Hattet ihr das Gefühl, dass es Mitte August etwas ruhiger wurde hier bei SMV? Das lag wohl daran, dass die halbe Redaktion auf dem Summer Breeze Open Air in Dinkelsbühl war. Das Festival begeistert seit Jahren mit vielen Bands bei einem vergleichsweise preiswerten Ticket, schnellen Wegen zwischen den Bühnen und einer grandiosen Atmosphäre. Lest hier, wie uns die Bands gefallen haben.

Wenn Menschen, die mit Metal nichts anfangen können, vom Summer Breeze Open Air hören, verbinden sie es oft mit lauen Pop und Indie-Tönen in hitzigen Sommernächten. Doch dabei war es dieses Jahr bereits die 22. Auflage des Festivals, welches inzwischen zu den größten Deutschlands gehört. Vom 14. Bis 17. August 2019 traf sich die Metal-Gemeinde unweit der Stadt Dinkelsbühl und konnte bei wechselnden Wetterbedingungen einem breit gefächertes Potpourri der härteren Musik frönen.

flyer_uk

Dienstag, 13. August. 2019

Aber Stopp! Traditionsgemäß öffnete der Campingplatz bereits einen Tag vor Festivalbeginn und die Fans strömten zuhauf auf die begehrten Flächen. Wie bereits im Jahr zuvor konnte man vorab bestimmte Abschnitte reservieren und auch ein Green Camping Bereich stand zur Verfügung. Auf dem Campinggelände und somit außerhalb des eigentlichen Festivalgeländes stand wie bereits in den Vorjahren die „Ficken Party Stage“, welche zwar einen pubertären Namen trägt, dafür aber vielen kleineren Bands und Newcomern ein großes Publikum ermöglicht. Zur späteren Stunde läuft auf der Stage an allen Festivaltagen der Programmpunkt „Disko“, welcher mit sämtlichen Klassikern und Party-Hits der Metal- und Rock-Geschichte die Feierwütigen versorgt.

Gestartet wurde zum Summer Breeze 2019 aber ganz entspannt mit den beiden Filmen „Heavy Trip“ und „Full Circle – Last Exit Rock ‘n‘ Roll“, bevor dann DOUBLE CRUSH SYNDROME die Ehre hatten, als erste Band das Festival musikalisch zu eröffnen. EAT THE GUN und THE NEW DEATH CULT folgten und stimmten die Anwesenden so richtig ein. Ob es jemals Stripperinnen auf der Bühne gebraucht hat, um das musikalische Werk auf der Bühne zu „untermalen“, können einem MORBID ALCOHOLICA erklären. Ganz im Jahr 2019 scheinen die Mannen jedenfalls auch textlich nicht angekommen zu sein. Der Menge schien es aber mehr als zu gefallen, welches an den viel geschwenkten Flaggen im Publikum deutlich wurde.

Mittwoch, 14. August. 2019

Am „ersten richtigen Festivaltag“ kamen nun zwei weitere Bühnen dazu: die „T-Stage“ und die „Wera Tool Rebel Stage“. Letztere ist die gleiche überdachte Bühne aus den Vorjahren, nur mit neuem Sponsor. Die „Main Stage“ wurde erst ab Freitag bespielt. Auch schon zur Tradition gehört die BLASMUSIK ILLENSCHWANG, welche zum offiziellen Festival Startschuss blies. Das Publikum bedankt sich mit Moshpit und Wall of Death, also alles wie immer, aber trotzdem jedes Jahr sehenswert, wie gut das zu traditioneller Volksmusik funktioniert.

