Vitriol Chrysalis CoverGenre: Experimental Black Metal
Label: Iron Bonehead Productions
Veröffentlichung: 19.04.19
Berwetung: 6/10 (Gut)

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Die in Nürnberg beheimatete Black Metal Combo VITRIOL legt nach ihrem selbstbetitelten Debüt „Vitriol“ nun mit der EP „Chrysalis“ nach, welche bei Iron Bonehead Productions erschien.

In den Irrungen und Wirrungen des Black Metal Undergrounds tummeln sich nicht gerade wenige Formationen, jedoch werden wohl nur wenige in dieser Größenordnung so viel Liebe für’s Details beweisen wie VITRIOL. Die Alben des Doppelgespanns kann man nämlich nicht nur in schnöder Jewelcase-Ausgabe ergattern, sondern auch in Form einer schön designten Schallplatte oder wie im Falle des Debüts, ebenfalls ganz 92-er-Style als Kassette. Ob nun die aktuelle EP, nach dem Erscheinen des 2016-er Werks den Weg für ein weiteres Full Length Album ebnet, bleibt indes noch abzuwarten.

Der erste der beiden Songs nennt sich „Swarming Segmentes, Spirit Splinte“ und beginnt mit einer Verzögerung nach diversen Feedback und Ambient-Einlagen direkt mit schnellem dissonanten Riffing und Blastbeats. Spacige Gitarrensounds und eine Mischung aus Growls und hohen Screams bestimmen die von Tempowechseln durchsetzte Szenerie. Irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ziemlich viele Ideen in den Mixer geworfen wurden und nur halbwegs gut durchmengt wieder herauskamen. Der experimentelle Black Metal, welcher im Verlauf immer mehr in Richtung Noise und Death Metal tendiert lässt ein Konzept vermissen, welches in meinen Augen aber selbst bei dieser Art Musik essentiell ist. Der kurze, ruhige Mittelteil kommt zwar in Kombination mit dem Riffing im Anschluß ganz gut aus der Knete, wirft allerdings nur den nächsten Layer an Verwirrtheit oben drauf. Das jazzig angehauchte Outro macht den Sack mit Krach und psychopathischem Songwritingideen schließlich zu.

„Soma Somnambulistic Trance“ beginnt erneut mit verschiedensten Geräuschen der Marke „störend und müßig“. Irgendwo zwischen Bombeneinschlägen, Beckengeklimper der Drums, verzerrten Gitarrengeräuschen und Bassgewummer baut sich der Song zunächst auf. Ob man jetzt stets und ständig minutenlange „Ambient-Intros“ benötigt, um dem Song Leben einzuhauchen, bleibt mal außen vor. Die Akustikgitarre, mit arabischen Flair, die zu Beginn ertönt und in ein recht cooles Tremoloriff übergeht, macht bis hierhin Laune. Wo der Vorgänger Struktur vermissen ließ, macht „Soma Somnambulistic Trance“ hingegen mehr Sachen richtig. Der fiese Groove in der Mitte, der leider nur viel zu kurz gehalten wird, macht beispielsweise eine echt gute Figur. Insgesamt wirkt der Song aufgrund seiner Orientierung am Intro und der gewählten lydischen Tonart stimmiger und man hat auf die Länge von zwölf Minuten mehr das Gefühl „angekommen“ zu sein und einen tatsächlichen Song zu hören. Aufgrund dessen kommt hier auch eine gewisse Atmosphäre bzw. ein gewisses Feeling rüber, welches der Band beim ersten Song abging.

Zusammenfassend kann man sagen, dass VITRIOL hier versucht haben, viele Ideen in zu wenig Song zu stecken. Die Intros der Lieder sind möglicherweise ein Faktor, der dafür zuständig ist. Nach minutenlangen Störgeräuschen bin ich per se bereits etwas genervt und hätte es schön gefunden, wenn die Herren schneller auf den Punkt kommen. Der zweite Titel der EP beweist nämlich, dass die Musiker durchaus in der Lage sind, gute, atmosphärische Songs zu erschaffen. Der Sound ist indes undergroundig grottig und auch tightes Spiel klingt anders, allerdings ist das alles vernachlässigbar, sofern das, was man geboten bekommt, sich echt anfühlt und einen gewissen Spirit transportiert. Dieses Experiment ist VITRIOL aber nur zeitweise gelungen. Wenn man die Strukturen etwas entschlackt und weiter an der Qualität arbeitet, könnte allerdings in Zukunft was gehen.