlands zum absoluten Tipp. Ein großes Danke geht an jeden Einzelnen, der das Festival am Laufen hält. Sei es die überaus freundliche Security, die stets aufmerksamen Sanitäter (Grüße an den Holländer John, der unbedingt durch die Bremsung mit seinem Gesicht einen Sturz abfangen wollte und so ungewollt in den Genuss meiner Ersthilfe kam! Ich hoffe dir geht es wieder gut 😉 ) und jeden, der auf oder hinter der Bühne gearbeitet hat! Wer einen ersten Anreiz braucht, um 2020 ebenfalls vor Ort zu sein: Die ersten bestätigten Bands sind: DISMEMBER, INFERNAL MAJESTY, MǺNEGARM, GRACELESS und 1914.