ENDSEEKER aus Hamburg kamen mit jeder Menge Bock und Spaß im Seesack zum Summer Breeze. Der Ton passte und die Jungs lieferten ein drückendes Death Metal Konzert ab. Allein die feinste Gesichtsakrobatik des Sängers Lenny ist für sich schon sehenswert. Die Rebel Stage wurde ordnungsgemäß eingeweiht. Lediglich der Wunsch der Band nach auf die Bühne geschmissenen BHs blieb unbeantwortet. Sogar noch etwas weiter nördlich sind NAILED TO OBSCURITY beheimatet, die auf der T-Stage eine astreine Performance zeigten. Mit neuem Album am Start wurde gleich zu Beginn der Gassenhauer „Black Frost“ gespielt, der zwar beim Publikum gut ankam, aber bei strahlendem Sonnenschein auch nicht seine ganze Atmosphäre entfalten konnte. Zudem irritierten leichte Soundtechnikaussetzer zu Beginn, die glücklicherweise aber rasch behoben wurden.

Zum Abend hin nahmen dann WINDHAND das Tempo etwas raus und erzeugten mit ihrem atmosphärischen Doom die perfekte Kulisse für die untergehende Sonne. Hier zeigte die Rebel Stage, dass sie Klargesang und extrem tiefe Töne auch gut abmischen kann. Im Publikum tauchte die ein oder andere witzig duftende Zigarette auf. Doch auch wenn man sich nicht das Bewusstsein erweitert hat, war nach diesem Auftritt eines klar: das war ein sehr frühes Highlight des Festivals. Danach schnell ab zur Party Stage auf den Campground. Die Gitarren wieder höher gestimmt und der Gesang wurde kreischender. THRON aus dem Schwarzwald verzückten mit klassischem Black Metal und läuteten den dunklen Abend todesmetallisch ein. Hier wurde das Blastfeuerwerk angeschmissen und virtuos die Saiteninstrumente gekitzelt. Vor der Bühne war es brechend voll, obwohl HYPOCRISY zeitgleich spielten. Die Band hätte auch getrost auf einer größeren Bühne spielen können.

Selbiges gilt auch für die darauffolgende Band ANOMALIE. Mit geschmückter Bühne aus Kerzen und Traumfängern wurde der prozessionsartige Charakter der Musik stilvoll unterstrichen. Aber leider wurden die ersten beiden Songs durch einen miserablen Sound vermiest. Gesang und Drums waren viel zu laut und von den drei Gitarren war quasi nichts zu hören. Erst beim dritten Lied wurde der Tonmatsch beseitigt und ANOMALIE konnten ihr ganzes Potenzial ausschöpfen. Verdient haben sie es allemal. MIDNIGHT haben wir damals beim Dark Easter Metal Meeting leider verpasst, umso mehr Spaß machte ihr Auftritt jetzt beim Summer Breeze. Die vermummten Amerikaner schaffen es aber auch einfach, Punker und Black Metaler gleichermaßen zu begeistern. Egal ob im Moshpit, direkt vor der Bühne oder etwas abseits: kein Fuß oder Kopf stand still. Und als Frontmann Athenar dann auch noch seinen Bass anzündete, waren alle überzeugt, eine ganz heiße Show gesehen zu haben.
Für viele waren ENSLAVED wohl der Headliner des Mittwochs und dementsprechend voll war es vor der T-Stage. Die Norweger wurden allen Ansprüchen gerecht und lieferten mit Songs aus ihrer ganzen Schaffensperiode auch die perfekte Festival-Setlist ab. Bei kalten Temperaturen und beleuchteten Tannen hinter der Bühne, entfalteten gerade die ruhigeren Stücke ihre volle Kraft. Mit bierseligen und zufriedenem Grinsen konnte man sich in sein Zelt schmeißen.

Donnerstag, 15. August. 2019

Nachdem es am Vormittag geregnet hat, zeigte die Sonne zur Eröffnung der Main Stage ihre Kraft. Die Bremer VERSENGOLD wirkten erstaunlich frisch am frühen Nachmittag, obwohl doch viele aus der Band am Vorabend bis 3 Uhr als KNASTERBART auf der Bühne standen. Auch die Laune beim Publikum war ähnlich wie am Vorabend, so zog eine schunkelnde Polonaise durch die Menge. VERSENGOLD sorgte für ausgelassene Partystimmung, aber ließ auch die melancholischen Balladen nicht missen. Auch ein Statement gegen rechtes Gedankengut („Braune Pfeifen“) ließen die Folker nicht missen. Schade nur, dass hauptsächlich Lieder vom neuen Album gespielt wurden, bei einem Festival hätten es ruhig ein paar mehr Favoriten sein dürfen. Dafür gab es als Zugabe eine gelungene A-capella-Einlage. Anschließend wurde bei AVATAR die ganz große Freakshow ausgepackt. Bei einer ausgewogenen Mischung aus harten und ruhigeren Parts fraß die Menge dem schwedischen Zirkusdirektor aus der Hand, und gerade seine witzigen Ansagen auf Deutsch sorgten für Begeisterung. Technisch war der Sound schön drückend, die gewaltigen Gitarren kamen krachend rüber und das Stimmenvolumen des Sängers war beeindruckend. Alles war ordentlich abgemischt. Danach ging es auf der T-Stage bei DECAPITATED schon wesentlich brutaler zu. Diese spannten eine Rakete vor ihren Death Metal-Schlitten und gaben durchgehend Vollgas. Ihre große Spielfreude drückten sie insbesondere durch die gute Auswahl an neuen und alten Songs aus. Außerdem merkte man, wie dankbar die Band ist, nach ihren unschönen Anschuldigen Ende 2017 wieder vor vielen Leuten spielen zu können. Leider verwehte ständig drehender Wind den Sound an mancher Stelle.

Zurück zur Main Stage zu KVELERTAK, wo es zu Beginn des Sets überraschenderweise vergleichsweise leer vor der Bühne war. Ein Zustand, der sich im Laufe des Sets erheblich besserte. Ist aber auch kein Wunder, schließlich weiß das Black ‘n‘ Roll-Monster, wie es das Publikum zu begeistern hat und spielte alle gern gehörten Hits. Bei „Blodtørst“ brachen dann alle Dämme. Ist aber auch kein Wunder, so wie der Frontmann hyperaktiv auf der Bühne und Menge (!) turnt, dass man mitzappelt. Der Sound war prima, was bei drei Gitarren ja nicht immer ganz einfach ist. UNEARTH mussten mit dem Equipment von u.a. LIONHEART spielen, da ihr eigenes Gepäck im falschen Flieger gelandet ist. Dies führte immer wieder zu etwas längeren Tuning-Pausen, was aber keiner vom Publikum krumm nahm. Während der Songs war dann von anderen Instrumenten nicht mehr zu hören und UNEARTH bewiesen eindrucksvoll, warum sie seit über 20 Jahren zur absoluten Speerspitze des alten Metalcore gehören. Am Ende war sogar noch eine Zugabe möglich, die den Auftritt mit dem neuen Song „One With The Sun“ krönte.

Zum Sonnenuntergang betraten dann IN FLAMES die Hauptbühne. Viele Fans der ersten Stunde sind ja von den letzten Veröffentlichungen der Schweden enttäuscht gewesen. Umso mehr dürfte sie aber dieser Auftritt überrascht und begeistert haben, da auch sehr viele ältere Hits zum Besten gegeben wurden. Insgesamt hätte man die Spielzeit noch effektiver nutzen können, aber im Großen und Ganzen war es eine gelungene Show. Nur die namensgebenden Flammen vermisste man diesmal gänzlich. Derweil räumten OF MICE AND MEN nebenan lauthals auf der T-Stage mit der Metalcore-Keule auf. Viele Fans strömten noch während IN FLAMES zur etwas kleineren Bühne und jetzt merkte man, wie voll es auf dem Summer Breeze werden kann. Gezeigt wurde eine gewohnt hohe Leistung und inzwischen gibt es nicht mal mehr den Hauch eines Zweifels, dass der Bassist Aaron Pauley ein würdiger Nachfolger von Austin Carlile als Sänger und Frontmann ist.

Verrückt wurde es dann auf der Rebel Stage bei THE CONTORTIONIST, die als Intro „I will always love you“ abspielten, wobei sich der Höhepunkt in einer Art Dauerschleife wiederholte. Und die ganze Menge grölte mit, inklusive Stage Diving. Danach wurde es sehr technisch und progressiv. Hier standen die Instrumentalisten im Vordergrund und der Gesang akzentuierte das Gespielte. Leider fiel im zweiten Song eine Gitarre komplett aus und Robby Baca verbrachte den Großteil der Show damit, seine Axt wieder zum Laufen zu bringen. Erstaunlicherweise hat der Rest der Band das super aufgefangen, Respekt dafür! Die Performance beförderte einen in eine andere Sphäre und will hier einfach mal ein Zitat aus dem Publikum wiedergeben: „Wie mit einem scharfen Skalpel lupenrein aus einem Alptraum geschnitten“!

Weiter geht es mit der  hüpfenden Musical-Gruppe von AVANTASIA, dem Power(?) Metal Äquvivalent zu HEILUNG (letztere finde ich übrigens immer noch scheiße!)
Naja, was soll man sagen: Wer mit AVANTASIA etwas anfangen kann, wird den Auftritt mit Sicherheit gefeiert haben. Bei fast zwei Stunden und somit der längsten Spielzeit vom Festival, wurden eine Menge Metal und Rock Prominenz auf die Bühne geschoben. Die Anwesenden sind zwar alle erstklassige Musiker, die ihr Handwerk verstehen aber das Potenzial wird in keinem der Songs ausgeschöpft. Immer ein wenig tralala und dideldi und das war es dann. Am meisten stört die ständige Selbstbeweihräucherung, jeder Gast wird lange angekündigt, vermeldet dann selbst noch auf der Bühne wie geil AVANTASIA doch sind und das Lächerlichste war das ständige Lamentieren des Herrn Sammet, dass die Bühnencrew gesagt hätte, er würde Schlager–Metal machen. So kann man eine lange Spielzeit auch mit viel BlaBla und wenig Musik füllen. Wir möchten für diese Aussage übrigens die komplette Bühnencrew für den Pulitzer-Preis nominieren. Wir wollen uns ja aber auch nicht beschweren. Letztenendes hören wir Tobias Sammet auch viel lieber reden, als singen, das ist dann doch noch angenehmer.
Vielleicht sollten AVANTASIA mal ein Crossover mit HEILUNG machen. Schon in der Schule lernt man nämlich: minus mal minus ergibt plus.

Also ab zu einer Band, die noch keine 10 Worte an das Publikum richtet: DOWNFALL OF GAIA. In der finsteren Nacht wirkte der moderne Black Metal noch ungemütlicher und gerade die ruhigeren Parts waberten unheilschwanger durch das Publikum. Die Band spielte imposant auf hohen Niveau, der Sound war angenehm und auch die gesprochenen Parts wurden gut gehört. Nur wer etwas weiter abseits stand, merkte wie sich der Sound mit der Todeswalze von MESHUGGAH vermischte. Und bei denen kann man sich nicht helfen, schon bei den ersten Akkorden setzt man dieses typische „MESHUGGAH-Gesicht“ auf und bangt die volle Show durch. Trotz aufkommenden Windes, wird einem der Sound krachend ins Ohr gepresst. Mit einem gigantischem Backdrop und hervorragender Lichtshow hinterlassen die Schweden einen gelungenen ersten Auftritt auf dem Summer Breeze. Und zum Schluss gab es dann natürlich den Song, der ein ganzes Genre definiert hat.

CRADLE OF FILTH begannen damit, was bisher auf der Main Stage schmerzlich vermisst wurde: Feuer! Wie nicht anders zu erwarten wurde es zudem okkult mit tollen Kostümen, gerade die Keyboarderin setzte mit ihren langen Teufelshörnern dem Beelzebub die Krone auf. Natürlich ist das hohe Gekeife des Dani Filth nicht jedermanns Sache, aber die Performance war unterhaltend und der Sound ordentlich. Gerade Fans der ersten Stunde waren begeistert, schließlich wurde das über 20 Jahre alte und dritte Album „Cruelty and the Beast“ in voller Länge aufgeführt. Na, wenn man dann nicht glücklich in die Federn fällt, weiß ich es auch nicht mehr.

Freitag, 16. August. 2019

Wer am frühen Freitag noch nicht richtig wach war oder keine Lust auf Bier hatte, der ging ganz einfach zu TURBOBIER und hatte beides bereits nach dem ersten Song erledigt („Ach wie schön ist doch so ’ne Hülse vor 12 Uhr Mittags!“). Anscheinend hatten viele Besucher dieses Bedürfnis, denn es war brechend voll vor der T-Stage. Natürlich wurde auch wieder jede Menge Werbung für die Bierpartei Österreichs gemacht und gegen Radler gewettert. Das schmälerte zwar die Spielzeit, die ganz großen Hits („Insel muss Insel bleiben“, „Arbeitslos“) wurden natürlich trotzdem gespielt.

Ein großer Pluspunkt des Summer Breeze ist auf jeden Fall der Fan-Sevice. So dürfen beispielsweise Ü45 aus den umliegenden Gemeinden kostenlos auf das Gelände und bekommen sogar noch eine Backstage-Führung. Außerdem wächst Jahr für Jahr das Kinderprogramm auf dem Campinggelände. So spielten nicht nur RANDALE, die bereits mehrfach zu Gast waren, sondern auch die Dino-Rocker HEAVYSAURUS und Kinder hatten kostenlosen Eintritt. Natürlich spielten sie nicht auf der Ficken Party Stage, sondern auf der „Bienchen und Blümchen Bühne“! Respekt an die Musiker, die in Ganzkörperkostümen bei hitzigen Temperaturen ihre eigenen Songs und das ein oder andere Cover performten. Der Sound war merklich leiser, was man für die Kinder aber natürlich nur begrüßen kann.

Lauter war es dafür bei DESERTED FEAR. Sänger und Gitarrist Manuel Glatter trug Verband an der Hand, was aber leider nicht zum Bühnenoutfit gehörte. So musste er seine Axt diesmal leider abgeben und bediente nur das Mikro. Die Band aus Thüringen ist einfach richtig sympathisch und erobert bei jedem Konzert die Herzen der Zuschauer im Todessturm. Der Sound war Hammer und drückte das Mittagessen ordentlich in den Magen. Musikalisch hart, fies und schnell wurde es danach auch bei ABORTED. Zwar waren die beiden als Bühnendekoration mitgebrachten Leichen ziemlich regungslos, was für das Publikum keinesfalls galt. Die Musik ist anspruchsvoll, aber technisch astrein gespielt.

Ein wenig lustiger ging es dann bei DRAGONFORCE auf der Main Stage zu. Gespickt mit zwei riesigen Spielautomaten auf der Bühne und dem wohl größten Drumset des Festivals, war schon rein optisch klar, wohin die Reise geht. Ob man nun nur hier war, um zu überprüfen, dass die Band den Guitar Hero Endboss „To The Fire And Flames“ auch wirklich selber spielen kann, oder man die ganze Show sehen wollte, man wurde auf keinen Fall enttäuscht und erlebte eine unterhaltsame Performance. Bei KING APATHY wurde es dann rührselig, schließlich sollte dies die letzte Show der Post Metaller sein. Natürlich war es am späten Nachmittag viel zu hell für die depressive Stimmung der Songs, aber die Band spielte ein denkwürdiges letztes Konzert, wobei sie durch einen Gitarristen der befreundeten Band ANCST unterstützt wurden. Ihre Dankbarkeit drückten sie im Anschluss aus, als sie direkt nach dem Konzert zu den Fans auf ein Schwätzchen gingen.

ROTTING CHRIST feuerten im wahrsten Sinne des Wortes auf der T-Stage ihre schwarze Messe ab. Es ist erstaunlich, was vier Musiker für eine bombastische Soundwand aufspielen können. ROTTING CHRIST haben auch nicht lange gefackelt und einen Hit nach dem anderen abgerissen und richtig Vollgas gegeben. Die Nackenschmerzen des Auftritts sind jetzt, beinahe einen Monat später, noch zu spüren.

Bei NAPALM DEATH könnte man meinen alles wie immer: ’ne Menge schneller Songs, Pits soweit das Auge reicht und politische Ansagen. Aber die Gruppe weiß nach 38 Jahren immer noch zu überraschen und präsentierte mit „Self-Betrayal“ einen Song mit klaren Gesang, der Frontmann Barney erstaunlich gut zu Gesicht stand. Ansonsten müssen die Engländer niemandem mehr etwas beweisen, überzeugen aber immer noch auf ganzer Länge.

Dann betrat der Headliner PARKWAY DRIVE die Hauptbühne und gab eine grandiose Show zum Besten. Allein das Intro, welches über die Video-Leinwände lief, kündigte Großes an. Dazu enterte die Band, begleitet von Fackelträgern, die Bühne mitten durch das Publikum. Zu hören gab es dann eine richtig gute Festival-Songauswahl querbeet durch die Schaffensperiode. Bassist Jia O’Connor ließ sich auch nicht davon aufhalten, im Rollstuhl sein Instrument zu schwingen. Lediglich der anfängliche Sound, der etwa bis zu Mitte des Sets etwas leise war, trügte ein wenig die Stimmung. Auch fragte man sich, wieso die Band eine unglaubliche Licht- und Feuershow abfackelt, aber dann die Leinwände zu Anfang alles nur schwarz/weiß übertragen. Apropos abfackeln: Irgendwann hat es dann wohl durch die Feuershow einen Monitor gekillt, denn dieser viel partiell bei härten Bassparts, nach einem großen Feuerball, aus.

Bei ZEAL & ARDOR machte es sich dann leider vor der Bühne bemerkbar, wo die Zuschauerpriorität lag. Völlig unverdient, da der Auftritt der Band, die Black Metal und Gospel vermischt, mein Highlight am Freitag war. Die noch vergleichsweise junge Band hat natürlich nicht nur Hits an Bord, konnte doch aber ihrer herausfordernden Stagetime mehr als gerecht werden. Der Sound war bombe und die Show mit wenigen Ansagen spektakulär und atmosphärisch.

Okkult ging es auch bei CRIPPLED BLACK PHOENIX zu. Die Mischung aus Doom und Rock entschleunigten zur späteren Stunde den hastigen Festival-Alltag. Durch die sieben Musiker wurde es auf der Rebel Stage ganz schön eng. Der Sound war trotzdem gut abgemischt und transportierte den Zuhörer in einen traumähnlichen Zustand. Auch hier wird der vermehrt auftretende grüne Duft wohl nicht ganz unschuldig gewesen sein.

Derweil wurde es so richtig true auf der Main Stage, weil HAMMERFALL ihren Heavy Metal aus dem Lehrbuch präsentierten. Hier ging es ähnlich feurig zu wie bei PARKWAY DRIVE. Und wer bei den kultigen Hymnen nicht mit gegrölt hat, den ereilt fortan der Metal-Fluch. Allerdings muss man bei dieser Band auch sagen, dass die Auftritte alle immer eher 08-15 sind und, hat man die Band ein mal gesehen, man nichts Neues mehr erwarten kann. Für die Uhrzeit und den Alkoholstatus dann doch aber vollkommen in Ordnung.

Vor dem „Zu-Zelt-Gehen“ genehmigte man sich noch THY ART IS MURDER, die wohl mit ihrer Deathcore-Granate alle Lautstärke-Rekorde brechen wollten. Das Publikum nahm diese Energie auf und startete einen riesigen Circle-Pit, der einmal um den Sound-Turm lief. Frontsau CJ im kecken Leopardenhemd, hielt die Menge mit seinen gängigen Kalauern bei Laune.

Zu viel zu später Stunden traten dann noch die Fallout-Boygroup CYPECORE auf die T-Stage, um ihren Melodic Death unters Publikum zu bringen. Für die Uhrzeit noch überraschend voll, allerdings hat Sänger Dominic, der für seine sehr energiegeladenen Clean-Passagen bekannt ist, selbige hier und da echt verkackt. Sorry, die Band ist sagenhaft und eine der besten deutschen Bands der Neuzeit, aber das war stellenweise echt Mist. Schieben wir das einfach mal auf die Uhrzeit. Der Rest des Auftritts war, wie zu erwarten, dafür bombastisch!

Samstag, 17. August. 2019

Witzig startete auch der letzte Festivaltag. Viele Zuschauer (inklusive dem Autor) sind wohl nur zu VAN CANTO gepilgert, um zu schauen, wie A-cappella Metal funktionieren soll. Doch die anfängliche Skepsis und Belustigung wich sehr schnell dem Staunen, wie gelungen sowohl die Show, als auch die Leistung der Musiker war. Trotz der zwischenzeitlich sieben Mikros auf der Bühne, war alles anständig zu hören. SKÁLMÖLD hatten während ihres gesamten Auftritts ein dickes Grinsen auf den Backen. Leider war es vor der T-Stage nicht angemessen voll. Aber die Band hatte Spaß und verzückte mit ihrem Melodic Death Metal auf Isländisch.

RECTAL SMEGMA war wie ein Unfall. Eigentlich wollte man rüber zur Main Stage und blieb dann unweigerlich hängen. Ob es an dem Namen, der neongrünen Unterhose des Sängers (passend zur Gitarre seines Bandkollegen) oder an den vielen Fans mit Klopapier und –bürste lag, kann allerdings nicht mehr eindeutig erörtert werden. Aber all diese Dinge deuteten auf eines hin: Grindcore. Auch an dieser Stelle möchte ich das Publikum zitieren: „Ich glaube so hört sich für meine Oma jede Metal-Band an. Aber eines kann man den Band nicht absprechen: den Unterhaltungsfaktor. Ordentlich für Stimmung sorgten auch EQUILIBRIUM auf der Main Stage, die mit neuem Album im Gepäck und vielen älteren Gassenhauern, die Nachmittagsmüdigkeit vertrieben. Hier gab es verdammt viel Feuer für eine Show am hellichten Tag. Robse vergnügte mit allerlei herrlichen Ansagen und trotzdem konnten viele Songs durchgeballert werden.

Bei LORDI trugen dann die berühmte Kostümen und ihr legendärer ESC-Gewinn zur Publikumsdichte vor der Bühne bei. Der wilde Ritt durch die Hard Rock Klischees war zwar etwas entspannter, aber wusste dennoch zu unterhalten. Und ein Bass-Elektro Solo bekommt man auf einem Metal-Festival auch nicht alle Tage zu hören. Neben Songs wie „Who’s Your Daddy?“, „Devil is a Loser“ oder „Blood Red Sandman“ spielten die extrem laberfreudigen Finnen dann noch Ihren bekanntesten Song „Hard Rock Halleluja“, bei dem auch Nicht-Fans ordentlich mitsagen.

Spätestens bei GRAND MAGUS spürte man bei dem ein oder anderen, dass dies der letzte Festivaltag war. Der Old-School-Heavy Metal kam zwar gut rüber, aber viel Bewegung konnte man nicht mehr im Publikum ausmachen. Vielleicht haben sich auch nur alle ihre Kräfte für GUTALAX gespart, denn so voll war es vor der Rebel Stage das ganze Festival nicht. Ähnlich wie bei RECTAL SMEGMA scheiden sich auch musikalisch die Geister, aber der Entertainment-Faktor ist riesig, was auch an der enormen Publikumsbeteiligung in Form von aufblasbaren Tieren und Klobürsten lag. Highlight war wohl ein MESHUGGAH-Cover, was ganze zwei Sekunden gedauert hat.

Bei SUBWAY TO SALLY ging es dann noch einmal richtig los und es wurde richtig heiß. Es war selten so voll und die Menge tummelte sich vor dem Einlass. Endlich drin, war die Stimmung absolut ausgelassen und ein jeder war froh, die halbe Stunde anstehen in Kauf genommen zu haben. Denn es lohnte sich wirklich. Wie eine dünne Staubschicht bei einem ausgelassenem Circle-Pit legte sich der Wasserdampf der Dusche auf die Haut, während dutzende Metalfans, die nicht an Geschmacksverirrung durch SUBWAY TO SALLY litten, ihre wohlverdiente Dusche nahmen. Irgendwer spielte wohl auf der Hauptbühne. Hat man durch den Wasserdruck dann zum Glück nicht gehört. War echt gut!

BULLET FOR MY VALENTINE machten allein schon durch den fulminanten Bühnenaufbau ihre Stellung als Samstags-Headliner klar. Auch hier gab es eine astreine Festival-Songauswahl. Klar, alle bekommst du nie zufrieden, aber es war eine gute Show. Frontmann Matthew Tuck teilt sich zwar immer mehr Gesang und Geschrei mit seinem Bassisten Jamie Mathias, zeigt aber dafür immer eindrucksvoller, wie gut er an der Gitarre ist. Selbiges gilt natürlich auch für Michael Paget. Da klappt einem der Kiefer runter, wenn man sieht, wie bei denen die Finger über das Griffbrett fliegen. Am Ende hatten die vier Waliser sogar noch zehn Minuten über. Schade, dass die nicht genutzt wurden.

Noch ein wenig geschockt über die überraschend gute Show der MTV-Metal Band BFMV, ging das Wechselbad der Gefühle dann direkt weiter mit der MTV- Black Metal Band DIMMU BORGIR. Blasphemie mag man uns nun vorwerfern, aber die Jungs rund um Sänger Shaggy, wie man ihn mittlerweile eigentlich schon nennen kann, ist schon ein wenig abgedriftet, seit ihrer großen BM Zeiten. Vollkommen egal, denn live liefert die Band noch sowas von ab, dass einem selbst in den letzten Reihen noch die Haare nach hinten fliegen durch die Wucht der Musik. Ein unfassbar geniales Live Set mit einem Setting, dass einem wohl für immer im Kopf bleiben wird. Von DIMMU BORGIR kann man halten was man will, doch die Band ist live stärker als die meisten anderen und reißt auch Summer Breeze Besucher, die mit Black Metal eigentlich gar nichts am Hut haben, mit.

HIER GEHT ES ÜBRIGENS ZUR SUMMER BREEZE GALERIE!

Allgemein

Insgesamt muss man einfach wieder nur schwärmen, was das Summer Breeze in seiner Größenordnung doch für ein grandioses Festival ist: von der Bandauswahl, kurze Wege, Verkaufsstände, Fan-Service und noch so vieles mehr. Dies quittieren dementsprechend auch die Fans, was sich in den wenigen körperlichen Auseinandersetzungen zeigt. Zwar haben sich ein paar Idioten auf dem Festival befunden, die sich als Taschendiebe versucht haben, doch man wurde sofort auf den Leinwänden und von den Securitys darüber informiert. Und die Polizei konnte sogar Diebe festsetzen und die entwendeten Gegenstände den Besitzern übergeben. Erwähnt müssen auch noch unbedingt die tollen sanitären Einrichtungen, die nicht nur sauber waren, sondern an denen man auch nie lange anstehen musste. Das hat man auf einem anderen großen Festival in Bayern dieses Jahr ganz anders erleben müssen.

Bei einem kurzen Gespräch mit freiwilligen Sanitätern konnte ich in Erfahrung bringen, dass sie immer wieder gerne auf das Festival kommen, auch wenn sie selber nicht Metal hören. „Die Stimmung ist einfach grandios, die Besucher friedlich und wir werden auch immer wieder von dem was auf der Bühne geboten wird überwältigt. Wir kommen einfach gerne auf das Summer Breeze und vorhin kamen sogar Besucher vorbei und haben uns Essen ausgegeben.“ Und so ging ein grandioses Summer Breeze 2019 zu Ende. Das wird auf jeden Fall lange in Erinnerung bleiben.